Am Morgen vorgelesen

Die Sonnabend-Story: Unser täglich Brot gib uns heute

Samstag, 19. Januar 2019, 08:30 bis 09:00 Uhr

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Mirjam Pressler starb am 16. Januar 2019 im Alter von 78 Jahren.

Schon bei einem kurzen Blick auf diese Biographie bleibt nur der bewundernde Ausruf: Was für ein Leben! Geboren 1940 in Darmstadt als Tochter einer jüdischen Mutter, aufgewachsen in sehr ärmlichen Verhältnissen bei einer Pflegefamilie, später untergebracht in einem Internat, dann Studium der Bildenden Künste in Frankfurt am Main und Sprachen in München. Zwischendurch lebte sie ein Jahr in einem Kibbuz in Israel. Zwischen 1966 und 1971 brachte sie drei Töchter zur Welt, eröffnete einen Jeansladen in München, und als der ihr gekündigt wurde, begann sie zu schreiben.

Literatur für Kinder und Erwachsene

"Ich brauchte das Geld", sagte sie in Erinnerung an ihre literarischen Anfänge. Außerdem bot ihr das Schreiben am ehesten die Möglichkeit, für ihre Töchter da zu sein. Ihr drittes Buch fand endlich einen Verlag. "Bitterschokolade" erschien 1980. Mirjam Pressler war 39 Jahre alt. Die Geschichte über ein junges Mädchen mit Essstörungen fand nicht nur viele begeisterte Leser, sondern wurde auch mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Seitdem veröffentlichte Mirjam Pressler 50 Bücher, und hat dabei meistens die Grenze zwischen Kinder- und Jugendliteratur und sogenannter Erwachsenenliteratur schlichtweg ignoriert. Das autobiographische Buch "Wenn das Glück kommt, musst du ihm einen Stuhl hinstellen" und Romane wie "Malka Mai" und "Ein Buch für Hanna" erzählen Geschichten von Kindern und Jugendlichen, die für Erwachsene zu lesen bis heute ebenso reizvoll sind wie für eine jüngere Leserschaft.

Einsatz für die Völkerverständigung

Neben ihrer Autorentätigkeit hat sich Mirjam Pressler auch als Übersetzerin hervorgetan, vor allem mit Texten aus dem Niederländischen und Hebräischen. Für die Übersetzung von Amos Oz‘ Roman "Judas" wurde sie 2015 mit dem Leipziger Buchpreis in der Rubrik Übersetzung ausgezeichnet. Und mit ihrer Neuübersetzung der Tagebücher der Anne Frank sowie einer Anne-Frank-Biographie hat sie dieser erschütternden Lebensgeschichte ein literarisches Denkmal gesetzt. Mehr als 300 Werke hat Mirjam Pressler ins Deutsche übertragen. Darunter auch die zentralen Werke von Zeruya Shalev. Für ihren "herausragenden Einsatz für die Völkerverständigung, insbesondere zwischen Israel und Deutschland, und die Erinnerung an das nationalsozialistische Unrecht" wurde Mirjam Pressler noch im Dezember mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Für unsere Reihe "Das erste Mal - Autoren lesen aus bisher unveröffentlichten Texten" hat sie einmal eine Geschichte über die unmittelbare Nachkriegszeit ausgewählt mit dem Titel: "Unser täglich Brot gib uns heute". In Erinnerung an diese einfühlsame, sprachbegeisterte und phantasiereiche Schriftstellerin wiederholen wir diese Aufnahme aus dem Jahr 2015.

Leider können wir diese Lesung aus rechtlichen Gründen nicht zum Nachhören anbieten.

Weitere Informationen

"Ich brauchte das Geld"

13.06.2015 18:00 Uhr

Am 18. Juni feiert Mirjam Pressler ihren 75. Geburtstag. Was sich die Schriftstellerin und Übersetzerin zum Geburtstag wünscht, verrät sie im Gespräch mit Joachim Dicks. mehr