Pelletheizung: Schlecht für Klima und Wald

Stand: 05.09.2022 13:23 Uhr

Pelletheizungen gelten als umweltfreundlich, ihr Einbau wird üppig gefördert. Doch die Nutzung der Pellets hat Nachteile und ist nicht so klimaneutral wie oft behauptet wird.

von Thomas Eckert

Steigende Öl- und Gaspreise sowie die Verknappung von fossilen Brennstoffen lassen viele Hausbesitzer über alternative Heizsysteme nachdenken. Neben Wärmepumpen oder Solarthermie geraten dabei auch Holzpellet-Heizungen in den Blick, denn das Heizen mit den zu Pellets gepressten Holzresten gilt als umweltfreundlich und klimaneutral. Der Einbau solcher Heizungen wird auch nach Überarbeitung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) weiterhin massiv gefördert.

Pellets: Wirklich CO2-neutral?

Die Pellet-Branche bewirbt das Holz als "CO2-neutralen Brennstoff" und behauptet: Pellets und andere moderne Holzbrennstoffe bieten dabei "mit das größte CO2-Einsparpotenzial". Die These dahinter: Holz setze beim Verbrennen nur so viel CO2 frei, wie der Baum beim Wachsen aufgenommen hat. Daher sei das Verheizen von Holz CO2-neutral.

Wissenschaftler und Umweltschutzorganisationen sehen diese Darstellung kritisch. Bei der Verbrennung von Holz werde schlagartig das gesamte gespeicherte CO2 freigesetzt. Der Faktor Zeit ist dabei entscheidend, sagt Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: "Es dauert Jahrzehnte, bis dieses System wirklich ins CO2-Plus kommt. Bis dahin haben wir mehr CO2 in der Atmosphäre, als wenn wir das Holz nicht verbrannt hätten. Und dieses Mehr an CO2 bewirkt den Klimawandel mit all seinen Folgen."

Nachteil: Holz ist kein effizienter Energieträger

Kritiker der Holzenergie verweisen auch darauf, dass Holz eine geringere Energiedichte als fossile Energieträger hat. Das bedeutet: Um die gleiche Menge Energie zu erzeugen, müssen große Mengen an Holz verbrannt werden. Die Effizienz hänge zwar sehr von den technischen Voraussetzungen und den konkreten Bedingungen ab, erläutert Lucht, "aber grob kann man abschätzen, dass pro gewonnene Energieeinheit die Holzverbrennung etwa eineinhalb Mal so viel CO2 produziert wie Kohleverbrennung, doppelt so viel CO2 produziert wie Ölverbrennung und dreimal so viel CO2 produziert wie Gasverbrennung."

Waldsterben: Baumverluste sind größer als angenommen

Die Verbände der Energieholz- und Pellet-Branche argumentieren, dass in Deutschland derzeit mehr Wald nachwächst als Holz geerntet wird. Entsprechend würde mehr CO2 gebunden als durch energetische Holznutzung frei werde. Doch laut einer Studie der gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission (Joint Research Centre, JRC) könne dies nur für sehr bestimmte und kleine Anteile von in der EU gewonnenen Holzsortimenten sichergestellt werden.

Das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) veröffentlichte im Februar 2022 Satellitendaten, die zeigen, dass die Baumverluste in Deutschland erheblich größer sind als angenommen. Durch Trockenheit, Gewitterstürme und Parasiten sind die Wälder bereits erheblich geschwächt.

Hohe Nachfrage nach Holzresten schwächt den Wald

Die mangelnde Klimafreundlichkeit beginne zudem nicht erst beim Verbrennen, sondern bereits im Wald, argumentieren Umweltschützer wie der Förster Peter Wohlleben. So ließ man bis vor wenigen Jahren Baumkronen im Wald verrotten und die Mineralien und Nährstoffe wurden dem Boden zurückgegeben. Mittlerweile werden die Bäume für die Herstellung von Pellets und Holzhackschnitzel komplett genutzt - von der Wurzel bis zur Baumkrone. Der Wald werde so in seiner Funktion als Kohlenstoffspeicher durch die steigende Holznachfrage geschwächt.

Der NABU (Naturschutzbund Deutschland) und die Deutsche Umwelthilfe appellieren, weniger Holz zu verbrennen, den Wald weniger zu nutzen und ihn naturnah umzubauen - zum Beispiel zu umweltstabileren Mischwäldern. Aus ihrer Sicht besteht ein ökologischer Umgang mit Holz darin, dass dessen Verbrennung erst am Ende einer langen Verwertungskette steht.

 

Weitere Informationen
Eine Wärmepumpe steht im Vorgarten eines Hauses. © Photocase Foto: birdys

Umweltfreundlich heizen mit Wärmepumpen und Brennstoffzellen

Es gibt viele Alternativen zur umweltbelastenden Ölheizung. Wer modernisiert, kann von Fördermitteln profitieren. mehr

In einem Kaminofen brennt ein Feuer. © Fotolia Foto: digitalstock

NABU: Holz verheizen hilft nicht in der Energiekrise

Der Naturschutzbund fordert in der momentanen Energiekrise einen nachhaltigen Umgang mit den Holzressourcen. mehr

In einem Kaminofen brennt ein Feuer. © Fotolia Foto: K.-U. Häßler

Heizen mit Holz: Alternative zu Öl und Gas?

Holz galt bis vor Kurzem als klimafreundliche Alternative zu Öl und Gas. Mittlerweile sind Kamine und Pelletöfen umstritten. mehr

Mark Rafflenbeuls Holz wird abgeholt - dabei bringen die Stämme im Winter 2020 / 21 kaum Geld: Gerade mal die Kosten für das Fällen der Bäume sind gedeckt. © NDR/WDR

Wald oder Wüste: Was kommt nach dem Fichtensterben?

Der Wald der Zukunft muss einiges leisten: den zunehmenden Extremen des Wetters trotzen und zugleich gutes Bauholz liefern. mehr

Die Sonne fällt durch eine Baumgruppe in einem Wald. © picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte Foto: Julian Stratenschulte

Niedersachsen will mit Mischwald dem Baumsterben begegnen

Die Landesforsten haben 2021 sechs Millionen Bäume gepflanzt. Weitere Aufforstungen kosten 20 Millionen Euro jährlich. mehr

Dieses Thema im Programm:

Markt | 05.09.2022 | 20:15 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Heizen

Energiekrise

Energie

Haushalt

Mehr Ratgeber

Eine Sanduhr und Münzstapel vor einem Laptop. © panthermedia Foto: Andrey Popov

Frist für Steuererklärung 2021 läuft Ende Oktober ab

Wer seine Steuererklärung für 2021 selbst macht, muss die Frist zum 31. Oktober einhalten. Was gilt für das Corona-Jahr? mehr