Stand: 18.11.2019 14:58 Uhr

Bericht aus China - Tourneeauftakt in Lanzhou

von Friederike Westerhaus

Die NDR Radiophilharmonie hat ihre Sachen gepackt und ist nach China geflogen. Zusammen mit Chefdirigent Andrew Manze gibt sie insgesamt sieben Konzerte, unter anderem in Lanzhou, Shanghai und Beijing. Im Gepäck hat sie die 5. und die 6. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, außerdem Musik von Brahms und Mozart.

Johannes Theodor Wiemes und Ivo Dudler © NDR
Johannes Theodor Wiemes (links) und Ivo Dudler halten sich beim Zwischenstopp in Shanghai fit.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Shanghai sitzen die Musikerinnen und Musiker wieder am Flughafen und warten auf den Weiterflug nach Lanzhou, dem ersten Konzertort der China-Tournee. Die beiden Solo-Hornisten Johannes Theodor Wiemes und Ivo Dudler nutzen die Wartezeit am Gate um sich einzuspielen - inmitten von wartenden Fluggästen. "Mein Horn hat ein abschraubbares Schallstück, was es mir ermöglicht, das immer im Flugzeug mit mir in die Kabine zu nehmen", erzählt Ivo Dudler. "Dann kann ich mit einem bestimmten Übe-Dämpfer das Geräusch des Horns auf unter Sprechlautstärke reduzieren, so dass man problemlos üben kann, ohne dass man andere Leute stört." Johannes Theodor Wiemes hat nur sein Mundstück dabei: "Ich habe ein Instrument, wo man den Schalltrichter nicht abschrauben kann. Und deswegen kann ich es nicht mit ins Handgepäck nehmen und gebe es im Transport auf. Wenn ich ein bisschen fit bleiben will, bleibt mir nur das Mundstück. Es geht nur um die Muskulatur im Gesicht, sodass ich dann im Konzert Kraft habe, das durchzustehen."

Reisen mit Instrumenten

Am Flughafen in Shanghai, China © NDR
Endlich am Ziel angekommen!

Alle größeren Instrumente werden im Cargoflug transportiert. Jedes muss im Vorfeld angemeldet werden, damit es beim Zoll keine Schwierigkeiten gibt. Nicht nur die Musiker - auch die Instrumente brauchen Pässe. "Es kommt wirklich der Zoll ins Haus, fotografiert das, und es wird dann hinterher abgeglichen, ob die Instrumente in den Kisten sind, bevor sie ins Flugzeug gehen, weil es auch teilweise Probleme mit Materialien gibt. Elfenbein zum Beispiel ist kritisch, die Musiker haben Karbonbögen, in denen kein Material verwertet ist, was kritisch sein kann, sodass sie dann darauf spielen und nicht auf ihren gewohnten Bögen", so Janin Wilke vom Orchesterbüro. Sie hatte schon Monate vor der Tournee mit der Vorbereitung zu tun. "Im Land wird viel mit dem LKW gemacht. Ich glaube, der eine ist circa 35 Stunden unterwegs. Das muss man gut durchplanen, damit die Instrumente jeweils zum Konzert pünktlich da sind. Klar, man kann alles gut vorbereiten, aber es kann natürlich immer etwas Unvorhergesehenes passieren, sodass man dann letztlich nur gucken kann, dass man rettet, was zu retten ist."

Herausforderungen des Tournee-Alltags

Lanzhou Shi Gansu Grand Theatre © NDR
Im Lanzhou Shi Gansu Grand Theatre haben die Musiker der NDR Radiophilharmonie ihr erstes Konzert gegeben.

Die erste Hiobsbotschaft kommt schon kurz vor der Tournee: Beide Solo-Fagottisten können aus Krankheitsgründen nicht mitfahren. Für Orchestermanager Matthias Ilkenhans eine knifflige Situation: "Das Problem ist, dass der Visa-Prozess sehr kompliziert ist, man braucht ein Einladungsschreiben, alles dauert lang. Und so kurzfristig jemanden zu finden, der ein Arbeitsvisum bekommt, ist schlichtweg unmöglich. Deswegen mussten wir auf dem chinesischen Markt schauen." Zig Telefonanrufe und Emails später ist Ersatz gefunden: der Solo-Fagottist des Shanghai Symphony Orchestra. Nur leider kann der für eines der sechs Konzerte nicht: ausgerechnet das erste der Tournee. Entwarnung kommt erst in letzter Minute, als das Orchester schon unterwegs nach China ist. "Über viele Ecken sind wir an den ehemaligen Solo-Fagottisten des Orchesters in Koblenz geraten, Herrn Jingjing Ji, der so nett ist und uns aushilft. Und das wird natürlich aufregend, weil wir kaum Probenzeit haben. Das wird wirklich ein Blindflug - aber er soll sehr gut sein, und das wird sicherlich klappen."

Konzertauftakt mit Nervenkitzel

Das Debüt in Lanzhou wird also spannend, vor chinesischem Publikum - und mit dem chinesischen Fagottisten Jingjing Ji aus Peking in den Reihen der NDR Radiophilharmonie. Nach dem Orchester ist auch Jingjing Ji im Hotel in Lanzhou angekommen. Gerade rechtzeitig. In zwei Stunden beginnt die Anspielprobe. "Am 13. hat mich ein Kollege vom Orchester angerufen, ob ich das machen kann. Natürlich gehe ich - um mit diesem großen Orchester Erfahrung zu sammeln. Deswegen bin ich sehr glücklich und habe zugesagt", sagt Jingjing Ji. "Natürlich ist es aufregend. Ich habe nur kurz in die Noten geguckt, ein bisschen vorbereitet, und ich hoffe, dass es heute Abend gut klappt!"

Übersicht
Beijing National Centre for the Performing Arts © Creative Commons Foto: Francisco Diez

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