Stand: 18.05.2018 14:45 Uhr  | Archiv

Altershirndruck: Die heilbare Demenz

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Die Ursache für Altershirndruck ist ein gestörter Kreislauf des Hirnwassers.

Vergesslichkeit, Gang- und Gleichgewichtsstörungen, schließlich Inkontinenz und Demenz: Die Symptome des sogenannten Altershirndrucks (Normaldruckhydrozephalus) ähneln oft einer beginnenden Demenz-, Alzheimer- oder Parkinson-Krankheit. Etwa 60.000 Menschen in Deutschland, in der Regel ab 65 Jahren, sind von dieser Erkrankung betroffen. Sie ist auch bei Ärzten noch relativ unbekannt und wird daher häufig übersehen. Mit fatalen Folgen: Viele Betroffene werden mit der falschen Diagnose als unheilbar eingestuft und schließlich zu Pflegefällen. Dabei ist die Behandlung des Altershirndrucks mit relativ einfachen Eingriffen und Therapien gut möglich.

Nachlassende Elastizität der Gefäße

Das Nervenwasser ist nicht konstant im Schädel, sondern es findet ein permanenter Umwälzprozess statt. Jeden Tag werden 1,5 Liter Liquor gebildet. Es wird aus dem Blutserum herausfiltriert. Dies geschieht im Schädel. Dann fließt das Nervenwasser Richtung Rücken und am Übergang zwischen Lendenwirbelsäule und Kreuzbein gibt es Stellen, wo das Nervenwasser wieder aufgenommen wird. So werden Nährstoffe transportiert und gleichzeitig wirkt das Nervenwasser als Puffer für das Gehirn, um es vor Verletzungen zu schützen. Wenn dieser Liquorfluss in irgendeiner Form blockiert oder gestört ist, kann ein Altershirndruck entstehen. Dabei gehen Experten davon aus, dass es - besonders in der Nacht - zu Druckschwankungen kommt. Oft hängt es mit der im Alter nachlassenden Elastizität der Gefäße zusammen, wenn der Druck im Hirn steigt und nach und nach die Hirnkammern zerstört werden. Aber auch Demenz oder Parkinson können einen Altershirndruck begünstigen.

Diagnose des Altershirndrucks

Für eine Diagnose werden zunächst die Symptome genau unter die Lupe genommen. Bei einer Gangunsicherheit sind folgende Auffälligkeiten festzustellen:

  • Die Beine werden breiter gesetzt.
  • Die Fußspitzen werden nach außen gesetzt.
  • Der Gang ist kleinschrittig, es ist eine Art Bügeleisengang.

Hinzu kommen Symptome wie zum Beispiel Vergesslichkeit. Wichtig: Haben Betroffene Inkontinenz-Probleme, handelt es sich bei Altershirndruck um Dranginkontinenz.

Mithilfe von CT- und Kernspin-Bildern können Veränderungen im Gehirn festgestellt werden. Deuten die Symptome dann auf einen Altershirndruck hin, sorgt meist der Liquorablasstest für Klarheit: Dabei saugt der Neurologe etwas Hirnwasser (30 bis 50 Milliliter) aus dem Rückenmarkkanal ab und senkt so den Druck im Gehirn. Bei einigen Betroffenen bessern sich die Symptome, vor allem das Gangbild, relativ zügig. Bei anderen muss der Test wiederholt werden, um eine sichere Diagnose stellen zu können.

Ventilsystem sorgt für Abfluss des Hirnwassers

Um das Gehirn auf Dauer von dem angestauten Hirnwasser zu entlasten, setzen Neurochirurgen einen sogenannten Shunt. Es wird ein Ventilsystem in den Kopf eingesetzt, das sich bei Überdruck öffnet und das überschüssige Hirnwasser durch einen Schlauch in die Bauchhöhle leitet. Das Ventilsystem ermöglicht dabei eine Regulation des Abflusses und verhindert so, dass zu viel Hirnwasser abgeleitet wird. Die individuelle Einstellung kann dann auch von außen durchgeführt werden.

Ein rechtzeitiger Eingriff ist wichtig, um bleibende Schäden zu verhindern. Der Eingriff senkt den Hirndruck auf normale Werte, die Symptome wie Gangstörungen, Inkontinenz und auch beginnende Demenz bessern sich erheblich. Nach der OP werden die Betroffenen neurochirurgisch und neurologisch weiter begleitet.

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Visite | 22.05.2018 | 20:15 Uhr

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