Stand: 20.05.2020 18:31 Uhr

Ramadan: Das Zuckerfest in Zeiten von Corona

von Bita Schafi-Neya

In dieser Woche geht der muslimische Fastenmonat Ramadan zu Ende. Gefeiert wird traditionell drei Tage lang mit dem Fest des Fastenbrechens, im Türkischen auch Zuckerfest genannt. Geprägt sind diese Festtage normalerweise durch ein gemeinschaftliches Freitagsgebet zum Ende des Ramadan und gegenseitige Besuche von Familie und Freunden. Doch wegen der Corona-Krise sind solche Zusammenkünfte zurzeit nicht erlaubt. Wie haben die Muslime den Ramadan in der Corona-Zeit erlebt und wie bereiten sie sich auf die Festtage vor?

Bild vergrößern
Obwohl dieses Jahr alles anders ist, versucht Sadiqu Al-Mousllie dennoch das Positive zu sehen.

Zum letzten Mal wird in der Islamischen Gemeinde in Braunschweig der Ruf des Muezzin erklingen. Sadiqu Al-Mousllie, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Niedersachsen, sitzt in der Moschee und bereitet sich auf das Festgebet zum Ende des Ramadan vor. Allerdings nur im engsten Familienkreis, denn sein Gotteshaus, die Iqra-Moschee, bleibt für die Mitglieder wegen des Corona-Virus vorerst geschlossen: "Es ist für die Gesundheit unserer Mitglieder und unserer Besucher wichtig, weil man sich sehr nahe kommt im Gebet", erklärt Al-Mousllie. "Man betet zusammen, Schulter an Schulter. Und in diesen Zeiten ist es notwendig, gewisse Abstände zu halten. Daher werden die Moscheen gerade nicht besucht."

Treffen übers Internet "nicht das Gleiche"

Normalerweise versammeln sich nach Sonnenuntergang 40 bis 50 Gläubige in der Braunschweiger Moschee. Etwas betrübt blickt Sadiqu Al-Mousllie auf die Fastenzeit: "Es ist ein befremdliches und trauriges Gefühl. Wenn man in die Moschee geht, dann möchte man gerne mit anderen zusammen sein. Natürlich geht man auch, um Gott näher zu kommen und auch um seine Gebete zu verrichten, aber es gehört einfach dazu, das in Gemeinschaft zu tun."

Weitere Informationen

Muezzinrufe in Garbsen: "Einfach unbeschreiblich"

Da wegen der Corona-Pandemie die Moscheen während des Ramadan geschlossen bleiben mussten, erlaubten einige deutsche Behörden den Muezzinruf über Lautsprecher. Auch in Garbsen bei Hannover. mehr

Trotzdem besteht regelmäßiger Kontakt zu den Mitgliedern, denn die islamische Gemeinde benutzt auch während des Ramadan verstärkt das Internet: "Es ist nicht das Gleiche, wenn man sich persönlich trifft, aber es ist auf jeden Fall ein kleiner Trost für uns alle gewesen, dass wir uns trotzdem im Internet getroffen und miteinander gesprochen haben", berichtet Al-Mousllie. Darüber hinaus werden regelmäßig Freitagsbotschaften über das Internet gesendet und Lesungen aus dem Koran live übertragen.

Mehr Zeit für die Familie

Obwohl dieses Jahr alles anders ist, versucht Sadiqu Al-Mousllie dennoch das Positive zu sehen. Vor der Corona-Krise arbeitete der 49-Jährige deutlich mehr in seiner Zahnarztpraxis - jetzt dagegen hat er viel mehr Zeit für seine Familie und seine fünf Kinder. Besonders seine jüngste Tochter Dana freut sich darüber: "Eigentlich ist das gar nicht so schlimm, weil man viel mehr zusammen machen kann. Und die Größeren machen eher mit, wenn wir jetzt zum Beispiel Spiele spielen."

Auch sein 19-jähriger Sohn Jbrahim genießt die gemeinsame Zeit zu Hause. Auch wenn der Ramadan diesmal anders verlaufen ist als sonst, möchte er die Zeit nicht missen: "Es war alles in allem trotzdem eine neue Erfahrung, die uns viel gebracht hat und die Familie näher zusammengebracht hat. Man hat viel mehr miteinander unternommen, zwangsläufig."

Große Feier zum Ende des Ramadan

Algerisches Gebäck liegt auf einer Etagere © NDR.de Foto: Kristina Festring-Hashem Zadeh

Ramadan: Das Zuckerfest in Zeiten von Corona

NDR Kultur - Freitagsforum -

In dieser Woche geht der Ramadan zu Ende. Gefeiert wird traditionell drei Tage lang mit dem Fest des Fastenbrechens. Wie bereiten sich Muslime in der Corona-Zeit auf die Festtage vor?

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Das Fasten während des Ramadan gilt neben dem öffentlichen Glaubensbekenntnis und der Pilgerfahrt nach Mekka zu den Grundsäulen des Islam. Es werden Geduld und Disziplin geübt und Almosen an Bedürftige verteilt: "Diese Armensteuer bezahlen die Leute, die es können" sagt Sadiqu Al-Mousllie. "Das sind ungefähr sieben, acht Euro pro Person im Haushalt, und das wird an die Ärmeren in der Gesellschaft abgeführt, damit sie auch diesen Tag feiern können."

Die Muslime richten sich bei religiösen Festen vor allem nach dem Mondkalender. So wird das Ende des Ramadan in diesem Jahr von Sonntag bis Dienstag gefeiert. Schon seit einigen Tagen bereitet die ganze Familie die große Feier vor: Festkleider werden zurechtgelegt, Kekse gebacken und besondere Speisen gekocht. Sadiqu Al-Mousllie hofft auf schönes Wetter, denn dann wollen alle gemeinsam im Park Musik hören und picknicken: "Wir wollen versuchen, die Zeit ein bisschen zu genießen, eine Kleinigkeit zusammen zu essen und den Tag besonders zu gestalten. Das ist insbesondere für Kinder wichtig, dass sie das Gefühl haben, dass das ein besonderer Tag ist."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 22.05.2020 | 15:20 Uhr