"Eine künstlerische Neugier ist immer vorhanden"

Der Bratschist Stefan Neuhäuser ist nach Anstellungen in Halle, Bielefeld und der Staatsoper Hannover seit 2017 Mitglied der NDR Radiophilharmonie.

Der Bratschist Stefan Neuhäuser ist neu in der NDR Radiophilharmonie. Die Orchesterkollegen sind ihm allerdings nicht ganz unbekannt, denn er war vorher bereits zehn Jahre an der Staatsoper Hannover tätig: Er erzählt über seinen Wechsel und seine erste Zeit an der neuen Institution.

Die Musikerlaufbahn scheint ihm im Blut zu liegen: Neuhäusers Vater ist Musikschuldirektor, seine Mutter Musiklehrerin und sein Großvater war sogar ebenfalls Bratschist im Orchester - wenn auch in Dortmund und nicht in Hannover. Von seiner Heimat im Emsland zog es ihn bereits für die letzten drei Jahre seiner Schulzeit an eine Spezialschule für Musik nach Berlin. Dort begann er auch sein Studium, zog aber bald mit seinem Professor Thomas Selditz in die Landeshauptstadt Niedersachsens. "Jetzt lebe ich schon 17 Jahre hier in Hannover", rechnet der Bratschist noch einmal nach.

Neues Arbeiten mit alten Bekannten

Er erinnert sich noch gut, dass er schon vor 15 Jahren noch während seiner Studienzeit als Aushilfe in der NDR Radiophilharmonie gespielt hat. Als er später ein Engagement an der Staatsoper Hannover bekommen hatte, wurden die Aushilfen bei den Kollegen am Maschsee regelmäßiger. Neuland ist die NDR Radiophilharmonie also nicht für ihn, aber die Arbeitsweise ist trotzdem etwas ganz anderes: Anders als in der Oper wechseln hier die Konzertprogramme wochenweise und werden eine Woche lang intensiv geprobt. Das gefällt ihm sehr: "Ich finde es sehr schön, dass man hier Zeit zum Arbeiten hat", so der Bratschist.

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An der Hochschule für Musik und Theater Hamburg unterrichtete Stefan Neuhäuser als Assistent von Thomas Selditz.
Kontaktfreudige Kollegen

Zu Beginn seiner ersten Saison im neuen Orchester war Neuhäuser gleich mit auf Reisen, erst beim Schleswig-Holstein Musik Festival, aber dann auch mit zu den Gastspielen in Frankreich, in Belfort und Paris. Das verbindet intensiver mit den Kollegen, weil man dort mehr miteinander zu tun hat. "Aber das Orchester ist einfach immer sehr kontaktfreudig, deswegen ist es gar kein großer Unterschied, ob man unterwegs ist oder daheim in Hannover spielt", lacht er, "der Einstieg wird einem hier wirklich sehr leicht gemacht." Als beeindruckend hat er das konstant hohe Niveau der Konzerte und der Solisten in seinen ersten Wochen erlebt. Ein Highlight kann er nicht benennen, "aber das sehe ich gerade positiv, dass alles auf einem hohen Level stattfindet".

Konzentriertes Arbeiten und künstlerische Neugier

Für ihn ist besonders auch die programmatische Vielfalt, für die die NDR Radiophilharmonie steht, ein Glücksfall, denn er persönlich erlebt gerade die Abwechslung als spannend: "Das ist so interessant, dass von Barock bis Pop alles dabei ist." Außerdem kann er von der guten Atmosphäre im Orchester nur schwärmen. "Es ist ein sehr konzentriertes und begeistertes Arbeiten, eine künstlerische Neugier ist immer vorhanden", so Neuhäuser über seinen neuen Arbeitsplatz. Viel Spaß hatte er bei den Projekten mit Andrew Manze, den er inzwischen bereits mehrfach erlebt hat: "Es ist sehr faszinierend, wie er musikalisch mitreißen kann." In seiner ersten Saison mit der NDR Radiophilharmonie ist er vor allem auf die Aufführung der Johannes-Passion im März gespannt. Aber auch auf das nächste NDR Klassik Open Air im Sommer 2018 freut er sich jetzt schon.