Dirigentin Delyana Lazarova © NDR Foto: Marco Borggreve

Delyana Lazarova eröffnet die Festspiele MV in Neubrandenburg

Stand: 17.11.2022 14:00 Uhr

Der Ausnahme-Musiker Martynas Levickis spielt Gershwins "Rhapsody in Blue" - auf dem Akkordeon. Außerdem dirigiert Delyana Lazarova die NDR Radiophilharmonie mit Igor Strawinskys "Feuervogel".

Die Orgel des kleinen Mannes? Dass das Akkordeon eine ganz eigene Klang- und Ausdruckswelt besitzt, haben Solisten wie Martynas Levickis in der Vergangenheit zur Genüge bewiesen. Der junge Litauer spielt einfach alles, was ihm unter die Hände kommt, von Volksliedern über Bach bis zur Moderne. In der Neubrandenburger Konzertkirche bringt er seine spektakuläre Fassung der "Rhapsody in Blue" zu Gehör. Außerdem auf dem Programm dieses Eröffnungskonzerts der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern: Musik von Ravel, von der jungen Amerikanerin Caroline Shaw sowie Strawinskys "Feuervogel"-Suite, dirigiert von Delyana Lazarova.

Festspiele MV
Sa, 17.06.2023 | 18 Uhr
Neubrandenburg | Konzertkirche (An der Marienkirche)

Delyana Lazarova Dirigentin
Martynas Levickis Akkordeon
NDR Radiophilharmonie

Eröffnungskonzert

Martynas Levickis
Festspiel-Ouvertüre für Akkordeon solo
Maurice Ravel
Le Tombeau de Couperin
George Gershwin
"Rhapsody in Blue"
(arrangiert für Akkordeon und Orchester von Martynas Levickis)
Caroline Shaw
Entr'acte
für Streichorchester
Igor Strawinsky
"Der Feuervogel"
Suite für Orchester (Fassung von 1919)

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"Le Tombeau de Couperin" - eine Trauermusik mit viel Esprit

Als "Tombeau" bezeichneten französische Komponisten des Barock eine Trauermusik für einen verstorbenen Kollegen. Seinem Landsmann François Couperin widmete einige Jahrhunderte später Maurice Ravel mit seinem "Tombeau de Couperin" eine durchaus vital tönende Suite. In Ravel-typischer Manier wird hier virtuos-spielerisch mit barocken Formen experimentiert. Ab 1914 komponierte Ravel dieses ursprünglich für Klavier konzipierte Stück, das dann letztendlich auch zu einem Symbol der gegenwärtigen Trauer wurde: Ravel widmete die einzelnen Sätze den Soldaten aus seinem Freundeskreis, die im 1. Weltkrieg fielen.

Mit Akkordeon: Gershwins "Rhapsody in Blue" mal anders

Natürlich ist George Gershwins "Rhapsody in Blue" in erster Linie ein Klavierstück. Gershwin selbst erstellte ja zunächst eine Klavierfassung des Werks, die dann von Ferde Gorfé instrumentiert wurde. Musikgeschichtliche Bedeutung aber gewann es durch seinen Stilmix aus Spätromantik und Jazz, aus Alter und Neuer Welt. Und genau diese Grenzüberschreitung dürfte Martynas Levickis zu seiner Bearbeitung gereizt haben. Schließlich ist auch sein Instrument, das Akkordeon, auf keine Epoche und keinen Stil festgelegt. Levickis' Repertoire reicht von Vivaldis "Vier Jahreszeiten" bis Lady Gaga, von Beethoven bis Piazzolla. Diese Vielseitigkeit brachte ihm 2010 den Sieg bei der Akkordeon-Weltmeisterschaft ein und drei Jahre später einen Exklusivvertrag bei Decca - als erstem Akkordeonisten überhaupt.

Die zeitgenössische Komponistin Caroline Shaw fokussiert Haydn

Werke der amerikanischen Komponistin, Geigerin, Sängerin - und Pulitzer-Preisträger (2013) - Caroline Shaw hat die Dirigentin Delyana Lazarova schon des Öfteren auf die Bühne gebracht. In ihrer Musik gibt Shaw, Jahrgang 1982, ganz unterschiedlichen künstlerischen Genres Raum und Klang. So arbeitet sie beispielsweise auch mit Tänzer*innen und Rappern zusammen. Die Inspirationsquelle für ihr Stück Entre'acte war allerdings Joseph Haydns letztes Streichquartett op. 77 Nr. 2. Shaw hält sich deutlich hörbar an die Musik Haydns und schafft von dort aus ihre eigenen "subtilen Übergänge" in die musikalische Sprache des 21. Jahrhunderts. Die Komponistin dazu:

"Haydns Stück ist wie ein Menuett mit Trio aufgebaut und greift diese klassische Form auf, führt sie aber noch ein wenig weiter. Ich liebe die Art und Weise, wie manche Musik (wie dieses Menuett) einen plötzlich auf die andere Seite des Spiegels von Alice [im Wunderland] bringt, in einer Art absurdem, subtilem, farbigem Übergang."

Einfach atemberaubend: Strawinskys "Feuervogel"-Musik

Die Kraft der Magie durchströmt Strawinskys "Feuervogel" von den mystisch-dumpfen ersten Tönen bis in die energetischen, erhaben strahlenden Schlusstakte. Mit fein gezeichneten Melodien einerseits und kraftvollen Pinselstrichen aus grell-bunten Klangfarben andererseits erzählt Strawinsky das altrussische Märchen vom edlen Iwan Zarewitsch und dem böse Zauberer Kastschei, der hübsche Prinzessinnen gefangen hält. Und über dieser Welt aus Gut und Böse schwebt glitzernd-glühend der erlösende Feuervogel. Diese später zur Suite zusammengestellte Ballettmusik katapultierte den jungen Strawinsky 1910 ins Licht der Öffentlichkeit. Mit der perkussiv-motorischen Rhythmik des "Feuervogels" lag auch schon der nächste Coup Strawinskys in der Luft: Das Jahrhundertwerk "Le Sacre du Printemps" entstand drei Jahre nach dem "Feuervogel".

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Klassik

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