Ahmadiyya-Gemeinde in Kiel © Ahmadiyya-Gemeinde

Corona: Kieler Moscheen in Zeiten der Pandemie

Stand: 23.10.2020 12:28 Uhr

Die Corona-Pandemie ist wieder auf dem Vormarsch. Die Infektionszahlen sind in dieser Woche sprunghaft angestiegen. Umso wichtiger sind strenge Hygiene-Regeln - das gilt auch für Moscheegemeinden.

von Andrea Ring

Ohne Gebetsteppich kein Zutritt zur Ulu Camii, zur Großen Moschee. Da ist die Kieler Ditib-Gemeinde streng mit ihren Gläubigen, sagt der Vorsitzende Bekir Yalim. "Wenn Sie in die Moschee reingehen, müssen Sie einen Gebetsteppich haben. Falls nicht, lassen wir Sie vor dem Eingang, da ist so eine kleine Ecke, wo wir zwei Reserve-Gebetsteppiche hingestellt haben. Die Innentür wird seit vier Wochen abgeschlossen."

Der Schutz vor der Ausbreitung des Corona-Virus macht es nötig - und das wird auch akzeptiert, sagt Bekir Yalim. Mit manchen Moschee-Besuchern gab es Sprachprobleme: "Davon waren einige etwas sauer, dass sie ohne Teppich nicht ihre Gebete verrichten durften. Wir lassen nicht einmal mit Jacke die Gebete verrichten."

Viele verzichten auf den Moschee-Besuch

Hasib Ghaman © Ahmadiyya-Gemeinde
Hasib Ghaman ist Imam und Theologe der Ahmadiyya Gemeinde in Kiel.

Der eigene Teppich ist auch in der Ahmadiyya-Gemeinde Pflicht, sagt Imam Hasib Ghaman, die Jacke als Unterlage ist allerdings erlaubt, wenn jemand etwa direkt von der Arbeit kommt oder auf Durchreise ist. Für den Fall hatten sie vor Corona auch Gebetsmützen vorrätig.

Einige haben aber gleich zu Beginn der Epidemie auf den Moschee-Besuch verzichtet, hat Bekir Yalim beobachtet: "Gerade ältere Menschen, die chronische Krankheiten haben, haben sich von den Gebetszeiten ferngehalten."

Das hat auch der Vorstand den Gemeindemitgliedern schließlich generell geraten: "Und die haben das mittlerweile sehr gut angenommen", so Yalim. "Mittlerweile geben wir weiter, dass nicht nur ältere Menschen, sondern auch Babys betroffen sind." Die Ahmadiyya hat eine Altersgrenze auch für Kinder empfohlen, berichtet Hasib Ghaman: "Alle Kinder unter zehn Jahren sollen die Moschee nicht aufsuchen, daher bleiben auch einige Frauen weg, die die Kinder zu Hause betreuen."

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Harte Kontrollen

In der Moschee markieren - wie im Supermarkt - Klebebänder auf dem Boden Abstände von 1,50 Meter. Maske und Desinfektion sind selbstverständlich. Beim Eintrag in die Liste der Besucher gab es allerdings ähnliche Probleme wie in den Restaurants: "Es kommt vor, ja, gerade bei Menschen mit Sprachproblemen", berichtet Yalim. "Wir erwähnen immer wieder, dass diese Namenliste für uns sehr wichtig ist, dass sie vollständig ausgefüllt werden muss."

Seit sechs Wochen wird hart kontrolliert, sagt der Gemeindevorsitzende. Beim Freitagsgebet steht er selbst als "Security" an der Tür. Auch vorgeschrieben sind Strümpfe: "Nicht aus religiösen Gründen, sondern hauptsächlich aus Hygienegründen", so Yalim.

Weitere Einschränkungen

In den Waschräumen sind einige Wasserhähne mit Klebeband abgesperrt, damit der Abstand eingehalten wird. Die Ahmadiyya-Gemeinde rät, die rituelle Waschung zu Hause vorzunehmen. Die Gebetszeiten sind von fünf auf täglich drei reduziert. Das Zuckerfest zum Ende der Fastenzeit und das Opferfest Ende Juli haben stattgefunden - natürlich ohne Umarmungen, sagt Hasib Ghaman: "Man hat das in den Augen gesehen, dass das fehlt." Die Gemeindemitglieder hätten sich gern wenigstens im Freien und auf Abstand noch unterhalten: "Das haben wir trotzdem nicht erlaubt, weil die Personenanzahl zu groß ist und es auf unserem Parkplatz nicht die Möglichkeit besteht. Dieser Austausch hat vielen gefehlt."

Hasib Ghaman ist auch Imam für die kleinen Gemeinden in Schleswig, Dithmarschen und Husum. Weil auch die Gebetsorte hier klein sind, haben sie die Feste gleich in den Garten verlegt. Es ist, wie Bekir Yalim sagt: "Diese Corona-Zeit können wir nur gemeinsam überstehen, wenn jeder seinen kleinen Beitrag dazu leistet." Und sich an die Regeln hält. Dann können die Ulu Camii und die Ahmdiyya-Gemeinde den nächsten Ramadan hoffentlich auch wieder in der Moschee feiern.

Das Dach einer Moschee.

AUDIO: Corona: Kieler Moscheen in Zeiten der Pandemie (5 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 23.10.2020 | 15:20 Uhr

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