Eine Skulptur vor dem Eingangsbereich des Sprengel Museums in Hannover. © NDR Foto: Axel Franz

Blaue Stunde 2: Essenz

Stand: 27.07.2022 12:00 Uhr

Essenz, die Reduktion auf das Wesentliche, den Kern des Ganzen, war das Thema dieses Abends, an dem Schostakowitschs Sinfonie Nr. 15 in einer kammermusikalischen Fassung zu erleben war.  

Die Auseinandersetzung mit dem Essenziellen ist ein prägender Aspekt, gerade in der letzten Lebensphase. Dass er sich in dieser befand, wusste der schwerkranke Schostakowitsch, als er 1971 seine 15. Sinfonie komponierte. Sie sollte sein letztes sinfonisches Stück werden. In dieser Blauen Stunde erklang die Sinfonie Nr. 15 in der Version für Klaviertrio und Schlagzeug von Viktor Derevianko. Diese ist eine noch von Schostakowitsch selbst autorisierte kammermusikalische Essenz des Werkes.

Blaue Stunde 2
Di, 01.02.2022 | 20 Uhr
Mi, 02.02.2022 | 18 Uhr
Sprengel Museum Hannover, Calder-Saal (Kurt-Schwitters-Platz)

Friederike Starkloff Violine
Nikolai Schneider Violoncello
Markus Becker Klavier
Oliver Arlt Schlagzeug
Raimund Peschke Schlagzeug
Klaus Reda Schlagzeug
Moritz Wappler Schlagzeug
Sonja Beißwenger Textlesungen

Essenz

Dmitrij Schostakowitsch
Sinfonie Nr. 15 op. 141a (Arrangement: Viktor Derevianko)

Downloads
Das Programmheft zur Blauen Stunde 2: Essenz © NDR

Blauen Stunde 2: Essenz

Programmheft (PDF) zur Blauen Stunde am 1. und 2. Februar 2022 im Sprengel Museum Hannover. Download (3 MB)

Vom Spielzeugladen bis zur Intensivstation

Schostakowitsch war ein Meister der Doppeldeutigkeit, in seinen Werken stets mit Gesten des Humors, der Trauer, der Ironie und Tragik spielend. Er war ein musikalischer wie politscher Jongleur, der in seiner sowjetischen Heimat immer ganz nah am Abgrund stand. Auch die 15. Sinfonie ist in der charakteristischen Tonsprache Schostakowitschs formuliert. Auffallend sind in die vielen Selbstzitate und Zitierungen anderer Komponisten. Da erklingt beispielsweise im seltsam heiteren ersten Satz das allseits bekannte Thema aus Rossinis "Wilhelm Tell". Dieser Satz erzähle von seiner Kindheit, "ein Spielzeugladen, mit einem wolkenlosen Himmel darüber", meinte Schostakowitsch. Am Beginn des letzten Satzes ist hingegen deutlich das Motiv der "Todesverkündigung" aus Wagners "Walküre" zu vernehmen. Besonders unter die Haut gehen die Schlusstakte dieses finalen sinfonischen Opus mit seinen gespenstischen Schlagzeugklängen. Der Dirigent Kurt Sanderling assoziierte damit die Situation und die Geräusche auf einer Intensivstation: "Ein letztes Aufbäumen und alles ist vorbei."

Reduziert instrumentiert mit Schostakowitschs Segen

Viktor Derevianko war einer der Pianisten, die dem UdSSR-Komponistenverband die Sinfonie Nr. 15 vor der eigentlichen Uraufführung in einer Version für zwei Klaviere präsentierte. Schostakowitsch hatte die Fünfzehnte bereits vergleichsweise sparsam instrumentiert, jedoch mit umfangreichem, sublim eingesetztem Schlagwerk. Derevianko war von dieser Klangdisposition fasziniert und erstellte mit dem ausdrücklichen Segen Schostakowitschs eine Fassung, die den Schlagzeugpart weitgehend unberührt übernahm und die übrigen Orchesterstimmen reduziert auf Klaviertrio-Besetzung einrichtete.

Schlagwörter zu diesem Artikel

Klassik

Dirigent Andrew Manze und die NDR Radiophilharmonie © NDR Foto: Axel Herzig

Der Konzertkalender

Dies sind die Konzerte der NDR Radiophilharmonie in der Saison 2022/23. mehr

Video-Aufnahme im Großen Sendesaal des NDR Landesfunkhauses in Hannover © NDR Foto: Micha Neugebauer

Audio und Video

Konzerte der NDR Radiophilharmonie als Audios und Videos zum Nachschauen und -hören, wann immer Sie wollen. mehr

Die NDR Radiophilharmonie © NDR / Nikolaj Lund Foto: Nikolaj Lund

Zur Startseite

Vielseitigkeit ist ihr Markenzeichen: Von den "Hannover Proms" als Saisonauftakt bis zu abwechslungsreicher Kammermusik reicht das Programm der Saison 21/22. mehr

Orchester und Vokalensemble