See umrandet von Bäumen. © Silvana Mundt Foto: Silvana Mundt

100.000 Bäume für Stralsund: Eine Stadt will grüner werden

Stand: 08.07.2021 06:02 Uhr

Stralsund hat zu wenig grünen Erholungsraum. Um dieses Defizit abzubauen, hat die Stadtverwaltung den Masterplan "Stadtnatur" entwickelt.

von Silvana Mundt

Gepflegter und abwechslungsreicher Erholungsraum ist ein Gradmesser für die Lebensqualität einer Stadt, neben dem Angebot an Wohnraum, medizinischer Versorgung und öffentlichem Personennahverkehr. Laut Stadtverwaltung wurden im Bereich der Naherholung in den vergangenen Jahren entscheidende Fehler gemacht. Deutlich wird das in den Stadtteilen Grünhufe und Knieper West, die in den 1960er bis 1980er Jahren gebaut wurden, allerdings ohne Bereiche für die Naherholung. Diesen Mangel will Stralsund beseitigen und greift dabei auf Altbewährtes zurück.

Dorf Stadt Kreis: Porträt von Thomas Naedler  Foto: Jörn Lehmann
AUDIO: Folge 38 - Grüne Stadt Stralsund (39 Min)

Ein grünes Netz für Stralsund

Mitten in der Stadt liegen historische Landschaftsschutzgebiete, wie das Sundufer, die Stadtteiche und der Stadtwald. Sie sind in den 1940er Jahren ausgewiesen worden und waren schon damals als Zäsur im wachsenden Flächenhunger der Stadt gedacht. Sie sollen nun verbunden werden mit den vielen wilden Waldinseln, die sich auf Brachen in Stadtvierteln entwickelt haben sowie mit der Natur rund um die Stadt. Dafür braucht es geeignete Flächen, um diese grünen Gebiete so zu verbinden, dass es auch tatsächlich ein grünes Netz werden kann. Diese Flächen zu finden, ist für Stralsunds Stadtförster Thomas Struwe die größte Herausforderung. Der Kampf um den Boden bleibt nicht ohne Konflikte.

Stadtnatur vs. Stadtverdichtung

Das Baugesetzbuch schreibt eine Innenverdichtung der Städte vor. Das bedeutet, es sollen vor allem freie Flächen im Inneren der Städte bebaut werden. Doch genau dies hat Stralsund gerade so eine Art "Holzfäller-Image" beschert. Es geht um eine Fläche im Stadtteil Andershof. Das Land als Eigentümer hat sie jahrelang nicht gepflegt, sodass dort inzwischen Bäume gewachsen sind - laut Landeswaldgesetz ist diese Fläche nun ein Wald. Ein Investor hat das Grundstück gekauft, die Bürgerschaft stimmte mehrheitlich für eine Bebauung. Der Wald soll weg, ein Discounter ist dort geplant – zum Verdruss der Naturschützer, aber zur Freude älterer Anwohner, die es dann nicht mehr so weit zum Einkaufen haben.

100.000 Bäume auf 25 Hektar

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In den vergangenen 30 Jahren sind die Waldflächen innerhalb der Stadtgrenzen um 168 Prozent gewachsen - das sind laut Stadtverwaltung 250.000 Bäume mehr seit 1990. Und allein in den kommenden zwei Jahren sollen weitere 100.000 Bäume hinzukommen. So zumindest sehen die ersten Schritte der Stralsunder Grünstrategie aus. Ziel ist es, langfristig einen ästhetisch schönen Wald zu entwickeln, in dem sich die Stralsunder erholen können. Wie das gelingen kann und welche Vorteile mehr Stadtgrün mit sich bringt, darüber sprechen Thomas Naedler und Silvana Mundt im neuen Podcast Dorf Stadt Kreis - zu finden auch in der kostenlosen NDR MV App und in der ARD-Audiothek.

Dieses Thema im Programm:

Dorf Stadt Kreis – starke Geschichten aus dem Norden | 08.07.2021 | 06:00 Uhr