"Hymnen und Gebete" in Lüneburg

Die St.-Johannis-Kirche prägt mit ihrem windschiefen Turm das Bild der Lüneburger Innenstadt.

Geistliche Werke standen im Mittelpunkt beim A-cappella-Konzert des NDR Chores in der Lüneburger St.-Johannis-Kirche. Es erklangen Hymnen aus dem Osten: aus dem ehemaligen Sowjetreich und insbesondere dem Baltikum. Die Leitung hatte Sigvards Kļava, Chefdirigent des Lettischen Rundfunkchors.

Sa, 23.02.2019 | 19.30 Uhr
Lüneburg, St.-Johannis-Kirche (Bei der St.-Johannis-Kirche 2)

Sigvards Kļava Dirigent
NDR Chor

GEORGY SWIRIDOW
Hymnen und Gebete
VYTAUTAS BARKAUSKAS
Stabat Mater
ARVO PÄRT
Sieben Magnificat-Antiphonen
ĒRIKS EŠENVALDS
A Drop in the Ocean
PĒTERIS VASKS
Botschaft der Meise

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Die Suche nach dem Göttlichen

"Ich möchte die Seele eines Vogels zeigen - falls sie denn eine Seele haben", nahm der lettische Komponist Pēteris Vasks sich vor. In "Botschaft der Meise" sucht er in ätherischen Clustern nach dem Göttlichen in der Natur - und nach der Freiheit, die das Sowjetregime unterdrückte.

Der Russe Georgi Swiridow schrieb seine geistlichen Kompositionen allein für sich. Sie kamen erst an die Öffentlichkeit, nachdem der Kommunismus beendet war. Anders als sein Lehrer Schostakowitsch stellt Swiridow die Tonalität nicht infrage - und so scheinen seine "Hymnen und Gebete" der längst vergangenen Zeit des russischen Kaiserreiches zu entsteigen.

Musikalische Zeitreise

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Sigvards Kļava (l.), einer der bemerkenswertesten Dirigenten Lettlands, im Gedankenaustausch mit Estlands berühmtem Komponisten Arvo Pärt.

Vytautas Barkauskas wiederum verbindet Religion sehr offen mit politischer Kritik, er klagt in seinem "Stabat Mater" um die im Freiheitskampf leidende litauische Heimat. Die Klage der Mutter Gottes wird hier zum Synonym für ungerechtfertigtes Leid.

Auch in den Chorälen Ēriks Ešenvalds‘ und Arvo Pärts dreht sich alles um die Anrufung Gottes: In "A Drop in the Ocean" erzeugen avantgardistische Mittel wie Atmen, Pfeifen und geraunte Gebete eine mystisch aufgeladene Atmosphäre, deren Stimmung von der meditativen Ruhe rasch ins Extrem umschlagen kann.

Die in deutscher Sprache verfassten "Sieben Magnificat-Antiphonen" Arvo Pärts lassen hingegen die Klangwelt des Mittelalters wiederaufleben.