Stand: 14.08.2017 13:54 Uhr  | Archiv

Hat das Festnetz ausgedient?

von Niels Walker, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Mit dem technischen Fortschritt ist das so eine Sache: Kaum setzt sich eine neue Technologie durch, wie zum Beispiel das Mobiltelefon, wird der Vorgänger für tot erklärt. So hieß es zur Zeit der Jahrtausendwende, dass das Festnetz bald Geschichte sein werde. Doch es gibt immer noch in fast jedem deutschen Haushalt einen Festnetzanschluss.

Telefon © NDR-Online Bildredaktion Foto: Christine Raczka
Viele Menschen in Deutschland wollen ihren Festnetzanschluss nicht aufgeben.

Die Bundesnetzagentur hat durchgezählt und kommt auf 37 Millionen Anschlüsse in ganz Deutschland. Das sind nur eine halbe Million weniger als noch vor vier Jahren. Das Ende einer Technologie sieht anders aus. Das Festnetz habe sich aber gewandelt, sagt Urs Mannsmann, Fachredakteur der Computerzeitschrift "c't". Den alten, analogen Anschluss von früher biete heute kaum noch ein Unternehmen an - und das aus gutem Grund, sagt er: "So richtig viel Gewinn lässt sich damit nicht machen."

Ab 2018 ist alles digital

Dazu kommt die Umstellung der Telekommunikationsnetze in Deutschland. Bis zum nächsten Jahr soll der letzte analoge Anschluss verschwunden sein, heißt es von der Telekom. Dann ist alles digital. Der Internetanschluss ist in Zukunft die Grundlage für das Festnetz und nicht mehr umgekehrt. Technisch gesehen sind Telefongespräche damit nur noch Datenpakete in den digitalen Netzen, genauso wie E-Mails oder ein Radio-Livestream.

Internetanschluss würde reichen

Rein theoretisch könnten somit alle bisherigen Telefonkunden über Sprachdienste wie Skype oder Facetime telefonieren, ein reiner Internetanschluss für zu Hause würde reichen. So einen zu bekommen, ist aber kaum möglich. Denn kaum ein Anbieter, sei es die Telekom, Vodafone oder lokale Unternehmen, bietet einen ausschließlichen Internetanschluss für zu Hause an. Das Festnetz ist als digitaler Dienst fast immer mit dabei, betont Mannsmann. Es beschere den Unternehmen noch nicht einmal einen Mehraufwand: "Es kostet die Anbieter eigentlich nichts, es sind ja nur noch virtuelle Anschlüsse. Die Infrastruktur dafür ist da, und ob darüber ein Anschluss mehr oder weniger bedient wird, macht auf der Kostenseite keinen Unterschied."

Unternehmen wollen zusätzliche Einnahmequelle erhalten

Das digitale Festnetz erhöht die Wertschöpfung für die Telekommunikationsanbieter. Denn neben einer Grundgebühr lässt sich auch mit dem lang bekannten Gebührenmodell noch gutes Geld verdienen, zum Beispiel für Telefonate ins Ausland oder ins Handynetz. Diese zusätzliche Einnahmequelle wollen sich die Unternehmen erhalten. Auch deshalb wird es das Festnetz nicht so bald aussterben.

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NDR Info | Wirtschaft und Soziales | 14.08.2017 | 07:41 Uhr

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