Stand: 13.12.2017 15:41 Uhr Archiv

Gesandte im Auftrag Gottes: Engel im Islam

Sie sind nicht nur auf Gemälden oder als Skulpturen in den Kirchen zu finden, sondern hängen auch an Christbäumen. Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit umgeben uns Engel mehr denn je. Immerhin jeder zweite Deutsche glaubt an ihre Existenz - laut einer aktuellen Studie. Engel kommen in vielen Religionen vor, auch im Islam.

Von Hamideh Mohagheghi

Im Koran ist wie im Christentum ein Engel beauftragt, Marias Empfängnis auf Geheiß Gottes anzukündigen. Bei der Geburt Jesu war es ebenfalls ein Engel, der die Jungfrau Maria in ihrer Einsamkeit begleitete und ihr Trost schenkte. 

Über die Autorin

Hamideh Mohagheghi, islamische Theologin und Juristin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für islamische Theologie und Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften der Universität Paderborn. Sie wurde in Teheran geboren und lebt seit mehr als 30 Jahren in Hannover. Bundesweit engagiert sie sich im interreligiösen und interkulturellen Dialog. Auch in diesem Jahr hat sie wieder an der Deutschen Islam Konferenz teilgenommen. Hamideh Mohagheghi hat zahlreiche Veröffentlichungen zum Islam und zum interreligiösen Dialog herausgegeben.

Auch Muslime glauben also wie Christen an Engel, an aus Licht erschaffene Wesen, die im Auftrag Gottes handeln. Sie sind körperlose, überirdische Geschöpfe, die still und unsichtbar an der Seite der Menschen sind. Es ist im Koran die Rede von unzähligen Engeln.

Zu den bekanntesten gehört Gabriel, dem die Muslime die Überbringung der Offenbarung des Koran verdanken. Über einen Zeitraum von mehr als 22 Jahren hat er die Worte und die Botschaft Gottes an den Propheten Muhammad vermittelt. Ein weiterer Engel, der Todesengel, ist stets präsent. Er nimmt die Seelen und begleitet die Menschen in das ewige Leben. Und es sind Engel, die beim Eingehen ins Paradies den Friedensgruß sprechen. In den koranischen Erzählungen sind sie die helfenden Kräfte, die den Menschen in Not oder im Kampf gegen das Böse zur Seite stehen.

Die Stimme des Gewissens

Muslime meinen, dass zwei Engel die Menschen immer begleiten: Der Engel auf der rechten Schulter verzeichnet die guten und der auf der linken die schlechten Taten im "Buch des Lebens", das vor dem Gericht Gottes aufgeschlagen wird. Sie werden nicht "Schutzengel" wie im Christentum genannt, sind aber in gewisser Weise auch Hüter - die Stimme des Gewissens, die die Menschen vor dem Bösen warnt. Dennoch sind es im Islam nicht die Engel, die beschützen, sondern es ist letztendlich Gott. Man wünscht sich die Begleitung Gottes und nicht die Begleitung der Schutzengel.

Das Freitagsforum zum Nachhören
Persische Miniatur: der Engel Gabriel und der Prophet Mohammed © picture alliance/CPA Media
3 Min

Gesandte im Auftrag Gottes: Engel im Islam

Auch viele Muslime glauben wie Christen an Engel. 3 Min

Es gibt zwar Bilder, die die Engel als Wesen mit Flügeln darstellen, anders als in den christlichen Kirchen sind in den muslimischen Gebetshäusern und Moscheen jedoch keine Abbildungen und Statuen von ihnen zu finden. Ihre Rolle ist nicht so sichtbar und inspirierend für Literatur und Kunst, wie man es aus der christlichen Tradition gewohnt ist.

Ein zentraler Glaubensgrundsatz

Der Glaube an die Existenz von Engeln gehört auch heute zu den zentralen Glaubensgrundsätzen im Islam, wie unter anderem auch der Glaube an den einen Gott oder an die Propheten. Vorwiegend ist dabei der Glaube an den Engel Gabriel, den Überlieferer des Koran, präsent.

Sicher ist nach der islamischen Überlieferung: Auch das Ende der Welt wird von einem Engel - Israfil - mit einer Posaune angekündigt. Und: Am Jüngsten Tag werden die Engel scharenweise zusammenkommen. Vielleicht wird uns dann offenbart, was wir immer gerne über sie wissen wollten!

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 15.12.2017 | 15:20 Uhr

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