Stand: 04.05.2020 17:07 Uhr

Behandlung von Krampfadern: Laser und OP gleichwertig

Ein medizinischer Laser wird an einem Bein angesetzt © PantherMedia Foto: vverve
Eine Laserbehandlung ist einer aktuellen Studie zufolge genauso wirksam wie eine Operation.

Krampfadern (Varizen) können entstehen, wenn das Bindegewebe - meist erblich bedingt - zu schwach ist. Nimmt dann die Elastizität der Blutgefäße ab, schließen die Venenklappen nicht mehr richtig. Das Blut wird nicht mehr vollständig zum Herzen zurückgepumpt, sondern versackt im Stehen und Sitzen in den Beinen. Die sogenannten Stammvenen schwellen dauerhaft an, was zu hartnäckigen Geschwüren, offenen Wunden an den Beinen und Thrombosen führen kann. Besonders gefährlich wird es, wenn ein solches Gerinnsel vom Blutstrom mitgerissen und in die Lunge gespült wird, wo es eine lebensgefährliche Lungenembolie auslösen kann. Aus diesem Grund sollte ein Krampfaderleiden nicht auf die leichte Schulter genommen, sondern rechtzeitig und nachhaltig effektiv behandelt werden.

VIDEO: Behandlung von Krampfadern: Laser und OP gleichwertig (6 Min)

Diese Behandlungsoptionen gibt es

Wenn es darum geht, eine Krampfader zu beseitigen, werden vor allem drei Verfahren eingesetzt: Die klassische Stripping-Operation, die endovenöse Lasertherapie und die Schaumsklerosierung. Beim Venen-Stripping zieht der Chirurg die komplette erkrankte Stammvene mit Hilfe einer Sonde über einen Schnitt in der Leiste aus dem Bein. Diese seit Jahrzehnten etablierte Technik galt lange als das beste und langfristig den schonenderen Alternativen überlegene Verfahren. Man nahm an, dass es nach dem Lasereingriff oder der Schaumsklerosierung eher zu Rückfällen oder neuen Beschwerden kommen könnte, weil das erkrankte Gefäß dabei nur verschlossen und nicht entfernt wird.

Kein signifikanter Unterschied zwischen OP und Laser-Behandlung

Doch eine britische Studie mit fast 800 Patienten und elf beteiligten Behandlungszentren widerlegt nun diese Annahme: Tatsächlich fand sich in der Studie nach fünf Jahren, was die Zufriedenheit der Patienten angeht, kein signifikanter Unterschied zwischen den mit dem Laser Behandelten und den per Stripping Operierten. Beide Verfahren schnitten deutlich besser ab als die Schaumsklerosierung, bei der unter Ultraschallkontrolle ein aufgeschäumtes Medikament in die krankhaft veränderten Venen gespritzt wird. Auch wenn die Frage Stripping-OP oder Laser immer im Einzelfall und abhängig vom Ausgangsbefund entschieden werden muss, hat die Studie nun gezeigt, dass die schonende endovenöse Lasertherapie der klassischen Operation insgesamt zumindest ebenbürtig ist.

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So funktioniert die endovenöse Lasertherapie

Bei der Lasertherapie wird die Laserfaser per Katheter durch die Krampfader zunächst bis kurz vor die Einmündung in die tiefe Beinvene in der Leiste geführt. Dann wird sie langsam zurückgezogen. Dabei erhitzt die vom Laser abgegebene Energie die Venenwand so stark von innen, dass das Gefäß zusammenschrumpft und sich mit der Zeit auflöst. Die Laserfaser zerstört die Krampfader mit Temperaturen von bis zu 120 Grad Celsius. Danach legt der Chirurg gegebenenfalls die Seitenäste der Stammvene mit kleinen Schnitten frei und zieht sie mit einem kleinen Haken heraus. Ein Leistenschnitt wie beim Stripping ist nicht nötig, wodurch das Risiko vermieden wird, Lymphgefäße oder gar Nervenstämme zu verletzen. Während beim Venen-Stripping zunächst Druckverbände und Bettruhe notwendig sind, können die Patienten nach einer Laserkoagulation sofort aufstehen und spätestens am nächsten Tag nach Hause gehen. Spätestens nach einer Woche sind sie wieder arbeitsfähig.

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Experten zum Thema

Dr. Petra Schneider, Fachärztin für Chirurgie, Gefäßchirurgie und Phlebologie
Medizinisches Versorgungszentrum Stade
Hohenwedeler Weg 18
21682 Stade
www.mvz-stade.de/

Dr. Rosario di Grazia, Chefarzt
Venenzentrum Braunschweig
Kastanienallee 18-19
38102 Braunschweig
(0531) 707 08-0
www.venenzentrum-braunschweig.de

Prof. Dr. Birgit Kahle, Leitende Oberärztin
Leitung Venen-Kompetenz-Zentrum
Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie (Hautklinik)
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
(0451) 500-415 50
www.uksh.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.05.2020 | 20:15 Uhr

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