Stand: 27.07.2022 12:00 Uhr

Kammermusik-Matinee: Berühmtes trifft auf Verborgenes

In der Kammermusik-Matinee am 10. April 2022 hörten Sie Dvořáks berühmtes "Amerikanisches Streichquartett" einmal anders. Denn bei dieser Aufführung durfte die Flöte die 1. Geige spielen. Außerdem gab es verborgene Schätze des Flötenrepertoires aus verschiedenen Teilen der Welt zu entdecken: aus Israel Paul Ben-Haims Flöten-Serenade und aus der Schweiz das Flötenquartett von Volkmar Andreae.

6. Kammermusik-Matinee
So, 10.04.2022 | 11.30 Uhr
Hannover, Kleiner Sendesaal (Rudolf-von-Bennigsen-Ufer 22)

Heike Malz Flöte
Frank Wedekind Violine
Carolin Frick Viola
Christian Edelmann Violoncello und Moderation

Berühmtes trifft auf Verborgenes - Flötenquartette mal ganz anders

Paul Ben-Haim
Serenade
für Flöte, Violine, Viola und Violoncello
Volkmar Andreae
Flötenquartett op. 43
Antonín Dvořák
Streichquartett Nr. 12 F-Dur
op. 96 "Amerikanisches Quartett"
(Fassung für Flöte und Streichtrio)

Hinweis: Der Kleine Sendesaal wird im Schachbrettmuster besetzt. Mehr zu unseren aktuellen Hygienemaßnahmen lesen Sie hier.

Paul Ben-Haim - ein israelischer Komponist aus München 

Vor 125 Jahren wurde Paul Ben-Haim als Paul Frankenburger in München geboren. Seine musikalische Laufbahn verlief zunächst glänzend: Studienabschluss 1920 und sogleich eine Anstellung als Chorleiter an der Bayerischen Staatsoper unter Bruno Walter, Erfolge als Komponist und Dirigent. Doch zunehmend sah sich Frankenburger antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Als einer der ersten Komponisten emigrierte er 1933 von Deutschland nach Palästina. Dort prägte er, nun unter dem Namen Ben-Haim ("Sohn Heinrichs"), das Musikleben maßgeblich. Er entwickelte kompositorisch einen besonderen israelischen Nationalstil. Dieser zeigt sich auch in der Flöten-Serenade von 1952: Durch die Verschmelzung von europäischen Klängen à la Debussy und Ravel mit orientalischen, östlichen und mediterranen Wendungen entsteht hier ein ganz eigenes musikalisches Flair.  

Eine Schweizer Musikergröße: Volkmar Andreae

Auch der Schweizer Volkmar Andreae, geboren 1879 in Bern, gilt als wichtiger künstlerischer Impulsgeber seines Landes. Über 40 Jahre war er Chefdirigent des Tonhalle-Orchesters Zürich. 25 Jahre lang leitete er das Konservatorium in Zürich. Als Mitbegründer der Schweizerischen Gesellschaft für Neue Musik wurde er 1922 deren Präsident. Nicht weniger rege war er als Komponist: Zu seinem Werkkatalog gehören Konzerte, Sinfonien, Bühnenstücke, Chorwerke und Kammermusik. Sein Flötenquartett op. 43 schrieb er im Jahr 1942.

Mit Urlaubsfeeling: Dvořáks "Amerikanisches Quartett"

Das fühlt man vom ersten Ton an: Dvořáks heiter-entspanntes Streichquartett op. 96 entstand im ländlichen Sommerurlaub, genauer gesagt 1893 im Dörfchen Spillville in Iowa. Dort fand er Erholung von seinem anstrengenden Job als Direktor des National Conservatory in New York. Inwiefern er melodische Aspekte der indigenen Bevölkerung in das "Amerikanische Quartett" aufgenommen hat, bleibt wie bei seiner kurz zuvor fertiggestellten Sinfonie "Aus der Neuen Welt" Spekulation. Was aber aus jedem Takt klingt sind Dvořáks Natureindrücke. Und dazu gehören auch original einheimische Töne aus Iowa, nämlich der Vogelruf der Scharlachtangare. Zu all dem passt der natürliche Klang der Flöte. Sie übernimmt in dieser Kammermusik-Matinee den Part der 1. Violine des Quartetts.

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