Hörspiel

Die Maschine steht still

Mittwoch, 23. Mai 2018, 20:00 bis 21:35 Uhr

Kupferstich eines Glockenspiels. © Heritage-Images / London Metropolitan Archives (City of London) / akg-images

Hörspiel: Die Maschine steht still

NDR Kultur - Hörspiel -

E. M. Forster entwarf in seiner 1909 veröffentlichten Erzählung eine ferne Zukunft, die bereits dem "modernen" Heute gleicht. Das Leben der Menschen wird durch die "Maschine" perfekt geregelt. Felix Kubins Hörspiel befragt diese Prophezeiung. Produktion: NDR 2018. ndr.de/radiokunst

4,76 bei 134 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Ausgezeichnet mit dem ARD Online Award 2018

Hörspiel von Felix Kubin nach der gleichnamigen Erzählung von Edward Morgan Forster

Der Mechanismus eines Glockenspiels, St. Giles, Cripplegate, London, 18. Jahrhundert.

"1. Die Wissenschaft konvertiert zu einem allumfassenden Dogma, das behauptet, Organismen seien Algorithmen und Leben sei Datenverarbeitung.
2. Intelligenz koppelt sich vom Bewusstsein ab.
3. Nicht-bewusste, aber hochintelligente Algorithmen könnten uns schon bald besser kennen als wir uns selbst."

Mit diesen drei Thesen beendet Yuval Noah Harari "Homo Deus", sein 2015 erstveröffentlichtes Buch über unsere "Geschichte von Morgen". Harari beschreibt plastisch und plausibel jene Gefahren, wenn sich der Homo Sapiens so weit verändern wird, bis wir schließlich keine Menschen mehr sind. Wie kann der Mensch seine Selbstbestimmung wahren gegenüber Maschinen, die immer stärker unser Leben bestimmen? Was passiert, wenn die Weiterentwicklung von K.I. nicht mehr ihren Erzeugern obliegt, sondern von der Intelligenz selbst organisiert wird? Mehr als 100 Jahre vor Harari entwarf Edward Morgan Forster in "Die Maschine steht still" eine dystopische Welt in einer fernen Zukunft, die auf verblüffende Weise bereits dem "modernen" Heute gleicht:

Die Menschen leben in einer unterirdischen, abgekapselten Welt, mit allem Komfort. Ihr Alltag ist durch die Dienstleistungen der "Maschine" perfekt geregelt. Ohne das Bedürfnis nach persönlichen Begegnungen kommunizieren sie nur über elektronische Hilfsmittel, die maximal miteinander vernetzt sind. Alles Körperliche, alles Sinnliche wird durch synthetische Substitute ersetzt. Das Handbuch der Maschine ist zu ihrer Bibel geworden. Doch nach und nach geht das Wissen, das hinter der omnipotenten Technik steckt, verloren. Die dehumanisierte Menschheit ist gefangen in ihrer Abhängigkeit von einer denkenden Apparatur, die sie nicht mehr kontrollieren kann.

Bild vergrößern
Felix Kubin im NDR Hörspielstudio.

Der Hamburger Autor, Komponist, Musiker und Hörspielmacher Felix Kubin haucht der 1909 veröffentlichten, allegorisch-leichtfüßigen Prophezeiung neues Leben ein. Anders als E. M. Forster lässt Kubin die Maschine nicht nur summen, er verleiht ihr Stimmen und lässt sie in diesem Hörspiel eine klangliche Antwort auf ihre Konstrukteure, die Menschen, formulieren:

"Die Maschine als technologische Mutter muss an einem bestimmten Punkt ihre Parasiten abwerfen, um sie wieder in einen erwachseneren Zustand zu versetzen, sie zurück ‚in die Welt‘ zu werfen. Etwas, das für uns im Internetzeitalter sehr wichtig ist. In den 1960er- und 1970er-Jahren haben wir das Experiment mit dem Körper, der Sexualität, der Politik schon sehr weit getrieben. All das entwickelt sich gerade zurück und verkümmert. Das Leben im kuscheligen Caffè-Latte-Universum mit permanenter Musik-, Porno- und Filmversorgung (und Lieferservices) verhindert jede Auseinandersetzung mit der Welt draußen, die dann nur noch in Form von Explosionen auf sich aufmerksam machen kann." (Felix Kubin)

Dieses Hörspiel steht ein Jahr lang zum Nachhören und Download bereit.

Weitere Informationen

Science-Fiction für die Ohren

Bereits 1909 hat der britische Schriftsteller Edward Morgan Forster mit "Die Maschine steht still" ein düsteres Zukunftsbild beschrieben. Nun wird daraus ein Hörspiel. mehr

Mit Susanne Sachsse, Rafael Stachowiak, Achim Buch, Susanne Reuter, Bela Brillowska, Josef Ostendorf, Marina Galic, Hannes Hellmann, Anne Moll, Wolf-Dietrich Sprenger, Jörn Rüter, Johanna Mohr, Inka Rotzoll und Günter Kochan
Originaltext aus dem Jahr 1909: Edward Morgan Forster
Neuübersetzt aus dem Englischen: Gregor Runge (publiziert bei Hoffmann und Campe)
Bearbeitung, Songs, Komposition, Regie: Felix Kubin
Perkussion und Spezialeffekte: Steve Heather
Musikaufnahmen: Tobias Levin
Sprachaufnahmen: Nicole Graul und Dominik Blech
Regieassistenz: Eva Solloch
Künstlerische Assistenz: Felix Raeithel
Besetzung: Marc Zippel und Dagmar Titz
Dramaturgie: Michael Becker
Eine Produktion des Norddeutschen Rundfunks 2018 l 80 min.

Portal

NDR Radiokunst

Radiokunst entsteht, wenn packende Inhalte, Gefühl und Poesie, Politik und starke Töne in Hörspielen und Features zusammenkommen. mehr

Podcast
Podcast

NDR Hörspiel Box

Der Podcast zum Wegträumen und Wachwerden: Krimis und Klassiker, Literatur und Pop als Download. Alles in einer Box. mehr