Stand: 11.10.2017 09:30 Uhr  | Archiv

116 117 - wenn die Arztpraxis geschlossen ist

Es gibt ihn bereits seit mehr als fünf Jahren, aber viele Menschen kennen ihn nicht: den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Das zeigen unter anderem die steigenden Fälle von vergleichweise leicht Erkrankten in Notaufnahmen. Der telefonische Bereitschaftsdienst hilft, "wenn die Arztpraxis geschlossen hat", sagt die Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), Monika Schliffke. Für das nördlichste Bundesland koordiniert die KVSH den Bereitschaftsdienst über die Leitstelle in Bad Segeberg.

Über die bundesweit einheitliche Telefonnummer 116 117 sind niedergelassene Ärzte erreichbar, die Patienten in dringenden medizinischen Fällen ambulant behandeln - auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen. NDR.de hat Fragen und Antworten zu dem Service der Kassenärztlichen Vereinigung zusammengestellt.

Muss vor der 116 117 eine Vorwahl gewählt werden?

Nein, die 116 117 ist eine sogenannte Kurzwahl-Nummer. Diese Nummern sind deutschlandweit ohne Vorwahl zu erreichen - sowohl vom Festnetz als auch vom Handy aus.

Wann ist die 116 117 erreichbar?

Der ärztliche Bereitschaftsdienst in Schleswig-Holstein ist unter der 116 117 montags, dienstags und donnerstags von 18 bis 8 Uhr erreichbar. Mittwochs und freitags gibt es den Service von 13 bis 8 Uhr - sonnabends, sonntags und an Feiertagen sogar für 24 Stunden.

Welche Hilfe bietet die Nummer?

Anrufer landen bei der Leitstelle der KVSH in Bad Segeberg. Medizinisch ausgebildetes Personal hilft den Anrufern weiter und nennt die nächstliegende Anlaufpraxis. Dort findet die Versorgung statt. 33 Anlaufpraxen sind gleichmäßig übers Land verteilt. Sie befinden sich in der Regel in Krankenhäusern. Wenn Patienten die Anlaufpraxis aus gesundheitlichen Gründen nicht aufsuchen können, kommt ein Arzt nach Hause. Gegebenenfalls werden Anrufer auch telefonisch mit einem diensthabenden Arzt verbunden.

Die KVSH hält außerdem einen Bereitschaftsdienst der Augenärzte und der Hals-, Nasen- und Ohrenärzte bereit. Dieser Service gilt an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 12 Uhr sowie mittwochs und freitags in der Zeit von 16 bis 18 Uhr. Die diensthabende Praxis erfahren Anrufer ebenfalls über die 116 117.

Gibt es die 112 weiterhin?

Der Rettungsdienst der Feuerwehr ist weiterhin unter der Notrufnummer 112 zu erreichen. Er leistet in lebensbedrohlichen Fällen Hilfe - und ist nicht zu verwechseln mit dem Bereitschaftsdienst, den Menschen bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden kontaktieren sollten.

Wann wähle ich die 116 117 - wann die 112?

Die 116 117 ist die richtige Wahl bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden - etwa hohem Fieber, starken Bauchschmerzen oder Erbrechen. Menschen sollten den ärztlichen Bereitschaftsdienst kontaktieren, wenn sie nachts oder am Wochenende gesundheitliche Beschwerden haben, wegen der sie normalerweise eine Arztpraxis aufsuchen würden - die Behandlung aber nicht bis zum nächsten (Werk-)Tag warten kann.

Die 112 ist bei lebensbedrohlichen Symptomen zu wählen - beispielsweise Bewusstlosigkeit, akuten Blutungen, starken Herzbeschwerden, schweren Störungen des Atemsystems, Komplikationen in der Schwangerschaft und Vergiftungen. Der Rettungsdienst ist rund um die Uhr bei medizinischen Notfällen im Einsatz und innerhalb kürzester Zeit beim Patienten.

Was passiert, wenn ich die Beschwerden unterschätze?

Sollte sich nach einem Anruf bei der 116 117 im Verlauf des Telefonats herausstellen, dass ein akuter Notfall vorliegt, verständigt die Leitstelle den Rettungsdienst und setzt gegebenenfalls den Notarzt ein.

Was kostet ein Anruf bei der 116 117?

Der Anruf ist immer kostenfrei - egal ob vom Festnetz, per Handy oder über das Internet (Voice over IP).

Welche Informationen sollte ich bereithalten?

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung empfiehlt Anrufern, folgende Informationen bereit zu halten: Name, Adresse, Telefonnummer für Rückrufe, Art der Beschwerden, Alter der Person mit Beschwerden, Informationen über Allergien oder Herzschrittmacher, Möglichkeit der Begleitung der erkrankten Person in eine Anlaufpraxis

Wer trägt die Kosten der Behandlung?

Die Kosten übernehmen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Gesetzlich Versicherte müssen zur Behandlung ihre Gesundheitskarte mitbringen. Bei den privaten Krankenkassen kann - je nach persönlichem Vertrag - ein Selbstbehalt fällig werden.

Welche Ärzte sind im Bereitschaftsdienst tätig?

Den Service bieten niedergelassene Ärzte aus der jeweiligen Region an. Sie leisten den Dienst zusätzlich zu ihrer täglichen Arbeit in der Praxis.

Werden Patientendaten geschützt?

Alle verwendeten Informationen von Anrufern werden nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vertraulich behandelt. Der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung war in die Planungen des Bereitschaftsdienstes eingebunden.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.10.2017 | 19:30 Uhr

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