Am Morgen vorgelesen

Die Sonnabend-Story: Audio. Ergo. Sum. - Radiogeschichten

Samstag, 27. Juni 2020, 08:30 bis 09:00 Uhr

Die Schriftstellerin Helga Schubert © ORF/dpa
Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert.

Die 1940 in Berlin geborene Helga Schubert war vor vierzig Jahren schon einmal nach Klagenfurt eingeladen worden. Doch damals konnte sie nicht teilnehmen: Die Regierung der DDR versagte ihr die Ausreise, mit zwei Begründungen: Erstens gebe es keine "deutsche" Literatur für alle deutschsprachigen Länder. Und zweitens: Marcel Reich-Ranicki, damals Jury-Vorsitzender des renommierten Literaturwettbewerbs, sei ein "berüchtigter Antikommunist", so die Stasi. Nach seinem Ausscheiden 1987 war Helga Schubert bis 1990 Mitglied der Jury. Nun hat sie, vorgeschlagen von der Literaturkritikerin Insa Wilke, als älteste Teilnehmerin überhaupt den mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreis erhalten. Allein die Teilnahme nennt Helga Schubert "einen kleinen Sieg über die Diktatur". Der Wettbewerb wurde in diesem Jahr Corona-bedingt virtuell im Internet ausgetragen, nachdem er zunächst ganz abgesagt werden sollte. Die Texte der teilnehmenden Autoren wurden vorab aufgezeichnet, und die Jury unter dem Vorsitz von Hubert Winkels diskutierte aus dem Home-Office.

Ein komplexes und vielschichtiges Leben

Helga Schubert, die mit ihrem Mann, dem Maler und emeritierten Professor der Psychologie Johannes Helm seit 2008 in Neu Meteln bei Schwerin lebt, hat ein "Doppelleben" als Schriftstellerin und klinische Psychologin geführt. Sie war Mitglied des Schriftstellerverbandes und des PEN-Zentrums der DDR und ist seit deren Ende Mitglied des gesamtdeutschen PEN. Sie schrieb Kinderbücher und Theaterstücke, Hör- und Fernsehspiele sowie Drehbücher.

Helga Schuberts Text für Klagenfurt, der den Titel "Vom Aufstehen" trägt, ist autobiographisch und von komplexer Struktur. Raffiniert verwoben sind darin die Geschichte über das Leben und Sterben ihrer Mutter und ihre Beziehung zu ihr, Erinnerungen an den Krieg und die DDR sowie Empfindungen zu ihrem kranken Mann, - das alles im Moment des "Aufstehens". Der Titel "Vom Aufstehen“ ist eine Hommage an Ingeborg Bachmanns Erzählung "Das dreißigste Jahr", wie Helga Schubert in ihrer Dankesrede erklärte. Dort wird der Protagonist am Ende zum Aufstehen aufgefordert, Zitat „Ich sage Dir: Steh auf und gehe! Es ist dir kein Knochen gebrochen“.

Weitere Informationen
Helga Schubert sitzt in ihrem Garten © NDR.de Foto: Lenore Loetsch

Mit 80 Jahren Preisträgerin des Bachmann-Wettbewerbs

Die 80-jährige Helga Schubert hat den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. NDR Kultur hat die Preisträgerin vor Bekanntgabe in ihrem Wohnort bei Schwerin besucht. mehr

Die Autorin Helga Schubert © picture alliance/Handout/ORF/dpa

Helga Schubert gewinnt renommierten Bachmannpreis

Mit einem Text über eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung hat die Schriftstellerin Helga Schubert aus Neu Meteln bei Schwerin einen der wichtigsten deutschsprachigen Literaturpreise gewonnen. mehr

NDR Kultur Livestream

Matinee

09:00 - 13:00 Uhr
Live hörenTitelliste