Stand: 27.07.2021 14:08 Uhr

Keine Angst vor fleischfressenden Pflanzen

Nahaufnahme einer Pflanze aus der Gattung der Kannenpflanzen © imago images / Martin Bäuml Fotodesign
Fleischfressende Pflanzen wie Kannenpflanzen nehmen durch gefangene Insekten Eiweiß auf.

Fliegen, Ameisen oder Mücken - kleine Insekten stehen auf dem Speiseplan von fleischfressenden Pflanzen, die fachsprachlich als Karnivoren oder Insektivoren bezeichnet werden. Wie andere Pflanzen auch betreiben sie Fotosynthese - die meisten würden auch ohne Insekten überleben. Durch das in den Insekten enthaltene Eiweiß erhalten sie jedoch zusätzliche Nährstoffe und wachsen dadurch besonders kräftig. Für Menschen sind fleischfressende Pflanzen keineswegs gefährlich.

Anspruch an Pflege und Standort sehr unterschiedlich

Weltweit gibt es mehrere Hundert bekannte Arten sowie zahlreiche Züchtungen. Die Ansprüche an Licht, Boden und Umgebungstemperatur sind sehr unterschiedlich. Vor dem Kauf sollte man sich genau informieren, welche Bedingungen die Karnivoren benötigen. Generell lässt sich sagen: Fleischfressende Pflanzen vertragen ausschließlich kalkarmes Gießwasser, also entkalktes Leitungs- oder Regenwasser. Das Substrat sollte nährstoffarm sein, empfehlenswert ist eine Spezialerde für Karnivoren, die es im Fachhandel gibt. Normale Pflanzerde eignet sich nicht, Dünger ist nicht notwendig. Zahlreiche Arten benötigen viel Licht, sodass eine extra Lichtquelle sinnvoll ist.

Einige Arten überwintern im Garten

Die meisten Karnivoren können in unseren Breitengraden nicht draußen überwintern. Wer fleischfressende Pflanzen im Garten kultivieren möchte, kann sich beispielsweise für die Rote Schlauchpflanze und manche Sonnentau-Arten wie die heimische Pflanze Mittlerer Sonnentau (Drosera intermedia) entscheiden. Beide Arten wachsen am besten in einem Moorbeet, das man selbst anlegen kann. Dieses hat einen niedrigen, also sauren, pH-Wert zwischen 4,5 und 6,5, besteht aus nährstoffarmem Hochmoortorf und ist dauerhaft feucht. Zwischen die Pflanzen am besten Torfmoos setzen, es sorgt dafür, dass der Boden sauer- und nährstoffarm bleibt.

Fünf verschiedene Fallentypen

Fleischfressende Pflanzen werden häufig durch die Art, wie sie ihre Beute anlocken und fangen, unterschieden. Insgesamt gibt es fünf Typen.

Klappfallen (Venusfliegenfalle und Wasserfalle)

Venusfliegenfalle © picture alliance / Arco Images GmbH Foto: Diez, O.
Die Venusfliegenfalle fängt Nahrung, indem sie eine sogannte Klappfalle verwendet.

Bei der Klappfalle schließen sich zwei Blatthälften innerhalb weniger Sekunden, nachdem die an den Blattinnenseiten befindlichen Blatthaare innerhalb von 20 Sekunden zwei Mal berührt wurden. So gefangene Insekten werden in dem entstandenen Hohlraum durch Sekrete verdaut. Diese Technik wendet auch die wohl bekannteste fleischfressende Pflanze an, die Venusfliegenfalle.

Sie benötigt extrem viel Licht und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Am besten einen großen Untersatz ein bis zwei Zentimeter hoch mit Wasser füllen, sodass die Pflanze sich nach Bedarf mit Wasser versorgen kann. Ist das Wasser aufgebraucht, kann man die Venusfliegenfalle etwa zwei Tage trocken stehen lassen, um anschließend das Wasser nachzufüllen. Die Venusfliegenfalle darf nicht weniger als fünf Grad ausgesetzt sein.

Fallgrubenfallen (z.B. Schlauchpflanze und Kannenpflanze)

Rote Schlauchpflanze © imago images / Manngold
Manche Schlauch- beziehungsweise Trompeten-Pflanzen sind winterfest und können das ganze Jahr draußen bleiben.

Bei dieser Gruppe landen Insekten in einem Hohlraum aus Blättern, der innen glatt und im unteren Bereich mit Verdauungsenzymen gefüllt ist. So wird die Beute aufgelöst. Angelockt werden die Insekten von einem süßlichen Geruch. Schlauchpflanzen lieben einen sonnigen Standort. Sonnenlicht fördert ihre typische Ausfärbung. Die Schläuche einiger Arten können bis zu einen Meter hoch wachsen und sind daher nicht für Terrarien geeignet. Die Erde sollte immer mäßig feucht sein.

Kannenpflanzen sind relativ pflegeleicht und mögen es hell. Sie sollten allerdings nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein und brauchen eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. Wasser nehmen sie am besten über mit Wasser gefüllte Untersetzer auf.

Klebefallen (z.B. Sonnentau, Fettkraut, Regenbogenpflanze)

Rundblättriger Sonnentau © imago images / blickwinkel
Arten wie Rundblättriger Sonnentau fangen ihre Beute mit klebrigem Sekret.

Fleischfressende Pflanzen, die mittels einer Klebefalle Insekten fangen, sondern ein klebriges Sekret ab, das auf den Blättern oder an Tentakelspitzen auf den Blättern austritt. Das Sekret dient gleichzeitig als Lockstoff. Bei vielen Arten wird anschließend ein Enzym ausgeschüttet, das für die Verdauung sorgt.

Sonnentau, die wohl bekannteste Gattung mit über 200 Arten, ist eine pflegeleichte fleischfressende Pflanze und somit gut geeignet für Anfänger. Es ist wichtig, dass sie immer genug Wasser bekommt. Vor allem in den Sommermonaten sollte der Topf immer etwa einen Zentimeter im Wasser stehen. Sonnentau blüht stark, deshalb ist es ratsam, verblühte Blütenstängel zu entfernen. Die Pflanze kann so besser neue Blüten bilden und wachsen.

Saugfallen (Wasserschläuche)

Das Prinzip der Saugfalle wird einzig von Arten der Gattung Wasserschläuche angewendet. Die meisten Pflanzen leben am oder im Wasser. Sie bilden extrem kleine Fangblasen, in denen Unterdruck herrscht und die mit einer Art verschlossenen Klappe versehen sind. Berührt die durch Duftstoffe oder vorgetäuschte Nahrung angelockte Beute diese Fangblasen, öffnet sich die Klappe und diese wird samt Wasser hineingerissen.

Reusenfallen (Genlisea und Papageien-Schlauchpflanze)

Die Reusenfalle wurde nach der gleichnamigen Gattung - lateinsch Genlisea - benannt, zu der rund 30 Arten gehören. Diese Pflanzen locken ihre Nahrung vermutlich per Duftstoff ins Innere der Falle. Feine Härchen verhindern, dass die Beute die Falle verlassen kann. In einer Art Magen wird sie dann verdaut.

Dieses Thema im Programm:

31.07.2021 | 17:35 Uhr

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