Stand: 10.09.2018 17:08 Uhr  | Archiv

Gefahr fürs Augenlicht: Arteriitis temporalis

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Heftige einseitige Kopfschmerzen können ein Hinweis auf Arteriitis temporalis sein.

Die Arteriitis temporalis ist eine rheumatische Gefäßerkrankung. Die Autoimmunkrankheit greift vor allem große und mittelgroße Gefäße an, am häufigsten Äste der Halsschlagader, die Schläfenregion, Hinterkopf und Augen mit Blut versorgen. Bei ungefähr jedem fünften Betroffenen tritt sie in der Hauptschlagader auf, selten auch an Herzkranzarterien, Hirngefäßen oder Gefäßen in anderen Organen.

In den betroffenen Gefäßen sammeln sich bestimmte Immunzellen und führen zu einer chronischen Entzündung. Unter dem Mikroskop sind besonders große Zellen, sogenannte Riesenzellen, zu erkennen. Deshalb wird die Arteriitis temporalis auch als Riesenzellarteriitis bezeichnet. Die Zellen der Gefäßwand vermehren sich und verengen schließlich das betroffene Gefäß, sodass vor allem bei körperlicher Belastung die Blutversorgung nicht mehr ausreicht.

Symptome

Die Symptome der Arteriitis temporalis treten abhängig vom minderversorgten Organ auf. Fast immer leiden die Betroffenen unter starken, bohrenden oder stechenden Kopfschmerzen einseitig an der Schläfe. Die Schmerzen verschlimmern sich beim Kauen oder Husten. Greift die Arteriitis temporalis Gefäße am Auge an, kann das die Blutversorgung von Sehnerv und Augenmuskeln beeinträchtigen. Sehstörungen wie flüchtige Sehaussetzer (Amaurosis fugax), Gesichtsfeldeinschränkung (Skotom) oder Flimmern gehören zu den möglichen Folgen. Auch Doppelbilder, Schmerzen bei Augenbewegungen oder ein hängendes Augenlid können auftreten. Im schlimmsten Fall kann eine unbehandelte Arteriitis temporalis zur Erblindung führen.

Diagnostik

Die Arteriitis temporalis wird mithilfe einer Ultraschall-Untersuchung oder eines Kontrastmittel-MRT und einer Gewebeprobe (Biopsie) diagnostiziert. Im Blut können erhöhte Entzündungswerte messbar sein. Treffen von den folgenden fünf Kriterien mindestens drei zu, liegt mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent eine Arteriitis temporalis vor:

  • Betroffener ist über 50 Jahre alt
  • erstmalige oder neuartige Kopfschmerzen
  • Veränderungen an den Schläfenarterien, zum Beispiel Druckschmerz oder schwacher Puls
  • erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit
  • feingewebliche Veränderungen einer Schläfenarterie

Behandlung

Eine neu diagnostizierte Arteriitis temporalis und neue Krankheitsschübe werden mit hochdosiertem Kortison behandelt. Sind die Beschwerden verschwunden und haben sich die Entzündungswerte im Blut normalisiert, wird die Dosis nach und nach reduziert. Mit weiteren Medikamenten wie Vitamin D, Kalzium, Acetylsalicylsäure und Magensäurehemmer werden die Nebenwirkungen der Kortisontherapie verringert. Bei frühzeitiger Diagnose und Therapie verschwinden die Symptome fast immer. Nur sehr selten entwickelt sich eine chronische Arteriitis temporalis.

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