Hannover als zweite Heimat

Bei ihrem Konzertdebüt mit dem Tokyo Philharmonic Orchestra im Alter von 15 Jahren wurde Airi Suzuki als talentierteste Nachwuchsviolinistin betitelt.

Die Geigerin Airi Suzuki ist neu in der NDR Radiophilharmonie: Schon länger als Studentin in Hannover, hat sie sich nun eine feste Stelle in ihrer zweiten Heimat erspielt.

Ihre erste Begegnung mit der NDR Radiophilharmonie hatte sie als Solistin: Die Geigerin Airi Suzuki spielte 2012 als Finalistin des Joseph Joachim Violinwettbewerbs mit dem Orchester das erste Violinkonzert von Dmitri Schostakowitsch. Knapp vier Jahre später saß sie dann mittendrin: Mit dem Orchester der Musikhochschule traf sie für die Aufführung von Schönbergs monumentalen "Gurre-Liedern" unter der Leitung von Ingo Metzmacher wieder auf die NDR Radiophilharmonie. Kurz darauf hatte sie für mehrere Monate einen Zeitvertrag als stellvertretende Konzertmeisterin, bis sie schließlich das Probespiel für die feste Stelle in den ersten Geigen gewonnen hat.

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Airi Suzuki gemeinsam mit den anderen Finalistinnen und Finalisten des Joseph Joachim Violinwettbewerbs 2012.
Orchester als Neuland

Das Orchesterspiel hat sie von Anfang an sehr fasziniert, auch wenn es zunächst Neuland für sie war. "Es macht unglaublich Spaß, dass alle zusammen die Musik aufbauen. Diese Gemeinschaft finde ich toll, so etwas kann man nicht alleine machen", erzählt die Japanerin. Da sie im Studium ganz auf die Solistenkarriere fokussiert war, hat sie erst bei der NDR Radiophilharmonie das Orchesterleben wirklich kennengelernt. Nicht nur das andere Spielen im Orchester war neu für sie, vor allem muss sie nun viel Repertoire lernen. Eine besonders schöne Herausforderung ist für sie das bevorstehende Beethoven-Festival: "In der letzten Woche haben wir in fünf Tagen neun verschiedene Sinfonien geprobt, und für mich waren fast alle neu! Aber das ist großartig, alle neun Sinfonien Beethovens auf einmal aufzuführen, so erlebt man den Wandel in Beethovens Musik direkt mit. Und ich kann schon nach zwei Monaten sagen, dass ich alle Beethoven-Sinfonien gespielt habe!", ergänzt sie lachend.

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Die Geigerin Airi Suzuki studiert bei Prof. Krzysztof Wegrzyn in Hannover.
Zweite Heimat Hannover

Hannover ist schon seit einigen Jahren ihr Lebensmittelpunkt, denn die Stadt war ihr erstes und einziges Ziel zum Studium: Nachdem sie in Japan einen Meisterkurs bei Krzysztof Wegrzyn absolviert hatte, wollte sie unbedingt bei dem hannoverschen Geigenprofessor studieren. So ist sie tatsächlich in die Landeshauptstadt gekommen und fühlt sich unglaublich wohl: "Das Leben ist hier sehr angenehm, vor allem ist natürlich alles so schön grün in der Stadt", erklärt die Geigerin. "Außerdem ist die Kultur in Deutschland einfach offener als in Japan. Ich bin sehr froh, zwei Heimaten zu haben!" Zwar ist ihr Studium noch nicht beendet, aber bald steht die Abschlussprüfung bevor. Und mit der neuen Stelle kann sie nun zum Glück in ihrer zweiten Heimat Hannover bleiben. Ihre größte Hoffnung: dass die NDR Radiophilharmonie irgendwann auf Japan-Tournee geht.

Wettbewerbe für das Berufsziel

In ihrer Familie ist Airi Suzuki die einzige Musikerin, allerdings hat ihr Vater früher einmal Geige gespielt. Zuhause hatten sie daher noch eine kleine Geige, die sie als Kind unbedingt ausprobieren wollte. Schließlich bekam sie mit vier Jahren ihren ersten Violinunterricht und hatte schon früh erste Wettbewerbserfolge. Dass sie die Musik zum Beruf machen wollte, war ihr bald klar, daher hat sie vieles versucht, um dieses Ziel zu erreichen. Auch wenn es nicht immer so einfach war - "Wettbewerbe mochte ich eigentlich gar nicht", lacht sie heute. "Aber dadurch habe ich die Chance bekommen, mit vielen Orchestern in Japan und Europa spielen zu dürfen. Das waren kostbare Erfahrungen für mich!"