Stand: 19.01.2018 12:43 Uhr  | Archiv

Unser Körper: Zuhause für viele Mitbewohner

Wir sind nicht allein: Der Mensch teilt sich seinen Körper mit unzähligen Mitbewohnern. Und viele davon sind nützlich, zum Beispiel die "guten" Bakterien auf der Haut oder im Darm. Andere sind Parasiten, die den Mensch als ihren Wirt ausnutzen und ihm sogar schaden können: Einzeller, die wir gar nicht bemerken, Schmarotzer wie Würmer und lästige Blutsauger wie Zecken, Flöhe und Bettwanzen. Auch krank machende Bakterien und Pilze, die nur auf Kosten ihres Wirts leben, zählen zu den Parasiten.

Nützliche Begleiter: Die Darmbakterien

Darmflora © fotolia Foto: Alex
Darmbakterien sind ausgesprochen nützlich.

Die wohl wichtigsten Mitbewohner leben in unserem Darm: Billionen von Bakterien besiedeln vor allem den Dickdarm. Die Mikroorganismen bilden die natürliche Darmflora, das Mikrobiom. Ein gesundes Mikrobiom ist für den Körper ausgesprochen nützlich, denn die Darmbakterien helfen bei der Verwertung von Nahrungsbestandteilen und verhindern, dass sich Krankheitserreger im Darm ausbreiten können. Außerdem tragen die Bakterien zum Funktionieren unseres Immunsystems bei, regen die Darmbewegungen an und produzieren das für die Blutgerinnung wichtige Vitamin K. Ob Veränderungen der Darmflora Krankheiten hervorrufen können, ist wissenschaftlich noch nicht voll geklärt. Fest steht aber, dass Stress oder auch die Einnahme von Antibiotika die Darmflora ins Ungleichgewicht bringen können und dass eine gestörte Darmflora zu Gesundheitsbeschwerden führen kann. Bis zu einer Million Bakterien, Viren und Milben leben zudem auf nur einem Quadratzentimeter menschlicher Haut. Dieses Mikrobiom hilft beim Kampf gegen schädliche Keime.

Unheimlicher Einzeller: Toxoplasma gondii

Toxoplasma gondii ist ein weltweit verbreiteter Parasit. Schätzungen zufolge trägt ihn jeder Zweite in sich, ohne es zu wissen. Eine Infektion beim Menschen kann zum Beispiel über den Kontakt mit Katzenkot erfolgen. Man kann davon ausgehen, dass bis zu 70 Prozent aller Hauskatzen infiziert sind. Mit dem Kot scheiden sie eine große Anzahl von Parasiteneiern, sogenannten Oozysten, aus, die so in die Umwelt gelangen und über den Kontakt mit Erde, Sand oder Katzenkot auch den Menschen infizieren. Gefahr lauert aber auch durch den Verzehr von rohem oder nicht durchgebratenem Fleisch. Auch schlecht gewaschener Salat, Obst oder Gemüse können ein Risiko sein, sich Toxoplasma-Erreger einzufangen. Bei gesunden Erwachsenen verläuft eine Infektion mit Toxoplasmen - die sogenannte Toxoplasmose - in der Regel ohne Symptome. Sie bemerken den Parasiten nicht, obwohl er sich im Körper ausbreitet und sogar in unser Gehirn vordringt. Gefährlich wird es aber, wenn sich Schwangere erstmals infizieren, weil dadurch die Entwicklung des Babys im Mutterleib gestört wird. Der Parasit kann bei Ungeborenen das Nervensystem und die Augen schädigen.

Verändert Toxoplasma unser Verhalten?

Forschung an Tieren hat Verhaltensveränderungen durch den Erreger gezeigt: Infizierte Mäuse wurden furchtloser und konnten deshalb leichter von Katzen gefressen werden. Wodurch die Manipulation erfolgt, ist noch unklar. Die Verhaltensänderung hielt aber an, auch wenn die Infektion ausgeheilt war. Wissenschaftler diskutieren nun, ob Toxoplasma auch Verhaltensänderungen beim Menschen hervorrufen kann.

Gefährlicher Schmarotzer: Der Fuchsbandwurm

Richtig gefährlich können dem Menschen Schmarotzer wie der Fuchsbandwurm werden. Hauptwirt dieses Wurmes ist der Fuchs, der ihn über seine Nahrung - zum Beispiel Mäuse - aufnimmt. Doch auch der Mensch kann sich mit dem Parasiten infizieren. Gelangen die Eier in den menschlichen Körper, nisten sich die Larven in der Leber ein und wachsen heran. Auch alle anderen Organe wie zum Beispiel das Gehirn, Lunge, Milz und Herz können befallen werden. Weil der Parasit das Immunsystem des Menschen austrickst, wird der Feind nicht erkannt. Daher wird die zum Teil tödlich verlaufende Infektion oft erst spät erkannt und ist dann nur noch schwer zu behandeln.

Nervige Blutsauger: Wanzen, Zecken, Flöhe und Co.

Eine Bettwanze beim Blutsaugen auf menschlicher Haut © picture alliance / dpa Foto: Piotr Naskrecki/CDC/Harvard University
Wenn sie erst mal in der Wohnung sind, verbreiten sich Bettwanzen rasant.

Einige Schmarotzer besuchen den Menschen nur kurz, weil Blut oder Hautschuppen ihre Nahrungsquellen sind.  

  • Flöhe gelangen vor allem über Haustiere zum Menschen. Ihre Bisse lösen einen heftigen Juckreiz aus und können Infektionen nach sich ziehen.
  • Bettwanzen werden heutzutage vor allem aus den Betten in fernen Reisezielen eingeschleppt. Aufgrund ihres flachen Körpers passen sie in nahezu jede Ritze und verstecken sich in Gepäck und Mitbringseln. Einmal eingeschleppt, verbreiten sich Bettwanzen rasant und bevorzugen dafür unsere Betten, um in unserer Nähe zu sein: Nachts können sie den Menschen ungestört stechen und sein Blut saugen. Die Stiche können quälend jucken.
  • Auch die Hausstaubmilbe hält sich am liebsten in Bett auf. Sie ernährt sich von Hautschuppen, ihre Ausscheidungen können zu Allergien führen.
  • In unseren Breiten weit verbreitet und gefürchtet ist die Zecke. Ihr Stich wäre eigentlich harmlos, doch in Darm und Speicheldrüse mancher Zecken leben Viren und Bakterien, die gefährliche Krankheiten wie die Frühsommer- Meningoencephalitis (FSME) und Borreliose übertragen können.
  • Kopfläuse sind vor allem eines, nämlich äußerst lästig. Krankheiten übertragen sie nicht, doch ihre Beseitigung ist aufwendig.
  • Ein harmloser Mitbewohner ist die Haarbalgmilbe, die weit verbreitet ist. Haarbalgmilben leben zum Beispiel in den Augenbrauen und ernähren sich vom Talg.

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 19.01.2018 | 16:20 Uhr

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