Stand: 14.09.2018 15:00 Uhr

"Musik ist die subtilste Form von Kommunikation"

In der Saison 2018/2019 tritt der international gefragte deutsch-französische Cellist Nicolas Altstaedt als neuer Artist in Residence beim NDR Elbphilharmonie Orchester die Nachfolge von Geiger Frank Peter Zimmermann an. Im Interview mit Marcus Stäbler spricht der mehrfach ausgezeichnete Künstler über seine warmherzige Beziehung zum NDR EO und welche Werke (darunter auch die Uraufführung eines Auftragswerks) er in seiner Residenz präsentieren wird.

Screenshot: Nicolas Altstaedt in der Umkleide der Cellisten in der Elbphilharmonie © NDR Fotograf: Screenshot

"Ich will teilen, was mich beglückt"

Während seiner Residenz beim NDR Elbphilharmonie Orchester nimmt Cellist Nicolas Altstaedt sein Publikum mit auf eine Reise durch mehrere Jahrhunderte der Cello-Literatur.

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Nicolas Altstaedt, was reizt Sie daran, Artist in Residence zu sein?

Die Konzerte

Nicolas Altstaedt im Konzert

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Altstaedt: Das sind verschiedene Dinge. So eine Residenz bietet die Möglichkeit, meine eigenen Interessen in einer großen Bandbreite auszuleben und mich von verschiedenen Seiten zu zeigen. Außerdem kommt man dann nicht bloß für ein Gastspiel zum Orchester, sondern kann mit den Kollegen eine ganz andere Beziehung entwickeln. Man kann mehr gemeinsam ausprobieren und in die Tiefe gehen.

Sie waren bisher zweimal beim NDR Elbphilharmonie Orchester zu Gast: 2016, bei ihrem Debüt, mit dem Cellokonzert von Henri Dutilleux und dann Anfang 2017, kurz nach der Eröffnung der Elbphilharmonie, bei den "Konzerten für Hamburg" mit dem C-Dur-Konzert von Joseph Haydn. Wie haben Sie diese Begegnungen in Erinnerung?

Altstaedt: Man kriegt eigentlich immer in der ersten Probe mit, ob ein Funke überspringt oder nicht. Beim NDR Elbphilharmonie Orchester habe ich sofort sehr offene Ohren und einen offenen Geist gespürt, das hat viel Freude gemacht. Es ist schön, wenn man so warm aufgenommen wird. Und natürlich war es auch spannend, so kurz nach der Eröffnung gleich im neuen Saal zu spielen.

Dorthin werden Sie in der kommenden Saison mehrfach zurückkehren. Was erwartet die Konzertbesucher, welche Werke haben Sie für ihre Residenz beim NDR Elbphilharmonie Orchester ausgewählt?

Altstaedt: Es geht mit dem Cellokonzert von Witold Lutosławski los, das zu den größten Cellokonzerten des 20. Jahrhunderts gehört. Das liegt mir sehr am Herzen - und es bot sich auch deshalb an, weil Krzysztof Urbański dirigiert und ihm die Musik von Lutosławski besonders nahe ist.

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Außerdem wollte ich unbedingt ein neues Werk in Auftrag geben, weil ich es wichtig finde, als Musiker der Gegenwart auch die Kreativität der Komponisten von heute zu fördern. Deshalb habe ich Sebastian Fagerlund angesprochen, einen finnischen Komponisten, dem ich in Helsinki und Amsterdam begegnet bin. Ich hatte mehrere Stücke von ihm gehört, und weil ich vor allem von seinem Violinkonzert begeistert war, habe ich gefragt, ob er ein Cellokonzert schreiben würde. Inzwischen ist er mittendrin, die Uraufführung gib's im Februar 2019. Danach spiele ich zum Abschluss der Residenz noch unter der Leitung von Christoph Eschenbach das Erste Cellokonzert von Schostakowitsch.

Die Vorliebe für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts ist aber nur eine Facette des Cellisten Nicolas Altstaedt ...

Altstaedt: Das stimmt. Mit dem Ensemble NDR Barock werde ich auch Konzerte des 18. Jahrhunderts aufführen, darunter Werke von Antonio Caldara und Antonio Vivaldi. Außerdem spiele ich im Juli dann noch Solosuiten von Johann Sebastian Bach.

Ihr Repertoire reicht von Bach bis zur zeitgenössischen Musik, von der Solosuite bis zum großen Konzert. Diese Offenheit für ganz unterschiedliche Besetzungen und Stile - die sich ja auch darin spiegelt, dass Sie die Alte Musik mit einem barocken Bogen und Verständnis aufführen - gehört zu ihren Markenzeichen. Auch wenn Sie als Intendant des Kammermusikfestivals in Lockenhaus neue Programmideen erkunden. Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen ihrer Offenheit und der Tatsache, dass Sie zweisprachig aufgewachsen sind? Fällt es dem Kind einer französischen Mutter und eines deutschen Vaters leichter, sich auf neue Welten einzulassen?

Altstaedt: Ich glaube schon, dass es von Vorteil ist, wenn man mehrsprachig aufwächst, weil es ganz selbstverständlich zum Leben dazu gehört, sich in verschiedene Mentalitäten hineinzufühlen. Aber die Neugier habe ich wahrscheinlich vor allem von meinem Vater geerbt, einem sehr kulturinteressierten Arzt. Er liebt die Kunst, Literatur und Musik und hat diese Leidenschaft auf uns Kinder übertragen. Wir sind viel zusammen ins Konzert gegangen, und ich hatte in Gütersloh, wo ich aufgewachsen bin, auch das Glück, ein sehr breites Angebot kennenzulernen und schon früh viele großartige Interpreten und Komponisten der zeitgenössischen Musik zu hören.