Stand: 15.05.2018 09:29 Uhr

Blutdruck: Langzeitmessung kann Leben retten

Viele vorzeitige Todesfälle könnten vermieden werden, wenn Blutdruck-Erkrankte eine 24-Stunden-Blutdruckmessung erhielten. Laut einer aktuellen Studie reichen Einzelmessungen beim Arzt oder zu Hause nicht aus, um die Diagnose zu sichern und die beste individuelle Therapie zu finden. Doch bislang ist die Langzeitmessung nicht zwingend erforderlich. Experten empfehlen für jeden Bluthochdruck-Erkrankten eine 24-Stunden-Messung zu Beginn und regelmäßig zur Kontrolle.

Ein Blutdruckmessgerät um einem Arm geschnallt.

Blutdruck: Langzeitmessung kann Leben retten

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Wer an Bluthochdruck erkrankt ist, sollte zu Hause die Blutdruckwerte kontrollieren und regelmäßig eine 24-Stunden-Langzeitmessung durchführen. Worauf ist beim Messen zu achten?

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Blutdruck: Symptome und Folgen

Hoher Blutdruck tut nicht weh, macht nicht müde und beeinträchtigt auch sonst das tägliche Leben nicht. Trotzdem ist er sehr gefährlich. Rauscht das Blut ständig mit zu viel Druck durch Gefäße und Organe, schädigt das die Gefäßwände und kann lebensbedrohliche Folgen wie Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Herzschwäche, Schlaganfall und Nierenschäden haben.

Fast jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat einen zu hohen Blutdruck, oft ohne es zu ahnen. Denn da er keine Beschwerden bereitet, entwickelt sich ein Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) lange im Verborgenen. Darum ist es wichtig, den Blutdruck regelmäßig beim Arzt kontrollieren zu lassen. Wer an Bluthochdruck erkrankt ist, sollte den Blutdruck auch zu Hause kontrollieren.

Was die Blutdruckwerte bedeuten

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In der Regel wird der Blutdruck nur an einem Arm gemessen - auch wenn es in den Behandlungsleitlinien anders steht.

Bei der Blutdruckmessung werden immer zwei Werte angegeben, zum Beispiel 120 zu 80. Die Einheit ist Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Der höhere, zuerst genannte Wert ist der sogenannte systolische Blutdruck. Er wird gemessen, während das Herz Blut in die Schlagadern drückt. Der niedrigere Wert ist der diastolische Blutdruck, wenn sich die Herzkammern entspannen und füllen.

Diese Blutdruckwerte gelten als normal

Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt für die große Mehrheit der Bluthochdruck-Patienten einen Blutdruck von weniger als 140 zu 90 mmHg. Nur bei hohem Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten könne eine Senkung des systolischen Blutdrucks auf weniger als 130 mmHg erwogen werden. Nach der aktuellen europäischen Leitlinie zur Bluthochdruck-Behandlung sollen bei Werten zwischen 130 und 139 mmHg keine Medikamente eingesetzt werden. In diesem Fall genüge eine Veränderung des Lebensstils:

  • regelmäßig bewegen, für eine halbe Stunde an mindestens fünf Tagen pro Woche
  • auf Zigaretten verzichten
  • maximal sechs Gramm Salz pro Tag essen

Blutdruck an beiden Armen messen

Auch bei Routineuntersuchungen in der Arztpraxis bleibt manche Hypertonie lange unentdeckt, weil der Blutdruck oft nur an einem Arm gemessen wird - obwohl in den Behandlungsleitlinien die Messung an beiden Armen gefordert wird. Idealerweise sollte der Druck sogar gleichzeitig an beiden Armen gemessen werden, um etwaige Schwankungen auszugleichen. Wird immer nur an dem Arm mit dem niedrigeren Druck gemessen, fällt zu hoher Blutdruck möglicherweise nicht auf.

Blutdruck richtig messen

Bei Seitendifferenzen des Blutdrucks sind grundsätzlich die höheren Werte für Diagnose und Therapie einer Hypertonie ausschlaggebend. Seitenunterschiede von mehr als zehn mmHg signalisieren ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Differenzen von mehr als 25 bis 30 mmHg weisen auf Gefäßverkalkungen oder eine Fehlbildung der Arterie unter dem Schlüsselbein hin. Sie behindert den Blutfluss in den Arm und führt dazu, dass der Blutdruck im Arm auf der gleichen Seite abfällt. Das benötigte Blut erhält der Arm dann vor allem aus dem Gefäß, das den Kopf versorgt - häufige Schwindelattacken können die Folge sein. Ärzte sprechen dabei von einem "Subclavian-Steal-Syndrom".

Abhilfe schafft die Erweiterung der Engstelle mit einem Ballonkatheter, bei der eine winzige Gefäßstütze (Stent) eingesetzt wird. Anschließend wird der Arm besser durchblutet, die Schwindelattacken verschwinden und der Blutdruck lässt sich besser kontrollieren und einstellen.

