Stand: 14.02.2017 08:33 Uhr  | Archiv

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Immer mehr Fälle

An Bauchspeicheldrüsenkrebs erkranken in Deutschland jedes Jahr mehr als 16.000 Menschen. In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Zahl der Betroffenen mehr als verdreifacht. Insgesamt machen die sogenannten Pankreaskarzinome drei Prozent aller Krebserkrankungen aus: Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den Krebsarten mit den schlechtesten Aussichten. Ärzte versuchen, die Überlebenschance mit einer Kombination aus Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie zu erhöhen.

Bauchspeicheldrüsenkrebs behandeln

Keine Möglichkeiten zur Früherkennung

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist ein Schicksalsschlag, vor dem sich niemand schützen kann. Chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse erhöhen das Risiko und sind oft schwer vom Krebs zu unterscheiden. Eine andere Risikogruppe sind Menschen über 50, bei denen Diabetes Typ 2 neu diagnostiziert wurde. Ihr Risiko, dass in den nächsten ein bis zwei Jahren ein Pankreastumor entdeckt wird, liegt bei ein bis zwei Prozent. Noch gibt es keine Möglichkeiten zur Früherkennung.

Tumor wird oft zu spät erkannt

Im Frühstadium der Erkrankung fehlen typische Beschwerden. Deshalb wird der Tumor oft erst spät entdeckt. Die Symptome wie Appetitmangel, Übelkeit und Erbrechen sowie ein Druckgefühl im Oberbauch oder Rückenschmerzen sind unspezifisch. Zu Beschwerden kommt es häufig erst, wenn sich der Tumor in einem fortgeschrittenen Stadium auf benachbarte Organe wie Magen, Zwölffingerdarm, Bauchfell oder Milz ausgebreitet hat und damit ihre Funktion stört.

Diagnose per Sonografie und CT

Zur Untersuchung der Bauchspeicheldrüse verwenden Ärzte mehrere Verfahren:

  • Eine Ultraschalluntersuchung ist weder aufwendig noch belastend, allerdings ist ihre Aussagekraft oft eingeschränkt.
  • Mit einer Endosonografie können Ärzte die Bauchspeicheldrüse sehr gut beurteilen. Dazu wird ein dünner Schlauch durch den Mund, die Speiseröhre und den Magen bis in den Zwölffingerdarm vorgeschoben. Mit einer Ultraschallsonde am Ende des Schlauches lässt sich das Gewebe der Bauchspeicheldrüse zuverlässig beurteilen.
  • Eine Computertomografie (CT) ist hilfreich, um die Ausbreitung eines Tumors und mögliche Absiedelungen in andere Organe zu beurteilen. Eine CT kann ein Pankreaskarzinom mit großer Sicherheit ausschließen oder bestätigen.
  • Bei Blutuntersuchungen können erhöhte Werte für die von der Bauchspeicheldrüse produzierten Verdauungsenzyme Amylase und Lipase auffallen. Der Tumormarker CA 19-9 eignet sich nicht zur Früherkennung eines Pankreaskarzinoms, kann aber Rückschlüsse auf die Größe des Tumors, den Krankheitsverlauf und den Therapieerfolg zulassen.

Operation nur in jedem fünften Fall möglich

Bauchspeicheldrüsenkrebs kann nur mit einer Operation geheilt werden, solange der Tumor noch nicht auf andere Organe übergegriffen hat. Nur bei einem Fünftel der Erkrankten ist das Pankreaskarzinoms zum Zeitpunkt der Diagnose operabel. Die Entfernung von Teilen der Bauchspeicheldrüse ist eine aufwendige und extrem belastende Operation, weil das Organ eng von wichtigen Blutgefäßen und Organen umgeben ist:

  • Bei Karzinomen im Pankreaskopf müssen neben Teilen der Bauchspeicheldrüse auch Teile des Magens und des Zwölffingerdarms entfernt werden.
  • Bei Karzinomen im Pankreaskorpus oder -schwanz werden die komplette Bauchspeicheldrüse und der Zwölffinderdarm oder alternativ nur die betroffenen Teile der Bauchspeicheldrüse entfernt.

Wurden Teile der Bauchspeicheldrüse entfernt, wird der Rest des Organs wieder an den Magen- und Darmtrakt angeschlossen. Kommt es dabei zu undichten Stellen, können aggressive Verdauungssäfte in den Bauchraum gelangen und dort lebensbedrohliche Entzündungen verursachen.

Chemotherapie kann Leben verlängern

Eine Chemotherapie kann die durchschnittliche Überlebenszeit um einige Monate verlängern:

  • Nach einer Operation beginnt die Chemotherapie in der Regel innerhalb von sechs Wochen und wird wöchentlich über sechs Monate durchgeführt.
  • Bei einem fortgeschrittenen Pankreaskarzinom kann eine Chemotherapie den Tumor in einigen Fällen verkleinern, sodass eine Operation möglich wird.

Mediziner forschen an neuen Therapien

Um die langfristige Heilungschance bei Bauchspeichdrüsenkrebs zu verbessern, forschen Wissenschaftler an neuen Therapien. Bereits während der Operation kann eine Bestrahlung des Tumorbettes am geöffneten Bauch erfolgen. Der Vorteil dabei ist, dass das Tumorbett direkt bestrahlt wird, ohne dass weitere empfindliche Organe mitbestrahlt werden. So können höhere Strahlendosen verabreicht und unerwünschte Nebenwirkungen reduziert werden.

Mediziner an der Universitätsklinik Heidelberg sehen die Zukunft in einer individualisierten Behandlung. Dazu legen sie aus Tumorzellen, die sie während der Operation entnommen haben, Zellkulturen an und testen im Reagenzglas, auf welche Medikamente die Zellen am besten reagieren.

Weitere Informationen

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Visite | 14.02.2017 | 20:15 Uhr

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