Kulturhaus Mestlin © NDR Foto: Mathias Schulze

Corona-Krise in MV: Und der Jugendclub war dicht

Sendedatum: 08.10.2020 17:40 Uhr

Seit zweieinhalb Jahren leitet der Sozialpädagoge Johann Oltmanns-Leimgruber in Goldberg-Mildenitz einen Jugendclub. Langsam und vorsichtig hat er Vertrauen zu den Kindern und Jugendlichen aufgebaut, bald kamen viele regelmäßig. Und dann kam Corona und der Club war zu.

Doch Sozialpädagoge Johann Oltmanns-Leimgruber will auch in dieser Zeit den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen halten. Am Tag der Schließung treffen sich alle vor dem Club und gründen eine Whatsapp-Gruppe. Er habe so die Zeit live miterlebt. Am Anfang waren die meisten viel zu Hause. Nach drei Wochen aber waren die meisten wieder draußen, haben sich in kleinen Gruppen getroffen und sich - wenn's ging - auch der Aufsicht der Eltern entzogen. An zwei Tagen die Woche traf man sich vor dem Club und konnte reden - mit Abstand und Maske - und sich so langsam wieder annähern.  

"So ein bisschen auf eine freundliche Art und Weise verwildert"

Johann Oltmanns-Leimgruber, Amtsjugendpfleger im Amt Goldberg-Mildenitz © NDR Foto: Mathias Schulze
Sozialpädagoge Johann Oltmanns-Leimgruber wünscht sich mehr Anerkennung für die Kinder und Jugendlichen in der Gesellschaft. Sie sollen ernst genommen werden.

Viele Kinder und Jugendliche aus dem Club seien in der Zeit der Schließung lauter geworden, besonders die braven. Sie waren ständig in ihrer Gruppe unterwegs - keine Schule, keine äußeren Zwänge, erzählt Sozialpädagoge Johann Oltmanns-Leimgruber. Jetzt hat er erstmal damit zu tun sie wieder etwas runterzufahren. Wenn's ganz hart kommt, dann bekommt einer auch mal eine Woche "Club- Auszeit". Das Schlimmste wäre aber ein Rauswurf aus dem Club, das gab es noch nicht.

Digitales Lernen war oft nicht möglich

Viele Kinder kamen und erzählten, dass sie zu Hause kein WLAN und oft auch nicht die nötige Technik haben, digitales Lernen funktionierte nicht. Die Schule hat dann Aufgabenzettel zum Abholen bereitgelegt, die Schüler haben sie gelöst und zurückgebracht. Jugendsozialarbeiter Johann Oltmanns-Leimgruber kann sich nur schwer vorstellen, dass seine Arbeit digital funktionieren könnte. Kein WLAN, kein Tablet: „Auf dem Smartphone unterhält man sich nicht eine Stunde in einer Video-Konferenz mit dem Sozialarbeiter“, sagt Oltmanns-Leimgruber. Was funktionierte waren die Treffen vor dem Club an zwei Tagen in der Woche. Da hat er allerdings nur die Kinder aus Goldberg selbst gesehen. Die aus den Dörfern sind nicht gekommen, mit denen habe er erstmal eine Weile nichts zu tun gehabt.

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Mehr Geld allein für Jugendclubs reicht nicht

Natürlich wünscht sich Sozialpädagoge Johann Oltmanns-Leimgruber mehr Geld für seine Arbeit. Dann könnte vielleicht ein weiterer Sozialarbeiter eingestellt werden, der Club könnte renoviert werde. Das würde aber nur die Umstände besser machen. Was die Arbeit besser machen würde: Wenn die Menschen und die Gesellschaft Kinder und Jugendliche stärker als etwas Wichtiges ansehen würden, als Ressource für die Zukunft. Das sei wichtiger als das rein Materielle. "Wenn wir sie nicht ernst nehmen, ist alles Geld, was wir reinstecken, nicht so viel wert", sagt Sozialpädagoge Johann Oltmanns-Leimgruber.

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