Hörspiel

Tram 83

Mittwoch, 19. Februar 2020, 20:00 bis 21:00 Uhr

Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Fiston Mwanza Mujila

"Das Tram 83 war einer der Schuppen mit dem größten Angebot. Sein Ruf reichte weit über die Grenzen von Stadtland hinaus. Tram 83 sehen und sterben, schwärmten die Touristen, die aus allen Ecken der Welt kamen, um hier Geschäfte zu machen. Tagsüber irrten sie wie Zombies durch ihre zahlreichen Minen und nachts landeten sie im Tram 83, um ihr Gedächtnis aufzufrischen."

Auf der dunklen Seite einer Millionenstadt

Fiston Mwanza Mujila: "Tram 83" (Buchcover) © Zsolnay Verlag
Mwanza Mujilas Roman "Tram 83", erschienen 2014 in Paris, und 2016 in deutscher Übersetzung, stand auf der Shortlist des Man Booker Preises 2015 und wurde 2017 mit dem Internationalen Kulturpreis des Hauses der Kulturen der Welt ausgezeichnet.

Ein Nachtclub irgendwo auf der dunklen Seite einer Millionenstadt in Afrika oder vielleicht auch in Europa, ein Paralleluniversum, in dem schon seit jeher die Gesetze der (post-kolonialen) Realität außer Kraft gesetzt sind. Hier spielen sich komplette Leben ab, und solange das Bier fließt, muss hier niemand erwachen. Lucien betritt diese Welt zum ersten Mal unter der Führung seines Freundes Requiem. Lucien kritzelt vor sich hin, versucht sich schreibend dem Tram 83 zu nähern, ein Stück, einen Roman oder Gedichte zu schaffen, um diesem Ort eine Literatur zu geben: "eine Art Bühnen-Epos, das dieses Land aus einer historischen Perspektive beleuchtet: 'Das Afrika der Möglichkeiten: Lumumba, der Engelssturz oder die Stößel-Mörser-Jahre'. In den Hauptrollen Che Guevara, Sékou Touré, Gandhi, Abraham Lincoln, Lumumba, Martin Luther King, Ceaușescu und nicht zuletzt der abtrünnige General."

Währenddessen ist sein Freund Requiem vor allem damit beschäftigt mit Single-Mami-Küken zu flirten, den großen Coup zu planen und alle vom einfachen amerikanischen Touristen bis zum abtrünnigen General zu erpressen. Die Diva der Eisenbahntrassen hofft auf eine Sprache der Liebe am Ende der Wörter und Mortal Kombat wundert sich über die grenzenlose Zuneigung der westlichen Welt zu ihren Hunden ...

 

"Es gibt keine Ruhe, keine Stille in der Tram-Welt."

"Tram 83" ist trotz aller Kongo-Bezüge ein fiktiver Ort, also keine Dokumentation einer afrikanischen Community, sondern der Traum einer Bar. Es sind nicht die einzelnen Geschichten, die im Vordergrund stehen. Das, was sowohl der Roman als auch das Schreiben Luciens im Roman, den Worten entlang aufeinanderfolgen lässt, vermischt sich im Hörspiel. Die Literatur verwandelt sich in Gesprächsfetzen, Geräusch, Melodie, Lärm, Rhythmus. Es gibt keine Ruhe, keine Stille in der Tram-Welt. Hier sitzt man mit einem trunkenen Tschechow-Doppelgänger am Tresen, lauscht auf das Schweigen des Beckett-Fanatikers in der von Hieronymus Bosch eingerichteten Bar am Ende der Welt. Joseph Conrad kommt auf einen Drink vorbei, verwandelt sich in einen Mamba Muntu, und schlussendlich marschiert die Armee ein.

Zum Autor

Fiston Mwanza Mujila wurde 1981 in Lumumbashi geboren und wuchs im Kongo, in Belgien und Frankreich auf. Seit 2009 lebt er in Graz, sein Stück "Zu der Zeit der Königinmutter" erlebte 2019 im Akademietheater des Burgtheaters Wien seine Uraufführung, Regie führte Philipp Hauß, der jetzt auch für die Hörspielumsetzung verantwortlich zeichnet.
Mwanza Mujilas Roman "Tram 83", erschienen 2014 in Paris, und 2016 in deutscher Übersetzung, stand auf der Shortlist des Man Booker Preises 2015 und wurde 2017 mit dem Internationalen Kulturpreis des Hauses der Kulturen der Welt ausgezeichnet.
"Tram 83" ist ein Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von
Fiston Mwanza Mujila. Aus dem Französischen von Katharina Meyer und Lena Müller.

Cast und Team

Mit Barbara Petritsch (Diva), Christoph Luser (Lucien), Peter Knaack (Malingeau), Daniel Lommatzsch (Requiem), Falk Rockstroh (der abtrünnige General), Mavie Hörbiger (Frau 1), Katharina Lorenz (Frau 2), Nany Mensah-Offei (Mortal Combat), Philipp Hauss (der Chef), Marta Kizyma (Kellnerin), Talula Bamforth (ein Kind)
Regie & Bearbeitung: Philipp Hauss
Musik: Thomas Kürstner und Sebastian Vogel
Ton: Anna Kuncio und Manuel Radinger
Produktion: ORF/NDR 2019 l 53 min.
Redaktion: Michael Becker

Weitere Informationen
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