Stand: 17.08.2018 15:18 Uhr

Kampf gegen die Verpackungsflut

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220 Kilogramm Verpackungsmüll produziert jeder Bundesbürger rechnerisch pro Jahr.

Mit Plastik umhülltes Obst und Gemüse, Duschgel und Shampoo in Plastikflaschen, Milch und Saft im Tetrapak - rund 220 Kilogramm Verpackungsmüll produziert jeder Bundesbürger rechnerisch pro Jahr. Laut Umweltbundesamt nehmen die Deutschen damit einen "traurigen Spitzenplatz in Europa" ein. Durchschnittlich brachten es die Europäer im Jahr 2015 nämlich "nur" auf 167,7 Kilogramm Verpackungsmüll. Und nimmt man die gesamten Müllmenge, also zum Beispiel auch Restmüll und Essensabfälle, dann warf jeder Deutsche 2015 sogar 559 Kilogramm pro Jahr weg, über eine halbe Tonne pro Person und Jahr.

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Was können die Verbraucher tun?

Jeder Einzelne kann eine ganze Menge tun, um den eigenen Verpackungsmüll zu reduzieren. Hier einige Beispiele:

  • Wann immer es möglich ist, sollte man zum Einkaufen eigene Taschen, Gefäße oder Dosen mitnehmen, um Verpackungsmüll zu vermeiden.
  • In vielen Städten gibt es inzwischen sogenannte Unverpackt-Läden, bei denen auf Verpackungsmüll verzichtet wird.
  • Nur Obst und Gemüse kaufen, das nicht in Plastik eingepackt ist.
  • Mehrweg- statt Einwegflaschen nutzen; Leitungswasser statt Mineralwasser aus Plastikflaschen trinken.
  • Auf Einwegbecher für den Coffee to go verzichten und stattdessen Mehrwegbecher nutzen oder den Kaffee gleich vor Ort trinken.
  • Verzicht auf überflüssige Einwegprodukte wie Trinkhalme.
  • Beim Kauf von Kosmetikprodukten auf den Verzicht von Mikroplastik achten, das sich hinter Begriffen wie AC, PA, PE und PP versteckt.

Tipps für die Müllvermeidung im Alltag gibt zum Beispiel auch der WWF.

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Plastik-Müll wird nur knapp zur Hälfte recycelt

Nach Angaben des Umweltbundesamts wurden 2015 rund 70 Prozent des gesamten Verpackungsmülls recycelt, der Rest landete in der Verbrennungsanlage. Während Glas, Papier, Aluminium und Stahl mit Recyclingquoten von mehr als 85 Prozent oft wiederverwertet werden, sieht es beim Kunststoff anders aus. Plastik wird gerade einmal knapp zur Hälfte wiederverwertet, denn Kunststoffverpackungen sind aufgrund ihrer Materialvielfalt schwierig zu sortieren und zu recyceln. Das Umweltbundesamt fordert deshalb, Mehrwegsysteme zu stärken. Sie hätten klare ökologische Vorteile gegenüber Einwegverpackungen. "Und vor allem müssen wir Müll vermeiden, möglichst schon in der Produktionsphase durch den Verzicht auf unnötige und materialintensive Verpackungen", betont die Präsidentin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger.

Plastikteppiche verschmutzen Weltmeere

Auf den Weltmeeren treiben riesige Plastikteppiche: Nach Angaben der Organisation "Seas at Risk" gelangen allein aus der EU jährlich rund 100.000 Tonnen Plastik ins Meer. Tote Seevögel, die an die Küsten gespült werden, haben immer häufiger Plastik im Magen, weil sie es für Futter halten. Plastik zersetzt sich im Meer zu immer kleineren Teilen. Dieses Mikroplastik wird von Fischen und anderen Meerestieren aufgenommen und gelangt auf diese Weise in den Nahrungskreislauf. Einwegplastik ist zudem klimaschädlich, da Erdöl und Erdgas bei der Produktion und beim Transport verbraucht werden und bei der Müllverbrennung CO2, also Kohlenstoffdioxid, entsteht.

EU sagt Einweg-Plastik den Kampf an

Die EU-Kommission will die Vermüllung der Meere unter anderem mit einem Verbot von Einweg-Produkten wie Plastiktellern, Trinkhalmen und Wattestäbchen bremsen. Die Mitgliedstaaten sollen die Auflage bekommen, bis 2025 Einwegplastikflaschen zu 90 Prozent wiederzuverwerten. Der Verbrauch an Einwegprodukten wie Kaffeebechern soll reduziert werden. Ziel der EU-Kommission ist, den Einweg-Müll im Meer bis 2020 um 30 Prozent zu reduzieren, das EU-Parlament strebt sogar ein ehrgeizigeres Ziel von 50 Prozent bis 2030 an.

In Deutschland wird neben Plastikverboten auch über die Einführung einer Plastiksteuer diskutiert, für die sich etwa das Umweltbundesamt ausspricht. Gratis-Plastiktüten sind aus dem deutschen Einzelhandel bereits weitgehend verschwunden. Der Tüten-Verbrauch geht seit Jahren deutlich zurück.

Einzelhändler verbannen Trinkhalme aus Sortiment

Auch immer mehr Discounter und Supermärkte beteiligen sich am Kampf gegen Plastikmüllberge und nehmen Wegwerfprodukte aus Kunststoff aus ihrem Angebot. So kündigte etwa der Discounter Lidl an, bis Ende 2019 Einwegplastikartikel wie Besteck und Trinkhalme aus dem Sortiment zu nehmen. Auch Rewe will auf den Verkauf von Einwegtrinkhalmen aus Plastik verzichten. Edeka entwickelt nach eigenen Angaben Mehrwegartikel als Alternative zu Wegwerfprodukten.

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Mein Nachmittag | 17.08.2018 | 16:20 Uhr

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