Stand: 19.09.2019 19:32 Uhr

Ich bin echt genervt

von Stephanie Pieper

Unsere Kolumnistin Stephanie Pieper ist in dieser Woche genervt - vom Herbsteinbruch, von ihrer Erkältung, von der kaputten Büro-Spülmaschine, und noch von einigen anderen Dingen mehr.

Stephanie Pieper leitet bei NDR Kultur die Hauptredaktion "Kulturelles Wort" in Hannover.

Das Auktionshaus Sotheby’s will am 3. Oktober ein riesiges Gemälde von Banksy versteigern - jenem Künstler, der für seine Street Art und für das geschredderte Bild des Mädchens mit dem Luftballon berühmt ist. Und dafür, dass kaum jemand weiß, wer er wirklich ist. Das zehn Jahre alte Banksy-Werk zeigt das britische Unterhaus von innen - allerdings besetzt nicht mit menschlichen Abgeordneten, sondern mit Schimpansen. Vielleicht würde eine Gruppe von Schimpansen den nervigen Brexit besser auf die Reihe kriegen als der Homo sapiens.

So schlecht war Theresa May doch nicht

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Unsere Kolumnisten lassen die Woche mit ihren Kulturthemen Revue passieren und erzählen, was sie aufgeregt hat. Persönlich, kritisch und gern auch mit ein wenig Bösartigkeit gespickt. mehr

Ich bin genervt, das wird niemanden überraschen, von Boris Johnson - ein Hallodri sondergleichen, dem das Schicksal seiner Landsleute völlig wurscht zu sein scheint. Ich bin aber auch genervt von David Cameron, der sich in dieser Woche mit seinen politischen Memoiren zurückgemeldet hat. Das hätte er besser bleiben lassen sollen. Will wirklich jemand ausgerechnet von ihm hören, dass sich "BoJo" damals nur aus Karrieremotiven ins Brexit-Lager geschlagen hat? Und dass ein zweites Referendum womöglich unvermeidlich ist? Er ist der Allerletzte, der seinen Senf dazugeben sollte. Es soll vielmehr Menschen geben, die Cameron am liebsten auf der Anklagebank des Internationalen Strafgerichtshofs sähen - weil er so verwegen war, den Briten ein in/out-Referendum über die EU-Mitgliedschaft zu versprechen und das dann auch durchzuziehen. Nur um seine innerparteilichen Gegner in Schach zu halten. Das hat ja wunderbar funktioniert. Sooooooooo schlecht war Theresa May, von der ich zugegeben auch oft genervt war, vielleicht doch nicht als britische Premierministerin. Selbst in Brüssel weint man ihr mutmaßlich eine Träne nach.

Hin- und Hergerissen von Greta Thunberg

Ich bin aber dieser Tage auch genervt von Greta Thunberg. Von ihrem Segeltrip nach New York. Von ihren Auftritten vor dem Weißen Haus und im US-Kongress. Von ihrer Auszeichnung durch Amnesty International. Von ihrem Treffen mit Barack Obama. Von dem ganzen Hype um sie. Kann diese 16-jährige Schülerin all die Erwartungen, die in sie gesetzt werden, erfüllen? Wird sie daran zerbrechen? Hoffentlich nicht. Vielleicht bin ich genervt von ihr, weil sie mich an mein eigenes Nichtstun erinnert. Denn natürlich bin ich zugleich hingerissen von Greta und dem, was sie binnen eines Jahres erreicht hat - wie der heutige Freitag mit seinen weltweiten "Fridays for Future"-Protesten zeigt. Ich bin aber auch genervt von all den plötzlich ach-so-klimabewussten, grün wählenden, beruflichen und privaten Vielfliegern hierzulande - die nun all jenen Menschen, die weniger Geld haben als sie selbst, ihren mühsam angesparten Mallorca-Urlaub miesmachen wollen. Geht's noch?

Die erregte Debatte um die SUVs

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Am SUV scheiden sich die Geister

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Der Streit um SUVs nimmt in Deutschland langsam quasi-religiöse Formen an. Darf man noch einen SUV besitzen und ihn sogar fahren? Udo Schmidt sucht in der Glosse nach Antworten. mehr

Ich bin indes ebenso genervt von den spritschluckenden SUVs, diesen tonnenschweren Stahlkarossen, die mich auf dem Rad dicht überholen; die sich durch den Verkehr wälzen, als gehöre der öffentliche Straßenraum einzig und allein ihnen; die für Unfälle mit verheerenden Folgen mitverantwortlich sind. Ich bin aber auch genervt von der erregten Debatte um eben diese SUVs. Dass die sich so prächtig verkaufen, ist schließlich nicht allein die Schuld der deutschen Autoindustrie - sondern auch derjenigen, die sich für diese Vehikel entscheiden. Und man wird doch darauf verweisen dürfen, dass hunderttausende Arbeitsplätze in Deutschland an der Herstellung auch dieser umstrittenen Fortbewegungsmittel hängen - ohne gleich als Auto-Lobbyistin beschimpft zu werden. Oder wie würden selbstgerechte Klimaschützer wohl reagieren, wenn durch Klimaschutzmaßnahmen auf einmal ihr eigener Job gefährdet wäre?

So, nun habe ich Sie, liebe Leserinnen und Lesrer, genug genervt. Zum Glück läuft seit gestern "Downton Abbey" im Kino - das Herz-Schmerz-Upstairs-Downstairs-Drama über das Leben des englischen Landadels und seiner Bediensteten in den 1920er-Jahren, als die Welt vermeintlich noch in Ordnung war. Wenigstens ein Lichtblick am Ende dieser nervigen Woche.

Stephanie Pieper © NDR/ Foto: Christian Spielmann

NachGedacht: Ich bin echt genervt

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Unsere Kolumnistin Stephanie Pieper ist in dieser Woche genervt - vom Herbsteinbruch, von ihrer Erkältung, von der kaputten Büro-Spülmaschine, und noch von einigen anderen Dingen mehr.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NachGedacht | 20.09.2019 | 10:20 Uhr