Stand: 12.09.2018 16:22 Uhr

Emine Akbaba: Bilder jenseits der Stereotype

von Ita Niehaus

Betende Männer in der Moschee, Kopftuch tragende Frauen mit Einkaufstüten oder islamistische Terroristen mit Maschinengewehren -  die  Bildmotive ähneln sich, wenn es in den Medien um Muslime oder um den Islam geht. Doch es gibt auch den anderen Blick auf das Thema. Ohne Klischees und Stereotype. Das zeigen zum Beispiel die Aufnahmen der Fotografin Emine Akbaba aus Hannover.

Zwei Mädchen sitzen entspannt auf dem Rasen und rauchen Shisha - eine Wasserpfeife. Im Hintergrund steht ein Gartenzwerg vor dem Gemüsebeet. Auf einem anderen Foto sind zwei Frauen zu sehen; sie backen gemeinsam Brot auf dem "Sac", dem traditionellen türkischen Ofen. Szenen aus einem Schrebergarten - festgehalten mit der Kamera von Emine Akbaba. "Es zeigt natürlich, dass die türkische Gesellschaft in Deutschland angekommen ist", meint die Fotografin. "Weil so ein Schrebergarten ist typisch deutsch."

Fotos und Meinungen zum Thema

Nah dran am Alltag von Muslimen

Emine Akbaba kommt aus Hannover, sie hat ihr Atelier mitten im multikulturellen Stadtteil Linden. Der 30 Jahre alten Fotografin ist es wichtig, die Lebenswelten von Muslimen in allen ihren Facetten darzustellen. Denn immer wieder fällt ihr auf, dass Muslime auf ihre Religion reduziert werden. "Klar, es gibt auch in meiner Fotoserie eine Frau, die im Schrebergarten betet. Aber das ist ja nicht nur deren Alltag. Die unterhalten sich, feiern", stellt Akbaba klar. "Wir haben die gleichen Probleme wie unsere Nachbarn, aber auch einen ganz normalen Alltag, der nicht so anders ist, wie man sich immer vorstellt."

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Bilder jenseits der Stereotype

14.09.2018 15:20 Uhr

Es ist nicht immer einfach, klischeefreie Fotos zu finden - wenn es in den Medien um Muslime oder den Islam geht. Doch es gibt auch den anderen Blick auf das Thema. Audio (03:54 min)

Die muslimischen Lebenswelten in all ihrer Vielfalt zeigen

Deutsch zu sein mit türkischen Wurzeln - für Emine Akbaba ganz selbstverständlich. Die freiberufliche Fotografin hat sich inzwischen in ihrer Branche einen Namen gemacht. Sie arbeitet international, oft auch mit Hilfe von Stipendien an längerfristigen Projekten. Ihre Bilder haben Preise gewonnen. Was Emine Akbaba an ihrer Arbeit besonders reizt? "Es öffnet dir Türen", sagt Akbaba. "Du kannst für einen kurzen Moment die Gefühlswelt der Mitmenschen aufs Bild übertragen. Ich habe nicht den traditionell fotojournalistischen Blickwinkel zu den Geschichten, ich habe eher einen dokumentarischen Stil."

Zur Zeit ist Emine Akbaba häufiger in der Türkei, arbeitet dort gemeinsam mit einer schreibenden Journalistin an einem Projekt über die zunehmende Gewalt an Frauen. Schon seit einigen Jahren beschäftigt sie sich mit der Situation von Frauen in islamisch geprägten Ländern. Lange hat sie überlegt, ob sie sich beruflich mit dem Thema Islam und Migration auseinandersetzen soll: "Ich hatte Angst davor, dass ich in eine Schublade gesteckt werde. `Da ist die Emine, die nur über die Türken berichten kann`."

Der klischeefreie Blick setzt sich nur langsam durch

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Der Klassiker in der gängigen Bildsprache, um DIE muslimische Frau zu zeigen: mit Kopftuch und von hinten.

Inzwischen schätzt Emine Akbaba vor allem die Vorteile. Sie kennt sich aus in beiden Kulturen, kann als Fotografin auch in der deutsch-türkischen Community aus der, wie sie sagt, ersten Reihe berichten. Doch sie beobachtet, dass sich der differenzierte Blick auf den Islam und den Alltag von Muslimen nur langsam in der Bildsprache durchsetzt. Viel zu oft sei auf den Titelseiten etwa noch die Burka-Trägerin zu sehen und nicht die erfolgreiche muslimische Unternehmerin mit Kopftuch. "Es ist sehr plakativ, was heute immer wieder angeboten wird. Aber es ist leider auch so, dass von den Redakteuren keine andere Bildsprache angenommen wird. Es wird immer wieder gesagt, unsere Leser wollen etwas anderes sehen."

Die stereotype Bildsprache hinterfragen - wichtiger denn je

Und das sind eben nicht immer die Bilder, die Emine Akbaba macht. Ein fröhliches Mädchen mit Kopftuch zum Beispiel, das auf einem Trampolin herumspringt, passt nicht in die zum Teil aufgeheizte Islamdebatte. Akbaba ist überzeugt: Es ist wichtiger denn je, die gängige stereotype Bildsprache zu hinterfragen. Das könnte auch den Blick auf die Muslime in Deutschland verändern. "Wenn mehr Fotografien zur Verfügung stehen von unseren türkischen Mitbürgern etwa, die erfolgreich in ihrem Beruf sind  - dann kommt es bei dem Betrachter an. Der dann auch sagt, ok, das existiert auch."

Mehr Bilder von Emine Akbaba und anderen Fotografen findet man auf der Homepage des Fotopreises des Nahost-Magazins Zenith.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 14.09.2018 | 15:20 Uhr