Stand: 15.02.2018 17:43 Uhr  | Archiv

Wie entstehen Stürme?

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Ab einer Windgeschwindigkeit von 75 Kilometern pro Stunde (km/h) sprechen Meteorologen von Sturm.

Vor allem im Herbst und im Winter wird es windig: Stürme nehmen an Fahrt auf und fegen über das Land. Zuletzt richtete im Januar Orkantief "Friederike" verheerende Schäden an. "Friederike" erreichte auf dem Brocken Windgeschwindigkeiten bis 203 Kilometer pro Stunde und war laut Deutschem Wetterdienst der stärkste Orkan seit Kyrill, der genau elf Jahre zuvor über Europa hinweggezogen war. Aber ab welcher Windgeschwindigkeit spricht man eigentlich von Sturm, ab welcher von Orkan? Wie entstehen Stürme und warum wird es in Europa besonders in den Herbst- und Wintermonaten so windig?

Wind, Sturm und Orkan - was sind die Unterschiede?

Ab einer Windgeschwindigkeit von 75 Kilometern pro Stunde (km/h) sprechen Meteorologen von einem Sturm. Bei einem Orkan werden Geschwindigkeiten von über 117 km/h gemessen. An Land besteht dann die Gefahr schwerer Verwüstungen. Die Kraft des Windes wird anhand der sogenannten Beaufortskala gemessen - ein weitverbreitetes System zur Beschreibung von Windgeschwindigkeiten. Die Skala teilt den Wind in zwölf Stärken ein und ist nach dem Briten Sir Francis Beaufort benannt.

Sturm-Stärken: Von Windstille bis zum Orkan

Wie entstehen Stürme?

Die Herbst- und Winterstürme, die Europa betreffen, entstehen fast alle über dem Nordatlantik. Dort stößt kalte trockene Luft, die vom Nordpol nach Süden strömt, auf feuchte warme Tropenluft, die vom Äquator nach Norden zieht. Zwar sind die Temperaturen auch im Sommer ungleich über Europa verteilt - doch ab Herbst, wenn sich die Luft vor allem im Norden abkühlt, nimmt der Temperaturunterschied deutlich zu. Während im Süden noch Temperaturen von bis zu 20 Grad möglich sind, können im Norden schon Minusgrade herrschen. Diese Unterschiede wirken sich auf die sogenannte Polarfront aus - sie markiert den Übergangsbereich zwischen polarer Kaltluft und subtropischer Warmluft und erstreckt sich wellenförmig um die gesamte Nordhalbkugel.

Sind die Temperaturunterschiede groß genug, bilden sich an der Polarfront Tiefdruckgebiete - neben den ungleich verteilten Temperaturen sind die gleichzeitig auftretenden Luftdruckunterschiede entscheidend für die Entstehung eines Sturms. Wenn kalte und warme Luftmassen aufeinander treffen, schiebt sich die leichtere Warmluft über die schwerere, kalte Luftmasse. Je höher die Temperaturdifferenz ist, desto größer sind die Luftdruckunterschiede. Und je größer die Luftdruckunterschiede sind, desto stärker fallen die Winde aus. Herbststürme beginnen gewöhnlich ab Mitte Oktober, die stärksten Stürme sind aber die Winterstürme.

Welche Rolle spielt das Meer?

Stürme entstehen fast immer über dem Meer, denn ein wichtiger Auslöser für die Entstehung von Stürmen ist Wasserdampf vom Meer, der in die Atmosphäre aufsteigt. Wenn die warme Tropenluft aufsteigt und sich über die kalte Polarluft schiebt, kühlt sie ab und kann dann den in ihr enthaltenen Wasserdampf nicht mehr halten. Der Dampf wird zu Wolkentröpfchen und es werden große Mengen an Energie freigesetzt, die für hohe Windgeschwindigkeiten sorgen.

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Wie entstehen tropische Wirbelstürme?

Im Atlantik heißen sie Hurrikane, im Pazifik Taifune, im Indischen Ozean Zyklone - Tropische Wirbelstürme unterscheiden sich von den Tiefdruckgebieten, die in Europa zu Stürmen führen. Sie entstehen über dem Meer, wenn das Wasser an der Oberfläche mindestens 26 Grad Celsius hat. Die feuchten Luftmassen steigen auf, der Wasserdampf kondensiert und durch die sogenannte Corioliskraft bildet sich ein Wirbel, in dessen Mitte sich das Auge des Sturms befindet. Je stärker sich die obersten Wasserschichten aufheizen, desto mehr Energienachschub bekommt ein entstehender Wirbelsturm. Über dem Meer kann er sich bis zu zwei Wochen halten, weil er dort mit genügend feuchter Luft versorgt wird. Trifft er auf Land, geht ihm irgendwann die Luft aus: Die aufgestauten Wolken regnen ab und kühlen die Landoberfläche. Weil keine warme Luft mehr aufsteigt, löst sich der Wirbelsturm auf. Allerdings kann er zuvor auf Tausenden von Quadratkilometern verheerende Schäden anrichten.

Tropische Wirbelstürme treten auf der Nordhalbkugel meist zwischen Juni und November auf, auf der Südhalbkugel zwischen Dezember und Mai.

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Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Das Abschmelzen der Polkappen sorgt dafür, dass die Polarluft wärmer wird und damit die Temperaturunterschiede der Polarfront über dem Nordatlantik geringer werden. Das müsste Stürme mit geringeren Windgeschwindigkeiten nach sich ziehen. Allerdings steigt mit der Erderwärmung die Temperatur der Ozeane, sodass die Verdunstung zunimmt. Die Folge ist, dass sich in Zukunft stärkere Tiefdruckgebiete bilden dürften und die Energie sich in Orkanen und Hurrikanen entlädt.

Klimaforscher erwarten, dass es in Zukunft mehr Tropenstürme der höchsten Kategorien 3 bis 5 geben wird - und dafür weniger schwache.

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Mein Nachmittag | 16.02.2018 | 16:20 Uhr

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