Kreuz vor einem Kirchenfenster © photocase.de Foto: claudiarndt

Kirche im Sparmodus: Wie können Gemeinden im ländlichen Raum überleben?

Stand: 30.09.2021 15:28 Uhr

Der Pommerscher Evangelische Kirchenkreis steht vor großen Herausforderungen. Allein für das laufende Jahr müssen Einbußen von rund zwei Millionen Euro im Haushalt verkraftet werden. Die Sparmaßnahmen treffen auch den Bereich der diakonischen Arbeit.

von Christian Peplow

Die Zahl der Pastoren und Pastorinnen nimmt seit Jahrzehnten beständig ab. Es fehlt beispielsweise an Mitarbeitenden in Gemeindepädagogik und Kirchenmusik. Der demographische Wandel lässt gleichzeitig die Anzahl der Gemeindeglieder schrumpfen. Die Alten sterben, die Jungen ziehen weg oder finden den Weg in die Kirche nicht. "Das Wissen über die Inhalte des christlichen Glaubens nimmt ab. Deshalb ist die Arbeit von Gemeindepädagogen so wichtig, denn über sie wird die Saat für die folgende Generation gelegt", sagt Pfarrer Philipp Staak aus Spantekow.

Dorf Stadt Kreis: Porträt von Thomas Naedler  Foto: Jörn Lehmann
AUDIO: Folge 50 - Leere Kassen und das Prinzip Hoffnung: Die Kirche muss sparen (41 Min)

Ein Arbeitsalltag abseits seelsorgerischer Tätigkeit

Der 49-Jährige ist 2004 nach Spantekow gekommen. Sein Pfarrbereich hat eine enorme Ausdehnung: Von Nordwest nach Südost erstreckt er sich über etwa eine Kreis von 25 Kilometern im Durchmesser. "Da ist man dann schon eher als 'Pfahrer' unterwegs," gibt er schmunzelnd zu. Schon jetzt muss er sich um knapp 20 Gebäude seiner Doppel-Gemeinde Spantekow/ Boldekow-Wusseken kümmern. Dazu gehören 13 Kirchen und Kapellen sowie 14 Friedhöfe, verteilt auf fast 30 Ortschaften. Am meisten ärgert ihn, dass die Arbeit am Schreibtisch zu viel Zeit frisst: "Wenn man diese Arbeit mit Herzblut macht, dann kann es auch ein stückweit dazu kommen, dass man sich übernimmt. Es ist nämlich so viel Arbeit da, dass man den ganzen Tag arbeiten könnte." Viel lieber hätte er mehr Freiräume für die Seelsorge, er möchte mit den Menschen zusammentreffen. Zwar sind es nur noch 670 Gemeindeglieder. Aber aufgeben und den Kopf in den Sand stecken kommt für ihn nicht in Frage.

Wohin des Weges?

Philipp Staak möchte, dass sich etwas ändert und zwar "jetzt". Aus diesem Grund hat er - gemeinsam mit anderen Kollegen und Kolleginnen - ein Diskussionspapier auf der Kirchenkreissynode im Mai 2021 eingereicht. "Wenn wir so weitermachen, dann führt das dazu, das die Mitarbeiter und Pastoren eines Tages sagen, das geht nicht mehr." Die ersten Haupt- und Ehrenamtlichen haben bereits ihre Tätigkeit aufgegeben oder planen, dies zu tun. Um die Arbeitslast der Pfarrerinnen und Pfarrer zu senken und trotzdem in der Fläche präsent zu sein, gibt es von Seiten des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises erste Lösungsvorschläge. So sollen sogenannte Prädikanten - Menschen, die einen speziellen theologischen Unterricht absolviert haben - selbstständig Gottesdienste leiten und gestalten. Aber reicht das aus, um die Kirche auf dem Land zu retten? Wie kann sich die Kirche den Herausforderungen im ländlichen Raum stellen? Darüber sprechen Thomas Naedler und Christian Peplow im neuen Podcast Dorf Stadt Kreis.

Weitere Informationen
Zwei Menschen sitzen in einer Kirche.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Dorf Stadt Kreis – starke Geschichten aus dem Norden | 30.09.2021 | 15:00 Uhr

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