Stand: 16.04.2018 18:10 Uhr

Allergien: Das Immunsystem spielt verrückt

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Menschen mit einer Allergie haben ein übereifriges Immunsystem: Es bekämpft eigentlich harmlose Substanzen.

Tränende Augen, permanenter Niesreiz und Atemnot: Für Pollen-Allergiker hat der Frühling auch seine schlechten Seiten. Denn sobald die ersten Pollen fliegen, reagieren sie mit mehr oder weniger heftigen Symptomen auf die eigentlich so harmlosen Substanzen von Bäumen, Büschen und Gras. Aber nicht nur Pollen können eine Allergie auslösen. Auch Tierhaare, Hausstaub, bestimmte Lebensmittel, Duftstoffe, Arzneimittel, Metalle oder Chemikalien können eine allergieauslösende Substanz - also ein Allergen - sein. Fast 30 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Allergie.

Tim Berendonk © NDR/tagesschau24

Wie entstehen Allergien?

Fast 30 Millionen Menschen in Deutschland sind Allergiker. Der WissensCheck bei tagesschau24 erklärt, wie Allergien entstehen und warum bei manchen Menschen das Immunsystem Amok läuft.

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Was passiert bei einer Allergie?

Wann immer der Körper mit einer körperfremden Substanz in Kontakt kommt, prüft das Immunsystem, ob es sich um einen Krankheitserreger handelt. Ist das der Fall, kommt es zu einer komplexen Abwehrreaktion. Menschen mit einer Allergie haben ein übereifriges Immunsystem. Es bekämpft nicht nur krankmachende Erreger wie Viren und Bakterien, sondern auch harmlose Substanzen. Zu Beschwerden kommt es meist nicht sofort beim ersten Kontakt, sondern erst, wenn das Immunsystem wiederholt mit dem Allergen konfrontiert wird. Der Kontakt zu dem Allergen kann über die Nase, die Haut oder den Magen-Darm-Trakt erfolgen. Die Symptome, unter denen Allergiker leiden, können sich in ihrer Heftigkeit steigern und bis hin zu einem lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock reichen. Allergien sollten daher nie unterschätzt werden.

Warum entstehen Allergien?

Jeder Mensch kann im Laufe seines Leben auf grundsätzlich jede Substanz eine Allergie entwickeln. Die Gründe, warum das Immunsystem bei Allergikern auf eigentlich harmlose Stoffe reagiert, sind bislang noch nicht vollständig geklärt. Unstrittig ist, dass für den Ausbruch einer Allergie die genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Aber auch weitere Faktoren spielen eine Rolle, zum Beispiel Umwelteinflüsse oder die Ernährung. Forscher gehen davon aus, dass unser Mikrobiom - also die Pilze, Bakterien und Viren, die uns und vor allem unseren Darm bevölkern - einen großen Einfluss auf unser Immunsystem und daher auch für die Entstehung von Allergien hat.

Wie können Allergien behandelt werden?

Für Betroffene ist es natürlich das Beste, den Allergieauslöser zu meiden. Bei vielen Allergien wie Heuschnupfen ist das aber so gut wie unmöglich. Helfen können sogenannte Antihistaminika. Sie blockieren im Körper die Andockstellen für Histamin, das als Reaktion auf Allergene gebildet wird und die allergischen Symptome verursacht. Daneben werden auch andere Medikamente wie Cortison eingesetzt, um die Folgen einer Allergie zu lindern.

Eine allergenspezifische Immuntherapie, die sogenannte Hypo- oder Desensibilisierung, hat das Ziel, den Körper an die allergieauslösenden Substanzen zu gewöhnen und die Abwehrreaktion zu schwächen. Dabei wird der Körper unter ärztlicher Aufsicht in regelmäßigen Abständen mit steigenden Mengen des Allergens konfrontiert.

Zudem gibt es zur Bekämpfung von Allergien etliche naturheilkundliche Ansätze wie Akupunktur, Bioresonanztherapie, Hypnose und Homöopathie. Deren Wirksamkeit ist unter Schulmedizinern aber umstritten.

Dieses Thema im Programm:

tagesschau24 | 17.04.2018 | 09:20 Uhr

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