Stand: 11.09.2017 10:00 Uhr

Christoph Liebold

Bass | beim NDR Chor seit September 2009

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Mein erstes prägendes Musikerlebnis:

Die Eröffnung der Neuen Leipziger Messe Mitte der 90er-Jahre mit Bundespräsident Roman Herzog. Ich war noch ein kleiner Junge und von Wagners "Meistersingern", die wir zur Eröffnung aufführten, total begeistert - sang ich bis dato doch hauptsächlich geistliche Musik von Schütz und Bach.

Besonders prägend war aber auch, wenn mein Vater die Sarastro-Arien aus Mozarts Zauberflöte einstudierte - oder das allabendliche Klavierspiel meiner Mutter, zu dem ich als Kind häufig einschlief ...

Mein Weg zum NDR Chor:

Nachdem ich mit fünf Jahren meinen ersten Klavierunterricht bei meiner Mutter und wenige Jahre später auch Gesangsunterricht bei meinem Vater erhalten hatte, ging es mit zehn Jahren nach Leipzig zum Thomanerchor. Hieran schloss sich ein Gesangsstudium in Lübeck bei den Professoren Einhaus und Leyhe an, auf das ich von Professor Kretschmar in Detmold vorbereitet wurde. Dieser ist bis heute mein wichtigster musikalischer Berater, und ich habe ihm sehr viel zu verdanken.

Auch wenn sämtliche mich begleitende Lehrer versuchten, mich zur Oper zu bewegen ("Du gehörst auf die Bühne!"), war für mich recht früh klar, dass ich eine solche Vielfalt an Konzerten mit unterschiedlichsten Dirigenten (inklusive reichhaltiger Film- und Tonproduktion) im Opernbetrieb niemals erleben würde. Umso mehr freute ich mich, als es beim Vorsingen für eine feste Stelle beim NDR Chor klappte. Schließlich ist das Chorsingen auf so hohem Niveau genau das, was mir schon immer Freude bereitet hat und wo ich mich zu Hause fühle.

Deshalb bin ich sehr dankbar (gerade im Vergleich mit freien Ensembles, welche mir auch nicht fremd sind und wo die Unwägbarkeiten doch erheblich höher sind), seit September 2009 als festes Ensemblemitglied des NDR Chores in meinem geliebten Norden singen zu dürfen.

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Marionette Mario bezirzt Christoph Liebold, der hier ein NDR Familienkonzert mitgestaltet.

Schon in frühen Studienjahren war es mir zudem wichtig, eine so bereichernde und gesunde Tätigkeit wie das Singen an Kinder und Jugendliche zu vermitteln, denn die Jugend ist unsere Zukunft und nicht zuletzt das Konzertpublikum von morgen. Bedauerlicherweise hat Musik - insbesondere der klassische Gesang - in unserer Gesellschaft (inklusive der Schulen!) schon lange nicht mehr den Stellenwert, den sie eigentlich haben sollte - ganz im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern insbesondere in Skandinavien und dem Baltikum. Als jemand, der das Glück hat, eine solche Stelle beim NDR innezuhaben, halte ich es geradezu für eine Pflicht, auch pädagogisch tätig zu sein. So kam es 2012 zur Gründung des Nordelbischen Knabenchores, den ich seitdem größtenteils ehrenamtlich leite und mit dem wir jährlich, neben Gottesdiensten und kleinen Gastspielen, zwei große Projekte realisieren.

Mein außergewöhnlichstes Auftrittserlebnis:

Das war wahrscheinlich unser Auftritt beim Abschluss des 27. Kirchentages im alten Leipziger Zentralstadion 1997, zu welchem wir wie Fußballer durch den dunklen Spielertunnel hinaus aufs Spielfeld traten. Dort in der Mitte dieses riesigen Stadions von 100.000 Menschen empfangen zu werden, das war ein unglaublich intensives Erlebnis.