Stand: 18.08.2020 20:00 Uhr

dienstags um acht: Strauss und Wagner mit Andrew Manze

Ungewöhnliche Perspektiven eröffnen die sich in diesem Konzertprojekt der NDR Radiophilharmonie unter Chefdirigent Manze. Da erweist sich der Opernkomponist Wagner mit seinem "Siegfried-Idyll" als respektabler Sinfoniker. Und Strauss‘ höchst eindrucksvollem Alterswerk "Metamorphosen" aus dem Jahr 1945 sind zwei Stücke aus seiner Jugendzeit vorangestellt, dabei stehen – aus den momentanen Vorschriften zur Anzahl der Mitwirkenden wird eine Tugend – mal die Bläser und mal die Streicher des Orchesters im Fokus.

Di, 18.08.2020 | 20 Uhr
Website der NDR Radiophilharmonie

Andrew Manze Dirigent
NDR Radiophilharmonie

RICHARD WAGNER
Siegfried-Idyll
RICHARD STRAUSS
Suite B-Dur für 13 Blasinstrumente op. 4
Serenade Es-Dur für 13 Blasinstrumente op. 7
Metamorphosen. Studie für 23 Solo-Streicher

Wagners sinfonische Idylle

Seiner frisch angetrauten Frau Cosima, die bereits 1869 den Stammhalter Siegfried (genannt "Fidi") geboren hatte, überreichte Wagner im Dezember 1870 im Schweizer Tribschen sein "Siegfried-Idyll": "Triebscher Idylle mit Fidi-Vogelgesang und Orange-Sonnenaufgang als Symphonischer Geburtstagsgruß Seiner Cosima dargebracht", dichtete Wagner als hübsche Widmung dazu.  Mit diesem bezaubernd lyrischen Ständchen in Kammerorchester-Besetzung, das parallel zur Arbeit an der Oper "Siegfried" entstand und seine musikalischen Thema vor allem daraus bezieht, hatte er aber noch mehr im Sinn – der große Opernkomponist Wagner wollte auch einmal auf sinfonischem Gebiet punkten, was ihm mit seinem klangsinnlichen "Siegfried-Idyll" durchaus glückte.

Jugendwerke mit großen Nachwirkungen

Richard Strauss gelang beides: Seine Sinfonischen Dichtungen machten ihn zum bedeutenden Komponisten, durch seine späteren Opern wurde er zu einem der wegweisenden Musiktheater-Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Als Strauss 1881 mit 17 Jahren die Serenade für 13 Blasinstrumente schrieb, stand er noch ganz am Anfang seines Weges. Doch das Werk zeigte bereits Wirkung und kein Geringerer als der Dirigent Hans von Bülow wurde auf den jungen Komponisten aufmerksam. Bülow animierte Strauss dann auch zu der mehrsätzigen Suite in gleicher Besetzung, die er 1883 vollendete. Der Kontakt mit Bülow brachte Strauss sogar noch mehr ein: 1886 übernahm er von ihm das äußerst prestigeträchtige Amt des Meininger Hofkapellmeisters.

Trauer und Erinnerung

Knapp 60 Jahre später lagen Strauss‘ einstige Wirkungsstätten, die Opern- und Konzerthäuser in Dresden, Berlin und München, am Ende des 2. Weltkriegs in Schutt und Asche. Seine Trauer und seine ganz persönliche Betroffenheit brachte der 80-jährige Komponist 1945 in den "Metamorphosen", einer "Studie für 23 Solostreicher", zum Ausdruck. Der intensive und filigrane Streicherklang wird aus einem sich ständig wandelnden Strom aus Motiv-Ketten geformt. Erst in den letzten Takten lässt Strauss die thematische Urquelle, die seine "Metamorphosen" unterschwellig durchfließt, hörbar werden: Das Trauermarsch-Thema aus Beethovens "Eroica".

Weitere Informationen
Blick auf die Bühne im Großen Sendesaal mit Beschriftung "NDR Radiophilharmonie - dienstags um acht" © NDR Foto: Christian Bernstorf

dienstags um acht

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