Hörspiel

75 Jahre Kriegsende: Die Nutznießer

Mittwoch, 06. Mai 2020, 20:00 bis 21:30 Uhr

Bildrechte: Städtisches Museum Göttingen

Die Nutznießer

NDR Kultur - Hörspiel -

Gesine Schmidt hat zum Prozess der "Arisierung" in Göttingen recherchiert und Tausende Seiten von Akten, Protokollen und Zeitzeugenberichten für ein Hörspiel verdichtet.

Dramaturgin Gesine Schmidt hat für "Die Nutznießer" am Beispiel der niedersächsischen Stadt Göttingen untersucht, wie Antisemitismus zur Aussortierung jüdischer Mitbürger aus dem Alltag einer deutschen Stadt führte. Tausende Seiten von Akten, Protokollen und Zeitzeugenberichten hat sie zu einem Doku-Hörspiel verdichtet.

Antisemitische Tendenzen scheinen nie ganz zu versickern. Das ist erschreckend und zugleich eine fortwährende Mahnung sich der Mechanismen, die in der NS-Zeit zur Ausgrenzung, Vertreibung und planmäßigen Vernichtung der Juden in Europa geführt haben, bewusst zu werden.

Wie vollzog sich das Aussortieren jüdischer Mitbürger aus dem Alltag einer deutschen Stadt? Welche Rolle spielte die unmittelbare Umgebung bei der Umsetzung der nationalsozialistischen Ideologie und Gesetzgebung? Wie verhielten sich regionale Politik, Verwaltung, Sparkassen und die zuständigen "Ordnungshüter"? Welche Interessen spielten bei der fortschreitenden Entrechtung der jüdischen Bevölkerung eine Rolle? Auf welche Weise versuchten sich die Opfer bis zuletzt den immer drastischeren Zumutungen zu erwehren? Und: wer waren die Profiteure, die Nutznießer dieser "Arisierung"?

Die Familie Hahn und Göttingen

Auf den Spuren der Familie Hahn

Im März 1939 beschlagnahmten die Nazis die Silbersammlung des jüdischen Kaufmanns Max Hahn aus Göttingen. Sein Enkel sucht nun nach Spuren seiner Familie - und nach dem Silber. mehr

"Vater hat uns nie erzählt, was passiert ist"

Jonathan Hayden ist ein Enkel des von den Nazis ermordeten Max Raphael Hahn aus Göttingen. Im Interview erzählt er die bewegende Geschichte seiner Familie. mehr

Die vielfach ausgezeichnete, stets dokumentarisch arbeitende Autorin und Dramaturgin Gesine Schmidt hat all dies am Beispiel der niedersächsischen Stadt Göttingen untersucht. Aus Tausenden Seiten von Akten, Protokollen, Zeitzeugenberichten verdichtet Schmidt ein Gerüst, eine Methodik, ein Narrativ, das die Vorgänge der Jahre zwischen 1933 bis in die unmittelbare Nachkriegszeit und den "Wiedergutmachungsprozessen" und bis heute neu erfahrbar werden lässt. Aus der Montage der ausgewählten Originaldokumente für das Hörspiel ergibt sich das eindringliche Bild einer Zeit, in der alle für sicher gehaltenen Regeln menschlichen Miteinanders außer Kraft gesetzt wurden.

Mitwirkende

Ein Hörspiel von Gesine Schmidt
Mit Swetlana Schönfeld als Grete Löwenstein,
Michael Prelle als Ludwig Löwenstein,
Wolf-Dietrich Sprenger als Max M. Hahn,
Peter Maertens als Max Raphael Hahn,
Ben Hecker als Oskar Schubert,
Gustav Peter Wöhler als Albert Gnade sowie
Barbara Nüsse, Anjorka Strechel, Toni Jessen, Horst Kotterba und Sebastian Rudolph. Und mit Bürgern der Stadt Göttingen: Monika Zacharias, Renate Flöring, Reinhard Wiesner, Margit und Wolfgang Rohrbach
Besetzung: Dagmar Titz und Marc Zippel
Ton und Technik: Manuel Glowczewski und Birgit Gall
Regieasssistenz: Anne Abendroth
Regie: Giuseppe Maio
Produktion: NDR 2018 l 84 min.
Redaktion: Michael Becker

Podcast
Podcast

NDR Hörspiel Box

Der Podcast zum Wegträumen und Wachwerden: Krimis und Klassiker, Literatur und Pop als Download. Alles in einer Box. mehr

Weitere Informationen

75 Jahre Kriegsende: Klaras Schrank

05.05.2020 20:00 Uhr

Klara Berliners Vater Joseph gründete mit seinem Bruder Emil die Deutsche Grammophon. Klara wurde im KZ Theresienstadt ermordet. Heute lebt die Familie Berliner in Amerika. mehr

75 Jahre Kriegsende: Ist das antisemitisch?

12.05.2020 20:00 Uhr

Wann kippt ein Gespräch? Wann schiebt sich Unterschwelliges nach oben? Wann ist eine Äußerung antisemitisch? Das Feature geht dieser komplexen Frage nach. mehr

75 Jahre Kriegsende: Hörspiel "Träume"

13.05.2020 20:00 Uhr

Szenarien fundamentaler Ängste, darunter die Furcht vor Deportation, innerer Leere, atomarer Bedrohung. Gunter Eich schrieb mit seinem Hörspiel "Träume" Radiogeschichte. mehr