Stand: 19.10.2016 21:27 Uhr  | Archiv

Forscher stärken depressive Apfelbäume

Wird eine Pflanzenart wiederholt angebaut, sinken die Erträge, die Pflanzen wachsen schlechter und werden häufiger krank. Das Phänomen "müder Boden" ist bekannt, aber erforscht wurde es noch nicht. Vor allem Apfelbäume leiden und bekommen auf müden Böden Wachstumsdepressionen. Das Gartenbauliche Institut der Leibniz Universität Hannover erforscht jetzt in großen Gewächshäusern voller Apfelbäumchen, ob Böden wieder munter werden, wenn sie nicht nur mit Dünger, sondern auch mit Bakterien und Pilzen behandelt werden.

Widerstandsfähigkeit mit Bakterien stärken

Traud Winkelmann gibt in jeden Topf ein paar Tropfen einer speziellen Flüssigkeit. Darin seien in unterschiedlicher Konzentration verschiedene Bakterien und Pilze, aber auch Pflanzenstärkungsmittel, so Winkelmann. "Das sind Extrakte aus einer Pflanze, die stimulierend auf die Abwehrkräfte von Pflanzen wirken sollen." Bazillus subtiles zum Beispiel gilt als universell einsetzbares Bakterium, das bei Pflanzen dazu führt, dass sie ihre Widerstandsfähigkeit erhöhen. Die Forscher vermuten, dass es sich auch bei Apfelbäumen positiv auswirkt. Selbst dann, wenn sie wie im Versuch in einem müden Boden wachsen. Die Apfelbäumchen wachsen bei 20 Grad Celsius in kleinen Blumentöpfen heran, mit unterschiedlichen Böden.

Starke Wachstumsdepressionen führen zu kleineren Pflänzchen

Einer dieser Böden kommt aus einer Baumschule in Schleswig-Holstein, hier hätten mehrere Generationen von Apfel gestanden, so Winkelmann. Nach Angaben der Baumschule weisen die in diesem Boden angebauten Äpfel starke Wachstumsdepressionen auf. Winkelmann und ihre Kollegen würden diesen Boden als müde oder nachbaukrank einordnen. Auch an den kleinen Pflanzen, die erst drei Wochen alt sind, zeigten sich schon klare Unterschiede, so die Wissenschaftlerin. Sie sind nämlich ein paar Zentimeter kleiner als die Vergleichspflanzen, die in frischem Boden wachsen. Das liege nicht daran, dass ihnen Nährstoffe fehlen, erklären die Forscher des Instituts.

Leuchten die Wurzeln unter dem Mikroskop, geht es ihnen gut

Sie gehen davon aus, dass das Gleichgewicht der Mikroorganismen in einem müden Boden gestört ist und versuchen es mit der speziellen Behandlung wieder zu stabilisieren. Die Pflanzen werden dann mehrere Wochen beobachtet, erklärt Felix Mahnkopf. Er holt einen Apfelbaum aus dem Blumentopf heraus, bringt ihn zu einem Waschtisch und befreit die Wurzeln von der Erde. "Wir untersuchen jetzt unter dem Mikroskop, ob die Wurzeln vital sind und ob das Stärkungsmittel einen Einfluss auf die Wurzel hat." Im Labor untersuchen die Wissenschaftler Stück für Stück, wie viele Zellen in den Wurzeln gesund und wie viele bereits abgestorben sind. Die Wurzeln sind nur wenige Millimeter groß, sie wurden für die mikroskopische Untersuchung eingefärbt. Nur die vitalen Zellen nehmen den speziellen Farbstoff auf und leuchten unter dem Mikroskop grün und rot. Abgestorbene Zellen nähmen die Farbe dagegen nicht an, erklärt Gisela Grunewald-Stöcker vom Gartenbaulichen Institut.

Müde Böden: deutschlandweiter Forschungsverband

"Es zeigt sich eine Tendenz, dass eine der Behandlungen vielleicht eine leichte Wirkung hat." Mehr möchte Grunewald-Stöcker dazu noch nicht sagen, es seien noch nicht genügend Proben untersucht worden. Die Untersuchungen stehen erst am Anfang und dauern noch drei Jahre. Sie sind Teil des deutschlandweiten Forschungsverbundes ORDIAmur. Neben der Leibniz Universität Hannover erforschen zum Beispiel auch das Julius Kühn-Institut, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und die Humboldt-Universität Berlin das Phänomen "müder Boden".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.10.2016 | 06:00 Uhr

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