Stand: 17.11.2017 12:00 Uhr

Igel im Herbst und Winter schützen

Genauso wie andere Wildtiere dehnen auch Igel ihren Lebensbereich zunehmend auf städtische Regionen aus. Doch in der menschlichen Zivilisation drohen ihnen zahlreiche Gefahren. Der Straßenverkehr stellt die größte Bedrohung für die Tiere dar, aber auch mangelnde Unterschlupfmöglichkeiten machen den Winterschläfern das Leben schwer.

Zwei Igel essen Hackfleisch von einem Teller

Igel in Not

Nordmagazin -

Igel stehen seit 25 Jahren unter Naturschutz. Trotzdem geht es den Tieren seit einigen Jahren zunehmend schlechter. Der Grund: Es fehlt der Lebensraum und die richtige Nahrung.

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Igel lieben naturbelassene Gärten

Gärten sind für die stacheligen Tiere wichtige Lebensräume, denn als Insektenfresser sind Igel ständig auf der Suche nach Regenwürmern, Spinnen, Schnecken und anderen Nahrungsquellen. In naturbelassenen Gärten mit heimischen Pflanzen, Hecken, Sträuchern und ungemähten Rasenflächen fühlen sie sich am wohlsten.

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Auf der Suche nach Nahrung legen Igel weite Strecken zurück, undurchdringliche Zäune und Mauern sind da hinderlich.

Auf der Suche nach Nahrung durchstreifen Igel große Gebiete und brauchen daher freien Zugang: Zäune und Mauern sollten Öffnungen zum Durchschlüpfen haben. Ideal sind Hecken und Lattenzäune, weniger geeignet sind Drahtzäune, in denen sich die Tiere verfangen können. Wer nicht auf einen Drahtzaun verzichten möchte, sollte darauf achten, dass der Zaun nicht bis auf den Boden reicht.

Igeln ein Winterquartier schaffen

Weitere Informationen
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Ein Igelhaus zum Überwintern bauen

Einen ungestörten Winterschlaf können Igel am besten in einem Laubhaufen oder einem Igelhaus halten. Die Behausung können Naturfreunde mit einfachen Mitteln selbst bauen. mehr

Wer Igeln etwas Gutes tun will, bietet den Tieren im Herbst einen Unterschlupf, in dem sie ihren Winterschlaf halten können. Dafür eignen sich beispielsweise ein dichter Laubhaufen oder ein Holzstapel in einer abgelegenen Gartenecke oder an einem anderen ruhigen Platz. Bei der Gartenarbeit im Herbst unbedingt auf bereits bestehende Igelnester achten und diese nicht zerstören oder umsetzen. Vorsicht ist beim Umgang mit Motorsensen und Balkenmähern geboten, auf Laubsauger sollten Naturfreunde besser verzichten.

Als Unterschlupf nutzen Igel neben Laub- und Reisighaufen auch Hecken, Hohlräume, Gartenhäuschen, Steinhaufen, Baumstümpfe, dichtes Gebüsch oder Komposthaufen und alte Baumwurzeln. Wer mag, kann zusätzlich ein Igelhäuschen aufstellen. Diese Häuschen kann man entweder selbst bauen oder im Fachhandel oder Baumarkt kaufen. Von kurzen Unterbrechungen abgesehen, verschlafen Igel die kalte Jahreszeit bis in den März oder April.

Nur kranke und verletzte Igel aufnehmen

Ein Igel im Herbstlaub. © fotolia Fotograf: kwasny221

Schwachen Igeln helfen

NDR 90,3 -

Eigentlich finden sich Igel allein zurecht. Abgemagerte, geschwächte Tiere können aber Hilfe gebrauchen. Was Sie für Igel tun können, weiß Sven Fraaß vom Hamburger Tierschutzverein.

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Der direkte Kontakt mit Menschen bedeutet für Igel puren Stress. Nicht jedes Tier, das auf den ersten Blick hilflos erscheint, braucht wirklich Hilfe. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es sogar verboten, geschützte Arten wie den Igel "aus der Natur zu entnehmen". Es ist lediglich erlaubt, kranke und verletzte Tiere sowie verwaiste Jungtiere zeitweilig aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen und zu füttern. Wer einen Igel in Obhut nimmt, verpflichtet sich, das Tier zu betreuen, zu versorgen und zu füttern, bis es gesund ist und wieder in die Freiheit entlassen werden kann.

Doch woran erkenne ich, dass ein Igel Hilfe benötigt? "Wenn Igel ein schütteres Stachelkleid haben, ist es ein Zeichen, dass sie krank sind. Auch wenn die Tiere taumeln oder auf der Seite liegen, brauchen sie Hilfe", sagt Sven Fraaß vom Hamburger Tierschutzverein. "Ob ein Tier zu mager ist, können Sie so erkennen: Schauen Sie das Tier von der Seite an. Hat der Igel hinter dem Kopf, da wo eigentlich der Hals ist, eine Nackenfalte, ist er wahrscheinlich geschwächt", so Fraaß.

Womit kann ich Igel füttern?

Ab Mitte November schlummern die meisten Igel. Wer nach Wintereinbruch bei geschlossener Schneedecke und Dauerfrost einen Igel findet, kann das Tier aufnehmen. Unterkühlte Igel mit einer in einem Frotteehandtuch umwickelten, lauwarmen Wärmflasche oder unter einer Taschenlampe aufwärmen. Als Futter empfiehlt sich Katzenfutter aus der Dose, gemischt mit Igel-Trockenfutter sowie Eier und gebratenes, nicht gesalzenes Rinderhack. Zu magere Igel freuen sich laut Sven Fraaß auch über ein Stück Banane oder Avocado. Das sei zwar unnatürlich, aber um fett zu werden und Winterspeck anzusetzen, genau das Richtige.

Igel vertragen keine Milch

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Auch ganz junge Igel dürfen keine Milch bekommen, weil sie diese nicht vertragen.

Ungeeignet sind Speisereste, Obst und Gemüse. Igel dürfen außerdem keine Milch bekommen. Da sie den Milchzucker nicht vertragen, bekommen sie Durchfall. Zum Trinken reicht Wasser. Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht, muss ein Tierarzt aufgesucht werden. Wer einen Igel nicht selbst versorgen möchte, kann das Tier in einer Igelstation oder im Tierheim abgeben. Wer nicht weiterweiß, kann sich auch an die Igel-Hotline des Vereins "Pro Igel" wenden.

Igel wieder an der Fundstelle aussetzen

Wer einen Igel aufgenommen hat, sollte sich die Fundstelle merken. Denn Igel sollten immer nur dort ausgesetzt werden, wo sie gefunden worden sind, da sie feste Reviere haben und sehr standorttreu sind. Eine Ausnahme sind stark befahrene Straßen. Menschen sollten Igel außerdem nicht im Wald aussetzen. Denn dort fehlt oft der Unterbewuchs und die Tiere finden keine Deckung. Die Folge: Sie werden zur leichten Beute für Greifvögel. Igel lieben verwilderte Gärten und Parks mit Gebüschen und Hecken, in denen sie sich verstecken können.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 17.11.2017 | 06:45 Uhr

Stachlige Begegnungen im Igelmuseum Bohmte

Comics, Schneekugeln, Igelskulpturen: Kurioses und Seltenes, aber auch viel Wissenswertes über die Stacheltiere bietet das einzige Igelmuseum der Welt bei Osnabrück. mehr

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