Stand: 11.01.2019 18:22 Uhr

Nicolas Altstaedt: Residenzkünstler mit Ideen

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Nicolas Altstaedt ist 2018/2019 als Residenzkünstler in der Elbphilharmonie zu Gast.

Der deutsch-französische Cellist Nicolas Altstaedt ist in der Saison 2018/19 als Residenzkünstler in der Elbphilharmonie zu Gast. Der neue Status gibt ihm die Möglichkeit, mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester eine intensive musikalische Beziehung aufzubauen. Altstaedt ist ein energetischer junger Künstler, der sich durch einen enormen Facettenreichtum und eine große Offenheit auszeichnet.

So präsentiert er in der laufenden Saison sowohl Werke zeitgenössischer Künstler als auch Musik des 18. Jahrhunderts. Neben seinen solistischen Auftritten ist Altstaedt als Dirigent aktiv und Professor an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin, außerdem Künstlerischer Leiter beim Lockenhaus Kammermusikfest.

Herr Altstaedt, ich habe die Chance gehabt, Sie auf der Bühne zu erleben und muss sagen, dass Sie ein Vollblutmusiker sind und eine sehr starke Präsenz auf der Bühne haben. Musik ist schon ein Lebenselixier für Sie, oder?

Nicolas Altstaedt: Ja, muss. Das ist die Form, in der ich lebe und in der ich mich ausdrücke. Die Bühne muss immer das Zuhause sein, das Wohnzimmer, wo die Leute hinkommen, wo man das Publikum einlädt. Auf der Bühne muss man einfach leben und da sein, es darf keine Hemmung oder Zweifel geben; man muss das, was man auf der Bühne tut, voll ausleben. Das ist das, wofür man sich als Musiker entschieden hat.

Screenshot: Nicolas Altstaedt in der Umkleide der Cellisten in der Elbphilharmonie © NDR Foto: Screenshot

"Ich will teilen, was mich beglückt"

Während seiner Residenz beim NDR Elbphilharmonie Orchester nimmt Cellist Nicolas Altstaedt sein Publikum mit auf eine Reise durch mehrere Jahrhunderte der Cello-Literatur.

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Die Authentizität, dass man sich auch selber dort durch die Musik zum Ausdruck bringt?

Altstaedt: Ja, man ist quasi nackt mit der Musik, man stellt sich immer in den Dienst der Musik. Man ist eigentlich nicht Performer, sondern man hört zusammen dieser Musik zu, mit dem Publikum geht man zusammen durch die Partitur. Man selbst ist dann so eine Art Medium. Aber man ist auf der Bühne sehr verletzlich; seelisch ist es eine Entblößung auf der Bühne.

Das NDR Elbphilharmonie Orchester ist ein Orchester, was Sie auch vor ihrer Residenz schon kannten. Was mögen Sie an dem Orchester, was zeichnet Ihre Zusammenarbeit mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester aus?

Weitere Informationen
NDR Elbphilharmonie Orchester

"Musik ist die subtilste Form von Kommunikation"

NDR Elbphilharmonie Orchester

Er gehört zu den gefragtesten Cellisten seiner Generation: Nicolas Altstaedt. In der Saison 2018/2019 kommt er als Artist in Residence zum NDR Elbphilharmonie Orchester. mehr

Altstaedt: Ich finde, es ist ein sehr offenes Orchester und ein sehr junges, vitales und auch freundliches Orchester. Ich war sehr überrascht, als wir im Dezember das Konzert mit italienischer Barockmusik hatten, wie versiert alle umgeschaltet haben, wie die Leute sich auch mit historischer Aufführungspraxis beschäftigen. Alle kamen mit alten Instrumentarium auf Darmsaiten und man hatte das Gefühl, sie sprechen diese Sprache, beschäftigen sich damit und leben diese Musik auch. Das ist selten, dass man bei einem Rundfunk-Sinfonieorchester eine große Gruppe hat, mit der man so ein Konzert und so ein Programm zusammenstellen kann. Dass man sich mit Ornamentik, mit Verzierungen und mit der Stilistik beschäftigt, dass die Leute darin so kundig sind und diese Musik auch so toll spielen können. Diese Neugierde und diese Offenheit zeichnet das Orchester aus. Es ist erstaunlich: Auch nach einem Konzert, in den Gesprächen, merkt man, dass sie neue Wege gehen wollen, dass sie sich mit Neuer Musik und mit Alter Musik beschäftigen. Sie wollen aus jedem Standard raus - und das finde ich sehr bewundernswert.

Fühlt sich der Saal der Elbphilharmonie für Sie inzwischen so richtig gut an, fühlen Sie sich dort richtig wohl?

Altstaedt: Ich habe mich von Anfang an von der Atmosphäre her sehr wohl gefühlt. Ich hab bis jetzt hauptsächlich im Großen Saal gespielt, im Dezember einmal im Kleinen Saal. Ich finde den Großen Saal ganz fantastisch von der Intimität. Ich finde, es gibt sehr selten Große Säle, die eine Intimität ausstrahlen, wo man so persönlich spielen kann und wo das Publikum so an einen Künstler oder an die Musik herangezogen werden kann. Ich finde, der Saal hat sich auch sehr entwickelt. Ich hatte das Glück, gleich zu Beginn, im Januar 2017, Haydn-Konzerte dort zu spielen - da fühlte er sich noch frisch an. Und schon ein halbes Jahr später kam ich wieder, und er war viel wärmer geworden - was auch völlig natürlich ist. Ein Saal, der neu gebaut ist, mit neuem Holz, neuer Lackierung, Kleber usw. - das klingt natürlich ein bisschen hart am Anfang. Dann laufen dort innerhalb eines halben Jahres tausende von Menschen durch, er wird bespielt, das Holz fängt an zu schwingen, und so ein Saal wird mit der Zeit - wie auch ein Streichinstrument - immer besser, er entwickelt sich. Ich finde, er hat diese Wärme in der Zeit bekommen, ich finde, das ist ein tolles Haus.

Das Gespräch führte Friederike Westerhaus

Cellist Nicolas Altstaedt  Foto: Marco Borggreve

Das komplette Gespräch zum Nachhören

NDR Kultur - Klassik à la carte -

Die Elbphilharmonie hat mit dem Cellisten Nicolas Altstaedt ein Ausnahmetalent für die laufende Saison verpflichtet. Eine Zwischenbilanz des Residenzkünstlers.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassik à la carte | 14.01.2019 | 13:00 Uhr