Beeindruckende Neugierde auf Musik

Die Akademisten der Joseph Joachim Akademie gestalteten gemeinsam eine Kammermusik-Matinee der NDR Radiophilharmonie. In einem Workshop arbeitete Chefdirigent Andrew Manze mit ihnen an ihrem Konzertprogramm.

Ihr Programm haben sich die Akademisten selbst ausgesucht: Ein Anliegen war ihnen dabei vor allem, auch eher unbekannte Stücke zu finden. Dazu gehört das Streichquintett Nr. 27 von George Onslow: "Ich bin immer beeindruckt von der Neugierde auf Musik. Onslow ist kein Komponist, der oft gespielt wird, daher gibt es keine verbreitete Tradition, wie seine Musik zu spielen ist. Sie mussten das selbst ausarbeiten", so kommentiert Andrew Manze die Auswahl.

Eigene Klangvorstellungen entwickeln

Marco Polizzi, der die erste Geige in diesem Stück übernimmt, sieht darin eine große Chance: Gerade weil es keine bestehenden Aufnahmen und überlieferte Interpretationen gibt, müssen die Musiker selbst eine Klangvorstellung aufbauen und formen. "In diesem Prozess lernt man viel voneinander. Wir finden gemeinsam immer etwas Neues, wie man die Musik besser verstehen und ausdrücken kann", so der Geiger. Gleichzeitig vermittele die Auseinandersetzung mit dieser Musik noch mehr ein Gefühl für die Zeit, in der der Komponist lebte, und für andere bekannte Werken der jeweiligen Epoche. So war Onslow beispielsweise auch ein sehr guter Cellist und spiegelt mit seiner Musik die instrumentalen Möglichkeiten seiner Zeit, "eine charmante, aber auch schwere Virtuosität", meint Marco Polizzi.

Tragische Intensität

Einen Kontrast dazu bildet das 13. Streichquartett von Schostakowitsch, das vor allem für seine düstere Stimmung und tragische Expressivität bekannt ist. Manze betont die Intensität dieser Musik - eine Intensität, welche die Hörer unweigerlich in ihren Bann zieht. Er ist froh, dass sich die Akademisten "mit einem so ernsten und schweren Musikstück auseinandersetzen".

Deutlicher Entwicklungsprozess

Für die Akademisten ist es bereits die zweite Matinee, die sie gemeinsam spielen, und damit eine Möglichkeit, ihre Entwicklung zu zeigen. Wenn sich Andrew Manze an seinen letzten Workshop vor einem halben Jahr erinnert, ist er begeistert, wie sich die Musiker verändert haben: "Ich kann nur darüber staunen, wie sich die Dinge entwickeln. Die Akademisten sind immer noch ganz individuelle, interessante Persönlichkeiten, aber sie haben auch einen Weg gefunden zusammenzuarbeiten, das ist wunderbar. Darüber freue ich mich sehr."

Letztes Akademie-Jahr

Für diese fünf Akademisten heißt es in diesem Sommer Abschied nehmen von der NDR Radiophilharmonie. Der große Erfolg der Akademie lebt nicht zuletzt vom großen Engagement der Orchestermusiker: Um die weitere Arbeit zu unterstützen, spielen sie Ende Februar ein kammermusikalisches Benefizkonzert, dessen Erlös der Akademie zu Gute kommt.

 

Orchester und Chor