Nahaufnahme von unterschiedlich ausgeformten Schneekristallen. © fotolia.com Foto: abet

Was ist Schnee und wie entsteht er?

Stand: 11.01.2018 11:42 Uhr

Schnee ist fester Niederschlag aus meist verzweigten kleinen Eiskristallen. Doch wie entsteht Schnee? Kann er künstlich hergestellt werden? Und welche Bedeutung hat Schnee für unser Klima? Fragen und Antworten.

Schneeflocken sind keine gefrorenen Wassertropfen, sondern sie bilden sich in einer Kette von physikalischen Prozessen in den Wolken, die aus vielen winzigen Wassertröpfchen bestehen. Bei Temperaturen von minus zwölf Grad Celsius und kälter gefrieren die stark unterkühlten Wassertröpfchen, wenn sie mit sogenannten Kristallisationskeimen - in der Regel kleinen Staubteilchen - zusammentreffen. Es entstehen Eiskristalle, die weniger als 0,1 Millimeter groß sind und die aufgrund der molekularen Struktur von Wasser immer sechseckig sind.

Ist jede Flocke gleich?

An den sechs Ecken gefrieren weitere Wassertröpfchen, sodass die Kristalle immer weiter wachsen. Es entstehen Schneeflocken, die irgendwann so schwer sind, dass sie Richtung Boden sinken. Sie kommen aber nur dann als Schneeflocken auf der Erde an, wenn es auf dem ganzen Weg kalt genug, also unter 0 Grad Celsius ist. Jeder Schneekristall hat eine individuelle Form und ist damit ein Unikat. Dabei hängt die Form von der Temperatur sowie der Luftfeuchtigkeit ab. Bei tieferen Temperaturen bilden sich eher Plättchen oder Prismen aus, bei höheren Temperaturen sechsarmige Sterne.

Warum erscheinen Schneeflocken weiß?

Schneeflocken sind - genau wie Wassertropfen - eigentlich farblos. Die Schneekristalle sind aber wie kleine Spiegel, die Licht reflektieren. Und weil das Sonnenlicht weiß ist, erscheint der Schnee ebenfalls weiß.

Welche Schneeformen gibt es?

Beim Schnee werden viele verschiedene Arten unterschieden:

  • Neuschnee ist frisch gefallener Schnee, bei dem die feinen Eiskristalle noch intakt sind.
  • Pulverschnee ist sehr trockener Schnee, der auch unter Druck nicht zusammenklebt.
  • Feuchtschnee ist perfekt für eine Schneeballschlacht oder zum Bauen von Schneemännern, denn er klebt unter Druck sehr gut zusammen.
  • Nassschnee oder Sulzschnee ist schwer und nass. Wenn man ihn zusammenpresst, läuft Wasser aus.
  • Bei Faulschnee handelt es sich um eine Gemisch aus Wasser und größeren Schneebrocken.
  • Bruchharsch bezeichnet eine feste Schneeoberfläche, die durch Antauen und erneutes Gefrieren der oberen Schneeschicht entsteht. Der Schnee unter der Eiskruste bleibt pulvrig und trocken.
  • Harsch ist alter Schnee, der durch Schmelzen und Gefrieren zu einer gefrorenen festen Masse geworden ist.
  • Firn ist Schnee, der mindestens ein Jahr alt ist. Im Laufe der Zeit kann aus ihm ein Gletscher entstehen.

Kann man Schnee künstlich herstellen?

In vielen Skigebieten reicht der natürliche Schnee vor allem in der Früh- und Spätsaison nicht mehr aus. Daher werden Schneekanonen oder andere Systeme zur Schneeherstellung eingesetzt, die alle nach demselben Prinzip funktionieren, nämlich einer Kombination aus zerstäubtem Wasser und komprimierter Luft beziehungsweise einem starken Luftstrom. Bei der Herstellung dieses sogenannten technischen Schnees wird viel Energie und Wasser verbraucht. Zudem fehlt ihm die charakteristische Kristallstruktur der natürlichen Schneeflocken, denn es entstehen keine Sterne, sondern Prismen und Plättchen. Das hat zur Folge, dass der Kunstschnee viel kompakter ist als natürlicher Schnee.

Schweizer Wissenschaftler erforschen den Schnee

Schnee in all seinen Facetten erforschen Wissenschaftler am Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) im schweizerischen Davos. Die Forscher haben sogar eine Maschine entwickelt, in der Schneekristalle so entstehen wie in einer Wolke: nämlich aus dem Zusammenspiel von Feuchtigkeit, Kälte und einem Kristallisationskeim. Das SLF überwacht und erforscht den Zustand, die Entstehung und die Veränderung von Schnee sowie von Naturgefahren, Permafrost und Gebirgsökosystemen. Die Forscher wollen unter anderem verstehen, wie und unter welchen Bedingungen Lawinen entstehen und wie einem Abschmelzen der Gletscher entgegengewirkt werden kann.

Wie wichtig ist Schnee für unser Klima?

Schnee erfüllt viele wichtige Funktionen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist er eine wichtige Größe zur Beschreibung des Klimas und wirkt sich vor allem durch veränderte Reflexionseigenschaften auf das Klimasystem der Erde aus. Da Schnee 80 bis 90 Prozent der Sonnenstrahlen reflektiert, ist die Erde mit Schnee kälter als ohne. Er beeinflusst die Entstehung von Hochdruckgebieten, die uns Sonne bringen. Wenn Schnee schmilzt, bewirkt er durch Verdunstung eine höhere Luftfeuchtigkeit und beeinflusst damit die Wolken- und Niederschlagsbildung. Auch durch die Verdunstung kühlt sich die Atmosphäre ab. In einer geschlossenen Schneedecke wird viel Wasser gebunden, das, wenn es schmilzt, wiederum einen wichtigen Beitrag zur Wasserversorgung leistet. Andererseits kann Schmelzwasser in Extremfällen zu Hochwasser führen. "Schnee ist also ein wichtiger regulierender hydrologischer Faktor", heißt es beim DWD.

Auch in vielen anderen Bereichen hat Schnee eine große Bedeutung:

  • Eine dichte Schneedecke isoliert und schützt damit Pflanzen vor dem Erfrieren
  • Schnee dämmt Schall
  • Schnee kann unangenehme Gerüche abdecken
  • Schnee ist wegen seiner Bedeutung für den Wintertourismus in vielen Regionen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor
  • Schnee beeinflusst den Straßen-, Schienen- und Luftverkehr

Klimawandel führt zu weniger Schnee

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts nehmen auf der gesamten Nordhalbkugel die Schneefälle, die Größe der Schneedecke und die Dauer der Schneesaison ab. Prognosen der Klimaforscher besagen, dass sich der Trend fortsetzen wird und es auch in Zukunft immer weniger schneien wird.

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Mein Nachmittag | 12.01.2018 | 16:20 Uhr

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