Stand: 27.04.2020 10:17 Uhr

Die Computerspielmacher von morgen

von Anina Pommerenke

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Am 27.4. sollte die Preisverleihung zum Deutschen Computerspielpreis im Löwenbräukeller in München stattfinden. Aufgrund der aktuellen Lage ist die Veranstaltung natürlich abgesagt und wird nun ausschließlich im Internet stattfinden. Hoffnung auf eine Auszeichnung im Nachwuchsbereich darf sich auch eine Gruppe aus Hamburg machen.

Eine junge Frau sitzt an einem Computer-Arbeitsplatz und zeichnet auf einem Tablet. © NDR
In Hamburg kann man den Master staatlich finanziert absolvieren. Das zieht auch Nachwuchstalente wie Nadja Clauberg an. Sie hat alles Visuelle für das Spiel gestaltet.

Das Gameslab der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg ist eine kreative Spielwiese der Computerspielmacher von morgen. Weiße- und orangefarbene Kabel hängen von der unverkleideten Decke. Neben zahlreichen Arbeitsplätzen und Bildschirmen gibt es eine Couch-Ecke zum Zocken mit großem Fernseher. Hier hat das fünfköpfige Team hinter dem Computerspiel "Wild Woods" neun Monate lang an seinem "Baby" gearbeitet.

"Die Geburtsstunde war, als wir es zum ersten Mal bei der Abschlusspräsentation in der Uni gezeigt haben", sagt Nadja Clauberg lachend. Sie hat sich bei dem Computerspiel um alles Visuelle gekümmert. Sie hat die Figuren und die Umgebung entwickelt und gezeichnet. Eine Aufgabe, die in die allererste, besonders kreative Phase bei der Entwicklung eines Computerspiels fällt: "Unser Ziel war es, dass Leute zusammen spielen können und nicht gegeneinander. Was alle ein bisschen zusammen bringt. Nicht dass das nur Gamer ganz viel zocken, wir wollten, dass Eltern das mit ihren Kindern oder die mit ihren Geschwister spielen können."

Die Entwicklung des Computerspiels "Wild Woods"

Ein junger Mann sitzt vor einem Fernseher und und spielt mit einem Controller das Computerspiel "Wild Woods". © NDR Foto: Annina Pommerenke
Marcus Meiberg hat "Wild Woods" programmiert. Er möchte sein Hobby zum Beruf machen und schätzt die Möglichkeit, sich interdisziplinär auszuprobieren.

Bei "Wild Woods" verkörpern ein bis vier Spieler Katzen, die im Team mit einem Planwagen durch einen Wald fahren und sich nachts gegen Feinde verteidigen müssen. Bis der in zehn Minuten durchspielbare Prototyp fertig war, hat das Team viele Ideen getestet und wieder verworfen: "Tatsächlich hat es super lang gedauert zu entscheiden, welche Tiere wir nehmen. Wir hatten erst Vögel, dann hat uns aber jemand gesagt: 'Leute lieben keine Vögel...' Was lieben Leute? Katzen! Jeder liebt Katzen und plötzlich hatten wir Katzen."

Programmierer Marcus Meiberg beobachtet besonders gerne die Reaktionen der Spielerinnen und Spieler auf "Wild Woods". Auf der Gamescom konnte das Team mit dem Prototypen schon punkten: "Das ist halt immer super schön, vor allem, wenn dann auch Leute fragen, wie es weiter geht, was denn als nächstes kommt - das freut einen dann auch, dass man etwas richtig gemacht hat."

Neun Monate interdisziplinäre Arbeit

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Für die Entwicklung eines Computerspiels sind ganz unterschiedliche Qualifikationen gefordert. Die Studierenden können sich auf unterschiedlichen Feldern ausprobieren, zum Beispiel beim Programmieren oder Entwickeln der Regeln für ein Spiel, erklärt Eric Massenberg: "Videospiele sind vom Prinzip her das interdisziplinärste Medium, was es so gibt. Wir haben alle bisher dagewesenen Medien zusammengepresst. Wir haben Musik drin. Wir haben Storytelling, Geschichten, Texte. Wir haben Video und Szenerie. Es ist irgendwie alles vertreten, um ein rundes Gesamtbild zu schaffen."

Die Nominierung für den Deutschen Computerspielpreis

Drei Studierende der HAW Hamburg sitzen vor einem Fernseher und schauen auf das Startbild des Computerspiels "Wild Woods". © NDR Foto: Annina Pommerenke
Die Nähe zur Industrie ist in der Computerspielestadt Hamburg von Vorteil für die Studenten, weil es viele Möglichkeiten für Praktika und zum Kontakteknüpfen gibt.

Fünf Studierende, neun Monate Arbeit - für zehn Minuten Spielzeit. Den Prototypen von "Wild Woods" haben seit vergangen Juli schon 13.000 Menschen heruntergeladen. Um das Spiel nun weiter zu entwickeln, brauchen die Computerspielmacher von morgen Geld: 25.000 Euro bekommen sie für die Nominierung beim Deutschen Computerspielpreis - wenn sie gewinnen sogar 35.000 Euro.

"Der Deutsche Computerspielpreis ist der größte Preis der Branche. Für gewöhnlich geht der eher an größere Studios - also ist es für uns eine riesengroße Ehre, dass wir da jetzt als Studententeam dabei sind", sagt Eric. Der Preis ist somit eine riesige Chance - für die weitere Finanzierung und um sich der Branche zu zeigen.

Links
Wild Woods Computerspiel © WildWoods

Wild Woods

Auf dem Computerspiel-Portal "itch.io" finden Sie alle Informationen rund um das Spiel "Wild Woods". extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 27.04.2020 | 06:40 Uhr

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