Hochkarätig zum Saisonfinale

Der Pianist Alon Yavnai. © Carsten Fleck
Von vielen verschiedenen musikalischen Kulturen geprägt: Pianist Alon Yavnai.

"Von all den Pianisten, mit denen ich gearbeitet habe", sagt Paquito D'Rivera, "ist Alon Yavnai der vielseitigste Musiker." Immerhin hat er mit Yavnai nicht nur preisgekrönte Latin Jazz-Alben eingespielt und im Duo musiziert, sondern auch Brahms Klarinetten-Trio - mit Yo-Yo Ma am Cello.

Kein Wunder: Yavnai ist studierter Konzertpianist und ein Weltenbummler. Seine Mutter ist gebürtige Argentinierin, er selbst wuchs er in Tel Aviv auf mit den Klängen von Sasha Argov und Shlomo Gronich, aber auch João Bosco, Gal Costa und, nicht zuletzt Oscar Peterson und Keith Jarrett. Heute gehört er zur New Yorker Jazzszene, spielte mit Freddie Hubbard, Joe Lovano, Ravi Coltrane und immer wieder mit der NDR Bigband. Vor zwei Jahren erschien das erste gemeinsame Album "Shir Ahava" (Liebeslied). Jetzt ist er mit neuer Musik wieder zurück.

Alon, in Ihrer Musik ist eine Fülle von Einflüssen zu hören. Welche Rolle spielt dabei Ihre Heimat Israel?

Israel ist ein junges Land, und die Musik dort ist ein Mix. Ich wuchs auf mit Pop, europäisch geprägten Liedermachern, Jazz und Volksliedern aus Russland, weil Teile meiner Familie von dort stammen.

Sie leben heute in New York. Fühlen Sie sich dort als "israelischer" Jazzmusiker?

Ich habe mit Freunden auf der 13ten Straße gespielt: zwei Bläser, Rhythmusgruppe; alle Israelis. Das war keine Absicht. Aber es ist gut für die Musik, wenn man gemeinsame Erfahrungen hat. Und natürlich werden wir als "ausländische" Musiker wahrgenommen. Wir bringen eine andere Kultur mit, unsere Musik klingt anders. Amerikaner spielen großartigen Jazz, keine Frage. Aber wenn ich jemanden höre, der noch andere Einflüsse mitbringt, da gibt es eben auch mehr Dinge, die man zusammenbringen kann. Natürlich geschmackvoll.

Ich komme aus einem Land, das aus lauter unterschiedlichen Einwanderer-Kulturen zusammengesetzt ist. Und – ja: für diese Kultur bin ich gerne eine Art Botschafter. Aber das ist ein großes Wort.

Interview: Tobias Richtsteig

Orchester und Chor