Stand: 18.10.2016 17:47 Uhr

Brisante Momente der Musikgeschichte

Folge 6: "1945 - Neue Musik für eine neue Welt"

Es waren die Amerikaner, die mit ihrem allumfassenden Konzept der Umerziehung schon in den ersten Monaten nach Kriegsende auch die deutsche Musikkultur wieder aufleben ließen. Großzügig gefördert, aber streng überwacht, fanden Orchester sich wieder zusammen, entstanden Konzertreihen, nahmen Opernhäuser ihren Betrieb wieder auf. Die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik waren der kreative Motor dieses musikalischen Neubeginns. Die dortigen Akteure prägten die Musik des Nachkriegsdeutschlands über Jahre. So entstand im geschützten Raum üppiger Subventionen Musik, die Neuanfang und Moderne lebte, die den Glauben an immerwährenden Fortschritt und grenzenlose Freiheit verkörperte, die sich von ihrem Publikum aber deutlich abwandte.

Folge 7: "Das Musikalische ist politisch - Die Avantgarde der 68er"

Als hoffnungslos mit der Bourgeoisie verbandelt betrachten ihn die einen, als gefährlichen Kommunisten sehen ihn die anderen. Hans Werner Henze saß von Beginn seiner Komponistenlaufbahn an zwischen den Stühlen. Schon früh hat er sich gegen das Diktat der Avantgarde gewehrt, ging seine eigenen musikalischen Wege. Vom fernen Italien beobachtet Henze die Konflikte der 60er-Jahre in Deutschland. Die Welt der sozialistischen Revolutionäre fasziniert ihn. Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke lädt er den Studentenführer zur Genesung in seine römische Villa ein. Nicht verwunderlich also, dass die konservative deutsche Presse Henze nicht mit Jubel empfängt, als der NDR den Komponisten nach Hamburg lädt, zur Uraufführung seines Oratoriums "Das Floß der Medusa". Dass die Veranstaltung aber durch ein Einsatzkommando der Polizei im Tumult beendet wird, das hatte man nicht erwartet.

Folge 8: "Johannes Brahms Triumphlied"

1870, als Kaiser Wilhelm noch König ist, tanzt das deutsche Volk im Siegestaumel: Der französische Erbfeind bei Sedan ist geschlagen, die Preußen und der Norddeutsche Bund suchen den Schulterschluss mit den süddeutschen Staaten. Die Zeit des großen Deutschlands scheint gekommen. Wie selbstverständlich ergeht man sich in feurigem Nationalismus. Auch die Komponisten entdecken die Deutschtümelei und verdichten sie zu Kaisermärschen und Bismarckhymnen. Der Hamburger Johannes Brahms trägt von Österreich aus seinen Teil zum Teutonentaumel bei: Er komponiert sein Triumphlied, das für die Jahre der Kaiserzeit eines seiner populärsten Werke bleiben soll.

Folge 9: "Franz Schuberts Winterreise und die Ästhetik des Widerstands"

Ein Wanderer verlässt seine Geliebte, trottet durch trostlose Winterlandschaften und träumt vom Frühling. Blickt man flüchtig, hört man in Franz Schuberts Winterreise, die er 1827 ein Jahr vor seinem Tod komponierte, eine melancholische Erzählung von enttäuschter Liebe. Taucht man tiefer ein in Schuberts Leben und seine Zeit, dann zeigt sich, was hinter seiner Vertonung der Gedichte von Wilhelm Müller steckt. Die subtile Gesellschaftskritik eines revolutionären Träumers, der sich den Zwängen und der Zensur seiner Zeit widersetzt.

Folge 10: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in Beethovens Sinfonien"

Die Französische Revolution stellte nicht nur die Verhältnisse in Frankreich auf den Kopf, sie strahlte auch in die Gesellschaften des übrigen Europas. Ludwig van Beethoven gehörte schon als Jugendlicher zu jenen, die begeistert beobachteten, was sich in Frankreich tat. Dementsprechend groß war seine Verbitterung, als er beobachten musste, dass mit Napoleon nur ein weiterer Tyrann an die Macht kam. Hoffnung, Sehnsucht und Enttäuschung - Beethovens Musik spiegelt die Verhältnisse seiner Zeit. Als einer der ersten unabhängigen Komponisten der Musikgeschichte weist er nicht nur durch seine Musik, sondern auch als Künstlerpersönlichkeit weit in die Zukunft.

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NDR Kultur Wissen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur Wissen | 01.11.2016 | 09:20 Uhr