Stand: 24.09.2015 14:27 Uhr  | Archiv

Stressfaktor Smartphone: Tipps für Familien

"Kannst Du das Ding nicht mal fünf Minuten aus der Hand legen, wenigstens wenn ich mit Dir rede?" Ein Satz, der Eltern mit jugendlichem Nachwuchs vertraut sein dürfte. Das Smartphone ist für viele Teenager und Kinder unverzichtbar geworden. Vor allem über WhatsApp kommunizieren sie scheinbar ohne Pause mit ihren Freunden und das sorgt in vielen Familien für Stress.

Von Katharina Jetter, NDR Info

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Wie viel Smartphone brauchen Jugendliche?

Merle hat eins und Johanna auch. Für die beiden Zehnjährigen ist ihr Smartphone die Nabelschnur zum sozialen Geschehen in der Klasse. "Bei mir ist das so, dass ziemlich viel über WhatsApp läuft", sagt Merle. Das sei wichtig. Wer kein WhatsApp habe, werde nur zufällig informiert. Ihre Freundin Johanna ergänzt, dass sie häufig sehr viele Nachrichten kriegen würde. Manche Mitschüler würden einfach nur eine kurze Nachricht schreiben, sagt sie. "Und wenn man sein Handy für sein Hobby zum Beispiel für zwei Stunden weg legt, hat man am Ende so 100 Nachrichten."

Kein Wunder, dass die beiden sich scheinbar ohne Pause mit ihren Smartphones beschäftigen. Und sie sind nicht die Ausnahme. Spätestens mit dem Wechsel in eine weiterführende Schule werden die meisten Eltern schwach und rüsten ihre Kinder mit cleveren Handys aus.

Ein Smartphone, um dabei zu sein

Auch dem Vater Carsten Keuchel ging das so. "Unser Kind hat beim Schulwechsel sofort gesehen, dass die neuen Freunde schon Smartphones haben." Seine Tochter habe argumentiert, dass sich alle in Gruppen organisieren und sich auch darüber verabreden würden. Das sei wichtig, weil sie ja noch nicht so viele Leute kennen würde. "Und dann haben wir als Eltern gesagt, wir wollen sie ja nicht ausschließen."

Wer will schon Schuld sein an der sozialen Isolation seines Kindes? Also wurde das Handy angeschafft. Aber der kostbare Besitz war an vorher ausgehandelte Bedingungen geknüpft. "Die Regeln sollten sein: Wir gucken jederzeit rein. Wir schauen, was du da machst", sagt Keuchel. Das sei aber nur ein guter Vorsatz gewesen. Schnell hätten die Eltern gemerkt, dass das mit der Kontrolle nicht so ganz einfach ist. "Sie hat das für sich ziemlich schnell als ihr Werkzeug erkannt und hat nachher auch ihren eigenen Sperrcode ans Handy gemacht. Immer wieder gab es lange Streits, dass sie uns das Smartphone hergibt", berichtet der Vater.

Das liebste Spielzeug

Medienpädagogin Katrin Viertel erklärt das innige Verhältnis vieler Kinder zu ihrem Smartphone so: "Dieses Gerät ist - nach der tragbaren Spielekonsole oder einem MP3-Player - ein Gerät, das dem Kind alleine gehört." Sie habe das Gefühl, dass Eltern häufig der Ansicht seien, das Smartphone habe den Ärger in ihre Familie getragen. Sie würden dabei völlig ignorieren, dass in ihrer eigenen Jugend die Auseinandersetzungen genau dieselben gewesen seien. "Es geht um Selbstbestimmung, um Abgrenzung", sagt die Expertin.

Damit der Familienfrieden dennoch gewahrt bleibt, empfiehlt Viertel einen Smartphone-Knigge: "Was sich als praktikabel erwiesen hat, ist eine einfache Regel: Wenn Du ins Bett gehst, schläft das Handy in der Küche." Ebenfalls sehr empfehlen könne sie, dass das Gerät beim Essen nicht am Tisch ist. Das gelte dann aber auch für die Eltern und nicht nur für die Kinder.

Eltern sind Vorbilder

Denn natürlich erliegen nicht nur Kinder und Jugendliche den Verlockungen der digitalen Möglichkeiten. Eine norwegische Studie besagt: Jedes fünfte Kind im Großraum Oslo fühlt sich zu wenig von den Eltern beachtet, weil diese sich ständig mit ihrem Smartphone beschäftigen.

Für Medienpädagogin Viertel steht fest: Kinder ahmen das Verhalten ihrer Eltern nach. Auch was die Smartphone-Nutzung angeht. "Wenn man selber es nicht schafft, auch nur drei Minuten auf den Bus zu warten, ohne sein Handy in der Hand zu haben, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Kinder das genauso machen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 18.08.2014 | 18:08 Uhr

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