"Für mich gab es keinen anderen Weg"

Gerhard Zolnhofer © Francois Lefevre Foto: Francois Lefevre
Nach mehreren Jahrzehnten mit der NDR Radiophilharmonie geht der Posaunist Gerhard Zolnhofer in den Ruhestand.

Der Posaunist Gerhard Zolnhofer ist seit 1982 Mitglied der NDR Radiophilharmonie. Nun hat er sein letztes Konzert mit den Kollegen gespielt und freut sich auf seinen Ruhestand.

Aufgewachsen in einem kleinen fränkischen Ort, war Gerhard Zolnhofers Weg zum Musikstudium nicht selbstverständlich. So hat er auf Empfehlung seines Vaters in seinen Studienjahren zunächst parallel noch halbtags handwerklich gearbeitet: "Das waren zwei ganz verschiedene Welten", erzählt der Posaunist, "aber man lernt so das Musikerleben ganz anders zu schätzen - und man übt gleich viel lieber", lacht er. Angefangen hatte er zwar zunächst mit Jazz, aber schon mit 16 Jahren erklärte er im Konservatorium voller Überzeugung, dass er Orchestermusiker werden wolle. "Für mich gab es keinen anderen Weg, keine andere Überlegung", erinnert sich Gerhard Zolnhofer.

Musiker der NDR Radiophilharmonie © privat
In bester Erinnerung hat Gerhard Zolnhofer die Aufführung der "Geschichte vom Soldaten" mit Kollegen der NDR Radiophilharmonie.
Generationenwechsel in der NDR Radiophilharmonie

Das ging erstaunlich schnell, denn bereits mit 19 Jahren bekam er eine Stelle bei den Nürnberger Symphonikern. 1982 hat er schließlich in Hannover beim NDR angefangen. Nachdem er 31 Jahre lang eine Solostelle hatte, wechselte er vor wenigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen zur 2. Posaune. In dieser Zeit hat er nicht nur einen Generationenwechsel miterlebt, sondern auch einen allgemeinen Wandel beobachtet, da bei jüngeren Musikern die technischen Fähigkeiten immer weiter gewachsen seien und die Kollegen alle große solistische Qualitäten mitbrächten. Doch manchmal fehle ihm auch etwas: "Heutzutage ist man zugunsten der Perfektion weniger risikofreudig im Spiel", das verändere den Charakter der Musik. Sehr gut tue der Atmosphäre allerdings auch, dass die NDR Radiophilharmonie inzwischen sehr ausgewogen im Geschlechterverhältnis ist. "Hier gibt es keine Missverhältnisse, auch nicht zwischen jung und alt, das ist immer sehr angenehm", konstatiert Gerhard Zolnhofer.

Musiker der NDR Radiophilharmonie © privat
Gerhard Zolnhofer hat sich immer gefreut, wenn er Euphonium spielen konnte.
Große Charaktere am Dirigierpult

Gern erinnert er sich an den Dirigenten Bernhard Klee, der ihn als große Persönlichkeit sehr beeindruckt hat. Er sei vielleicht kein einfacher Mensch gewesen, aber er hatte immer einen guten Draht zu ihm. Später habe Eiji Oue es immer geschafft, etwas Besonderes in den Konzerten zu erreichen. "Aber ich freue mich sehr, dass Andrew Manze mein letzter Chefdirigent ist", ergänzt Zolnhofer, denn seinen warmen menschlichen Umgang schätze er sehr. Das sei durchaus nicht selbstverständlich, denn früher habe es "einige Tyrannen" gegeben, "es herrschte manchmal eine andere Grundstimmung, die von Angst und Spannung geprägt war, aber so etwas gibt es heutzutage eigentlich nicht mehr", erzählt der Posaunist.

Musiker der NDR Radiophilharmonie in Tokio © privat
Hier muss man gewesen sein: Musiker der NDR Radiophilharmonie auf dem Karajan-Platz in Tokio.
Mit dem Orchester durch die Welt

Besonders geliebt hat er die Konzertreisen und Gastspiele, "das werde ich auf jeden Fall vermissen", meint Gerhard Zolnhofer schon jetzt. Von Südamerika bis Japan konnte er in den letzten Jahrzehnten viele Eindrücke sammeln, "vor allem Tokio war für mich immer ein großes Ereignis", so der Posaunist. Hier konnte man auch die Kollegen anders kennenlernen, "man war nah an der 'Familie' dran", meint er, "das Orchester ist auch immer etwas wie eine Schulklasse". Doch auch im Ruhestand wird es ihm sicher nicht langweilig werden, denn er hat ein Bauernhaus im Frankenland, drei Enkel und will wieder mehr zurück zum Jazzklavier.

 

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