Versteckten Bluthochdruck erkennen

Tückisch ist ein Bluthochdruck, der nur in bestimmten Situationen auftritt ("maskierte Hypertonie"):

  • Der Blutdruck steigt zum Beispiel bei Stress, eventuell am Arbeitsplatz, während er zu Hause eher im Normalbereich bleibt. Deshalb wird dieser Bluthochdruck bei Routinemessungen nicht erkannt.
  • Bei der Blutdruckmessung in der Arztpraxis sind viele Betroffene aufgeregt, die gemessenen Blutdruckwerte fallen oft zu hoch aus. Nimmt der Arzt die Werte als Grundlage für die Therapie, kann es vorkommen, dass er Medikamente überdosiert.

Blutdruck 24 Stunden lang messen

Dem versteckten Blutdruck kommt eine Langzeitmessung auf die Spur. Dabei misst ein automatisches Messgerät über 24 Stunden den aktuellen Blutdruck unter Alltagsbedingungen - am Tag alle 15 Minuten und in der Nacht alle 30 Minuten. Am Tag der Messung sollte sich Betroffene nicht schonen, sondern sich so verhalten wie im normalen Alltag. So kann der Arzt erkennen, wann sich der Blutdruck wie verändert. Danach entscheidet er, ob und welche Medikamente notwendig sind, um den Blutdruck möglichst dauerhaft auf einem guten Niveau zu halten.

Bluthochdruck behandeln

Liegt tatsächlich eine Hypertonie vor, gibt es eine ganze Reihe von Behandlungsansätzen. Dazu gehören Bewegung, salzarme Ernährung, eine große Bandbreite von Medikamenten oder der Einsatz spezieller Schrittmacher (Barorezeptorstimulation). Daneben haben sich alternative Behandlungsverfahren bewährt, zum Beispiel Entspannungstechniken, regelmäßiges Blutspenden und der klassische Aderlass. Welche Maßnahmen im Einzelfall Erfolg versprechen, müssen Arzt und Patient ausprobieren und im weiteren Verlauf immer wieder kontrollieren.

Sport kann Blutdruck senken

Untersuchungen zeigen, dass eine regelmäßige sportliche Betätigung die Blutdruckwerte um bis zu 20 mmHg senken kann. Geeignet sind Ausdauersport wie Laufen, Radfahren und Schwimmen. Vorsicht ist dagegen bei Sportarten wie Gewichtheben, Kraftsport oder Klettern angebracht: Die statische Belastung kann zu gefährlichen Blutdruckspitzen führen.

Nächtlicher Bluthochdruck kann gefährlich werden

Oft nehmen Betroffene viele Medikamente gleichzeitig ein, zum Beispiel eine Tablette fürs Herz, eine zum Entwässern, eine zur Blutverdünnung und eine für den Blutdruck. In der Regel werden die Medikamente am Morgen eingenommen. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass die Wirkung von Blutdrucksenkern stark von der Tageszeit und dem körpereigenen Rhythmus abhängt. Stellt sich bei der Langzeitblutdruckmessung über 24 Stunden heraus, dass der Blutdruck in der Nacht erhöht ist, ist eine gezielte Behandlung erforderlich - zum Beispiel durch Einnahme der Tabletten am Abend statt am Morgen. Denn ein nächtlicher Bluthochdruck ist für Herz und Gefäße besonders gefährlich.

Messgeräte mit Prüfsiegel benutzen

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Die Deutsche Hochdruckliga vergibt Prüfsiegel.

Zur Blutdruckkontrolle zu Hause eignen sich automatische Messgeräte, die am Oberarm oder am Handgelenk angebracht werden. Wichtig: Wenn der Blutdruck am Handgelenk gemessen wird, muss das Handgelenk in Herzhöhe liegen, damit korrekte Werte ermittelt werden. Eine wertvolle Hilfe bei der Auswahl eines Blutdruckmessgerätes ist das Prüfsiegel der Hochdruckliga, das nur an Geräte verliehen wird, die ausreichend genaue Werte liefern.

Da die automatische Messung trotz ausgefeilter Technik aufgrund anatomischer Abweichungen aber nicht bei allen Menschen zuverlässig funktioniert, sollte ein neues Gerät zunächst mit in die Praxis gebracht werden. Der Arzt kann dann kontrollieren, ob die von ihm und dem Gerät gemessenen Werte übereinstimmen.

Blutdruckmessung - die wichtigsten Regeln:

  • Vor der Messung fünf Minuten entspannen.

  • Die Blutdruckmanschette muss sich auf Herzhöhe befinden. Das ist vor allem bei Handgeräten wichtig.

  • Immer im Sitzen und angelehnt, den Arm auf dem Tisch ruhend, messen.

  • Beim Messen nicht bewegen oder reden.

  • Morgens und abends messen, immer zur gleichen Zeit. Morgens vor der Einnahme blutdrucksenkender Mittel messen, damit auch der Blutdruck in den frühen Morgenstunden erfasst wird.

  • Ergebnisse dokumentieren (falls kein Datenspeicher im Gerät vorhanden ist). Der Arzt kann dann sehen, ob die bisherige Behandlung optimal ist oder verändert werden sollte.

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