Hörspiel

Hörspielpreis der Kriegsblinden 2020: AUDIO.SPACE.MACHINE

Mittwoch, 24. Juni 2020, 20:00 bis 21:06 Uhr

Audio.SPace.Machine, Bauhaus 100, Wittmann, Zeitblom © Martin Walz

Hörspielpreis der Kriegsblinden 2020: AUDIO.SPACE.MACHINE

NDR Kultur - Hörspiel -

Die Hörspielmacher wittmann/zeitblom erforschen das idealistische, utopische Denken der Bauhaus-Bewegung, ihre Mythen und Manien - und schlagen die Brücke ins Heute.

Das Hörspielduo wittmann/zeitblom erhält für ihr Hörspiel zum „Bauhaus 100“-Jubiläum den Hörspielpreis der Kriegsblinden, den wichtigsten Preis für Radiokunst im deutschsprachigen Raum.

"'Audio. Space. Machine' ist […] kein historisches Stück. Es ist brandaktuell: Indem sie den vergangenen Stoff in unsere Zeit fortschreiben, geben wittmann/zeitblom uns ein Werkzeug an die Hand, mit dem wir, im Rückblick auf Geschehenes, unsere Zukunftsmöglichkeiten durchdenken können." – so die Jury des Hörspielpreises der Kriegsblinden zum Siegerstück, einem "Bauhaus-Konzeptalbum". Die Koproduktion von Deutschlandfunk, NDR Kultur und SWR 2 erkundet das idealistisch-utopische Denken der Bauhaus-Künstler, deren Texte mit zeitgenössischen Autoren und Materialien kombiniert werden. Ein Klangerlebnis, das die Grenzen der Kunstform Hörspiel signifikant erweitert.

100 Jahre Bauhaus. Der ehemalige Direktor Walter Gropius braucht eine Festrede. Er trifft Moholy-Nagy, Mies van der Rohe und andere Weimarer Kollegen auf der Suche nach Inspiration. Doch die Realisierung der Moderne hat nicht nur die Bauhaus-Ideen verändert. Selbst die Bauhaus- Künstlerfreunde scheinen nicht mehr aus Fleisch und Blut, sondern in der Maschinerie aufgegangen zu sein. Aber Gropius kämpft weiter für seine Idee: die unsterbliche Marke BAUHAUS!

Bild vergrößern
Das Hörspielduo Christian Wittmann und Georg Zeitblom.

In "AUDIO.SPACE.MACHINE" beleuchten die Autoren 100 Jahre Maschine-Mensch-Beziehung, das idealistisch-utopische Denken der Bewegung, ihre Mythen und Manien. Dafür schaffen sie ein mechanistisch-digitales Klanguniversum, assoziative Sound-Labore und kombinieren Texte von Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und weiteren Bauhaus-Künstlern der 20er Jahren mit Zitaten u.a. von John Cage, Bazon Brock und dem KI-Experten Martin Rees. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch als adaptiver Apparat, über den Laszlo Moholy-Nagy bereits 1920 sagte: Die Zukunft braucht den ganzen Menschen.

Vollständige Jurybegründung

"In besonders geglückten Momenten überschreitet das Hörspiel die Grenzen von Körper, Raum und Zeit. Dann zieht es sein Publikum mithilfe von Musik, Geräuschen, von zwingenden Rhythmen und den Timbres der SchauspielerInnen-Stimmen tief in einen unendlichen Erfahrungsraum. In einen, wo Gedanken, Gefühle und Intellekt nicht durch einen Bildschirm begrenzt werden, von dem sie vielleicht ermüdet abgleiten. Lange bevor die Coronakrise solche Ermüdungserscheinungen durch Rezeptionspsychologen erläutern ließ, haben wittmann/zeitblom mit ihrer künstlerischen Forschung zur Bauhaus-Bewegung einen lebendigen Radionerv getroffen. Basierend auf gründlichen Recherchen erzählen sie frei von verklärender Nostalgie den komplexen kulturellen Gründungsmythos der Moderne mit den tiefenwirksamen Mitteln des Hörspiels. In immer neuen Perspektiven besuchen sie den Moment der Weichenstellung für das heutige Verhältnis von Mensch und Maschine; für unsere Position im Öffentlichen, für die Rolle von Urbanistik und Design im Allgemeinen. Sie fügen die Konzepte und Glaubenssätze der Bauhäusler zu Dialogen und postumen Telefonkonferenzen und kleben ihnen auch selbstkritische Erkenntnisse ins Album: 'Wer möchte schon Hitler auf einem Freischwinger sehen?' Diese Frage verweist auf die problematische Nähe totaler Gesellschaftspläne zu nationalsozialistischen Vorstellungen. Neben den Theorien der Konkurrenten Johannes Itten und Walter Gropius führt das komische, als 'Bauhausfiction' eingeführte Videospiel 'Gropemon' in unsere Wirklichkeit. Akustisch wir das Konzeptalbum zusammengehalten, vorangetrieben und getragen von Rhythmus und Komposition, die durchgehend als gleichberechtigte Agenten der Analyse fungieren. Mit Humor und ohne in einer allwissenden Belehrungsperspektive zu erstarren, machen die Künstler konsequent erlebbar, wie viel der hochfliegenden Bauhauskonzeption im Heute zu finden ist.

Audio. Space. Machine. ist also kein historisches Stück. Es ist brandaktuell: Indem sie den vergangenen Stoff in unsere Zeit fortschreiben, geben wittmann / zeitblom uns ein Werkzeug an die Hand, mit dem wir, im Rückblick auf Geschehenes, unsere Zukunftsmöglichkeiten durchdenken können."

Mit Alice Dwyer, Elias Falk, Paul Herwig, Jacqueline Macauly, Leslie Malton, Lars Rudolph, Albrecht Schuch, Bernhard Schütz, Sabin Tambrea und Christian Wittmann
Konzept und Realisierung: wittmann/zeitblom
SängerInnen: Maria Goja, Gemma Ray, Christian Wittmann
MusikerInnen: Achim Färber (Drums), Maria Goja (Harmonium, Piano), Falk Breitkreuz (Bassklarinette), zeitblom (Electronics)
Technische Realisation: Boris Wilsdorf
Regieassistenz: Magdalena Schnitzler
Produktion: DLF/NDR/SWR 2019 in Zusammenarbeit mit IMF (Interactive Media Foundation) l 60 min.
Redaktion im NDR: Michael Becker

Podcast
Podcast

Hörspielpreis der Kriegsblinden 2020: AUDIO.SPACE.MACHINE

In 17 Modulen beleuchten die Hörspielmacher wittmann/zeitblom 100 Jahre Maschine-Mensch-Beziehung, das idealistisch-utopische Denken der Bauhaus-Bewegung, ihre Mythen und Manien. mehr

Weitere Informationen

NDR Radiokunst

Das Hörspiel- und Feature-Angebot des Norddeutschen Rundfunks. mehr

Hörspiele

Egal ob Krimi oder Komödie, Audioexperiment oder eine bewegende Story – hier finden Sie ein passendes Hörspiel für Ihre Stimmung. mehr