Stand: 03.09.2018 14:15 Uhr  | Archiv

Bettruhe: Warum Liegen dem Körper schadet

ältere Frau sitzt in einem Krankenhausbett © Colourbox Foto: Syda Productions
Zu lange Bettruhe schadet. Auch im Krankenhaus ist Bewegung wichtig.

Lange im Bett bleiben, um wieder gesund zu werden, ist oft keine gute Idee. Denn bei zu viel Bettruhe können Muskeln, Lunge, Kreislauf und auch das Gehirn leiden. Dass langes Liegen dem Körper schadet, haben viele Studien bewiesen. Deshalb raten Mediziner, bei einer Krankheit oder nach einer Operation so schnell wie möglich das Bett zu verlassen, um den Körper wieder in Bewegung zu bringen. Nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei schweren Virusinfektionen, ist Schonung im Bett angesagt.

So schädlich ist langes Liegen

Bei einer längeren Bettruhe baut der gesamte Körper Muskulatur ab, auch wenn nur ein Körperteil geschont werden soll oder unbeweglich ist. Das ist genetisch so festgelegt. Bereits nach nur zehn Tagen Bettruhe ist ein Drittel der Muskelmasse verschwunden.

Zum Beispiel führt das Ruhigstellen eines Armes dazu, dass auch Bein- und Atemmuskulatur abgebaut werden. Durch geschwächte Beinmuskeln wiederum kann eine Thrombose entstehen, wenn das Blut dadurch nicht mehr richtig gepumpt wird. Weil man im Liegen schlecht durchatmen kann, werden einige Bereiche der Lunge nicht richtig belüftet - die Gefahr einer gefährlichen Lungenentzündung steigt.

Körper frühzeitig mobilisieren

Ziel ist es, dass Kranke möglichst schnell wieder auf die Beine kommen:

  • Nach einer Operation sollten Betroffene, falls möglich, wenigstens ein paar Schritte zum Bad gehen.
  • Bei Rückenbeschwerden kann trotz Schmerzen Gymnastik sinnvoll sein.
  • Bei einem grippalen Infekt können Betroffene spazieren gehen.
  • Bei Knochenbrüchen können technische Hilfsmittel Rehasport ermöglichen, ohne die gebrochen Knochen zu stark zu belasten.
  • Bei Menschen im Koma oder nach einem Schlaganfall sollten Ärzte und Pfleger versuchen, Betroffene aufrecht hinzusetzen. Denn Sitzen ist auch für das Gehirn besser als Liegen: Es ist leistungsfähiger, aufmerksamer, wacher - bereit zu kommunizieren.

Tipps für mehr Bewegung im Krankenhaus

  • Muskeln an Armen und Händen mit einem Knautschball trainieren.
  • An der Bettkante aufsetzen, um den Kreislauf zu aktivieren.
  • Bettdecke als "Trainingsgerät" nutzen.
  • An Dreiangel-Griff über dem Bett hochziehen.
  • Beim Aufstehen Straßenschuhe anziehen, keine Duschlatschen oder Pantoffeln.
  • Duschen (falls keine offenen Wunden vorliegen).
  • Tagsüber normale Kleidung und kein Schlafzeug tragen und so wenig Zeit wie möglich im Bett verbringen.
  • Besucher sollten ihre kranken Angehörigen motivieren, gemeinsam über den Krankenhausflur zu gehen.

Muskulatur schnell wieder aufbauen

Ist die Muskulatur bereits geschrumpft, können diese Tipps beim Wiederaufbau helfen:

  • Training mit geringer Last beginnen, zum Beispiel mit schonender Gymnastik im Wasser.
  • An die Belastungsgrenze gehen, sonst fehlen die nötigen Wachstumsreize für Kondition und Muskeln.
  • Belastung gezielt erhöhen und das Pensum zum Beispiel per Schrittzähler kontrollieren.
  • Regelmäßig trainieren, etwa zwei Tage intensiv und dann einen Tag erholen.
  • Pausen nicht vergessen.
  • Motivation zu regelmäßigem Training per Smartphone-App unterstützen.

Weitere Informationen
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Experten zum Thema

Dr. Helge Riepenhof, Chefarzt
Zentrum für Rehabilitationsmedizin und interdisziplinäre Sportmedizin
BG Klinikum Hamburg
Bergedorfer Straße 10, 21033 Hamburg
(040) 73 06-28 11
www.bg-klinikum-hamburg.de

Dr. Thomas van de Weyer, Chefarzt
Fachübergreifende Frührehabilitation
BG Klinikum Hamburg
Bergedorfer Straße 10, 21033 Hamburg
(040) 73 06-28 17
www.bg-klinikum-hamburg.de

Priv.-Doz. Dr. Hans F. E. Klose, Chefarzt
Sektion Pneumologie
II. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
www.uke.de

Dr. Andrea Iwansky, Pneumologin
Alsterpneumologie - Facharztpraxis Colonnaden
Colonnaden 9, 20354 Hamburg
www.facharztpraxis-colonnaden.de

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Visite | 04.09.2018 | 20:15 Uhr

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