Stand: 04.08.2017 12:09 Uhr  | Archiv

Fipronil: So gefährlich sind verseuchte Eier

Der Skandal um die mit Fipronil verseuchten Eier schreckt viele Verbraucher auf. Hier finden Sie die wichtigsten Fakten im Überblick:

Wie kann man mit Fipronil verseuchte Eier erkennen?

Ob die Eier im eigenen Kühlschrank verseucht sind, lässt sich anhand der Prüfnummer ermitteln. Die Printnummern der betroffenen Eier aus Niedersachsen lauten 1-DE-0357731, 1-DE-0358001 und 0-DE-0360521. Im Internetportal www.lebensmittelwarnung.de sind alle Printnummern potenziell betroffener Eier zu finden. Die meisten davon stammen aus den Niederlanden. Die vier positiv getesteten Betriebe befinden sich nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Emsland. In drei Fällen waren die Eier mit Fipronil belastet, im vierten Fall geht es um einen Hof mit Junghennen, in deren Gefieder das Fipronil entdeckt wurde.

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium warnt vor dem Verzehr von niederländischen Eiern mit den Printnummern

  • 0-NL-4310001
  • 1-NL-4128604
  • 1-NL-4286001
  • 1-NL-4167902
  • 1-NL-4385701
  • 1-NL-4339301
  • 1-NL-4339912
  • 2-NL-4385702
  • 1-NL-4331901
  • 2-NL-4332601
  • 2-NL-4332602
  • 1-NL-4359801

Ist Fipronil für den Menschen gefährlich?

Es gibt tatsächlich verwirrend unterschiedliche Aussagen dazu, ob mit Fipronil belastete Eier gefährlich sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sagt, nein. Es gebe keine Untersuchungsergebnisse, die belegen, dass die Eier so stark belastet sind, dass sie gesundheitsschädlich sind. Alle Ergebnisse lägen in einem Bereich, der deutlich unter den Grenzwerten liegt. Bei normalem Eierkonsum stelle das keine Gefahr dar, weder für Erwachsene noch für Kinder. Dann gibt es aber auch Experten, die davor warnen, solche Eier zu essen. Fipronil könne das Nervensystem schädigen, da solle man jedes Risiko ausschließen.

Wie viel Fipronil ist für den Menschen schädlich?

Nach Angaben des BfR ist eine Dosis von 0,009 Milligramm pro Kilo menschlichem Körpergewicht innerhalb von 24 Stunden unbedenklich. Für die Berechnung wurde der Wert, der in Experimenten mit Tieren noch keine gesundheitsgefährdenden Folgen hatte, durch 100 geteilt. Ein Erwachsener mit 65 Kilogramm Körpergewicht könnte demnach innerhalb von 24 Stunden sieben Eier essen, ohne diesen Wert zu überschreiten.

Sind Kinder gefährdeter?

Für Kinder gilt der gleiche Richtwert wie für Erwachsene. Aufgrund ihres geringeren Körpergewichts erreichen sie die bedenkliche Dosis entsprechend schneller. Das BfR gibt ein Rechenbeispiel: Ein Kind mit einem Gewicht von 16,15 Kilogramm dürfte demnach innerhalb von 24 Stunden bis zu 1,7 Eier essen, ohne Gesundheitsrisiken befürchten zu müssen.

Was sind die möglichen Symptome?

Das Landwirtschaftsministerium gibt an, dass Fipronil bei Menschen in höheren Dosen Haut und Augen reizen kann und zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen führt. Schlimmstenfalls bestehe das Risiko einer Schädigung von Organen.

Sind verarbeitete Lebensmittel möglicherweise belastet?

Auch verarbeitete Eier können belastet sein. Fipronil wird nicht abgebaut, wenn Eier gekocht oder gebacken werden. Lebensmittel, in denen belastete Eier stecken, enthalten daher prinzipiell genauso viel Fipronil wie die verarbeiteten Eier selbst. Doch wie viel etwa in einer Portion Eiernudeln steckt, hängt von der Menge Eier ab, die verarbeitet wurde. Woher verarbeitete Eier in Lebensmitteln stammen, ist für Verbraucher allerdings in der Regel nicht nachvollziehbar. Die niederländische Lebensmittelkontrollbehörde NVWA kontrolliert mittlerweile bereits Nahrungsmittel, die Eier enthalten.

Ist Hühnerfleisch auch betroffen?

Noch ist nicht ganz klar, ob Fleisch betroffen ist. Zwar werden Legehennen ohnehin nicht für den menschlichen Verzehr gezüchtet, ihr Fleisch könnte jedoch zum Beispiel in Dosensuppen landen. Um das zu verhindern, werden in den Niederlanden mit Fipronil verseuchte Legehennen getötet und das Fleisch entsorgt. Das Landwirtschaftsministerium will nun außerdem untersuchen, ob eventuell Masthennen mit Fipronil verseucht wurden.

Was ist die Ursache der Verseuchung?

Die Quelle der Verseuchung ist das eigentlich pflanzliche Anti-Läusemittel Dega-16. Vermutlich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt, obwohl das Mittel für die Geflügelzucht verboten ist. Unklar ist, ob der niederländische Händler, von dem die meisten Höfe das Mittel bezogen, davon wusste. Gegen beide Unternehmen wird ermittelt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.08.2017 | 11:00 Uhr

Mehr Ratgeber

Eine Frau steht in einer modernen Küche vor einem weit geöffneten großen Fenster und schaut nach draußen. © imago/Westend61 Foto: Joseffson

Wohnung richtig lüften: So lässt sich Schimmel vermeiden

Wer selten lüftet, erhöht die Schimmel-Gefahr. In Corona-Zeiten vermindert der Luftaustausch auch das Ansteckungsrisiko. mehr

Eine Frau und ein Mann wickeln schützendes Wollflies um eine Kübelpflanze. © NDR

Kübelpflanzen richtig überwintern

Empfindliche Gewächse sollten vor dem ersten Nachtfrost nach drinnen gebracht werden, robustere benötigen Winterschutz. mehr

Igel im Laub © imago images / blickwinkel

Ein Igelhaus zum Überwintern bauen

Ob Laubhaufen oder Igelhäuschen: Naturfreunde können Igeln mit einfachen Mitteln ein Winterquartier schaffen. mehr

Flugpassagierin mit Maske in einer Flugzeugkabine © Picture-Alliance / ImageBroker Foto: Jacek Sopotnicki

Urlaub trotz Corona: Welche Regeln gelten für Risikogebiete?

Für jedes Land gelten individuelle Empfehlungen. Auch in Deutschland gibt es wieder Einschränkungen für Reisende. mehr