Eine Skulptur vor dem Eingangsbereich des Sprengel Museums in Hannover. © NDR Foto: Axel Franz

Blaue Stunde 2: Essenz

Stand: 09.07.2021 12:00 Uhr

Essenz, die Reduktion auf das Wesentliche, den Kern des Ganzen, ist das Thema dieses Abends, an dem Schostakowitschs Sinfonie Nr. 15 in einer kammermusikalischen Fassung zu erleben ist.  

Die Auseinandersetzung mit dem Essenziellen ist ein prägender Aspekt, gerade in der letzten Lebensphase. Dass er sich in dieser befand, wusste der schwerkranke Schostakowitsch, als er 1971 seine 15. Sinfonie komponierte. Sie sollte sein letztes sinfonisches Stück werden. In dieser Blauen Stunde erklingt die Sinfonie Nr. 15 in der Version für Klaviertrio und Schlagzeug von Viktor Derevianko. Diese ist eine noch von Schostakowitsch autorisierte kammermusikalische Essenz des Werkes.

Blaue Stunde 2
Di, 01.02.2022 | 20 Uhr
Mi, 02.02.2022 | 18 Uhr
Sprengel Museum Hannover, Calder-Saal (Kurt-Schwitters-Platz)

Friederike Starkloff Violine
Nikolai Schneider Violoncello
Markus Becker Klavier
Agnieszka Arlt Schlagzeug
Oliver Arlt Schlagzeug
Raimund Peschke Schlagzeug
Klaus Reda Schlagzeug
Sonja Beißwenger Textlesungen

Essenz

Dmitrij Schostakowitsch
Sinfonie Nr. 15 op. 141a (Arrangement: Viktor Derevianko)

Der Vorverkauf für diese Veranstaltung beginnt am 01.11.2021. Den Ticketlink finden Sie zu gegebener Zeit hier.

Vom Spielzeugladen bis zur Intensivstation

Schostakowitsch war ein Meister der Doppeldeutigkeit, in seinen Werken stets mit Gesten des Humors, der Trauer, der Ironie und Tragik spielend. Er war ein musikalischer wie politscher Jongleur, der in seiner sowjetischen Heimat immer ganz nah am Abgrund stand. Auch die 15. Sinfonie ist in der charakteristischen Tonsprache Schostakowitschs formuliert. Auffallend sind in die vielen Selbstzitate und Zitierungen anderer Komponisten. Da erklingt z.B. im seltsam heiteren ersten Satz das allseits bekannte Thema aus Rossinis "Wilhelm Tell". Dieser Satz erzähle von seiner Kindheit, "ein Spielzeugladen, mit einem wolkenlosen Himmel darüber", meinte Schostakowitsch. Am Beginn des letzten Satzes ist hingegen deutlich das Motiv der "Todesverkündigung" aus Wagners "Walküre" zu vernehmen. Besonders unter die Haut gehen die Schlusstakte dieses finalen sinfonischen Opus mit seinen gespenstischen Schlagzeugklängen. Der Dirigent Kurt Sanderling assoziierte damit die Situation und die Geräusche auf einer Intensivstation: "Ein letztes Aufbäumen und alles ist vorbei."

Reduziert instrumentiert mit Schostakowitschs Segen

Viktor Derevianko war einer der Pianisten, die dem UdSSR-Komponistenverband die Sinfonie Nr. 15 vor der eigentlichen Uraufführung in einer Version für zwei Klaviere präsentierte. Schostakowitsch hatte die Fünfzehnte bereits vergleichsweise sparsam instrumentiert, jedoch mit umfangreichem, sublim eingesetztem Schlagwerk. Derevianko war von dieser Klangdisposition fasziniert und erstellte mit dem ausdrücklichen Segen Schostakowitschs eine Fassung, die den Schlagzeugpart weitgehend unberührt übernahm und die übrigen Orchesterstimmen reduziert auf Klaviertrio-Besetzung einrichtete.

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