Am Morgen vorgelesen

Die Sonnabend-Story: Erwachsenenspiele

Samstag, 28. September 2019, 08:30 bis 09:00 Uhr

Am 21. September ist der Schriftsteller Günter Kunert im Alter von 90 Jahren gestorben. Aus diesem Anlass senden wir einen von ihm selbst vorgelesenen Auszug aus seinen Lebenserinnerungen aus dem Jahr 1997, die den Titel "Erwachsenenspiele" tragen.

Der deutsche Schriftsteller Günther Kunert. © NDR Foto: Benedikt Stubendorff
Der 1929 in Berlin geborene Schriftsteller Günter Kunert.

Günter Kunert gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen der Nachkriegszeit. Sein Leben in beiden deutschen Staaten ist exemplarisch. Kunert wird von Weggefährten und Freunden als ein "heiterer Melancholiker" beschrieben, aber auch als ausgesprochen witzig, ja sarkastisch. Über hundert Bücher hat er in seinem langen Leben geschrieben, Gedichtbände, Prosa, Kinderbücher, Hörspiele, Erzählungen. Zuletzt erschien aus Anlass seines 90. Geburtstags am 6. März 2019 der Roman "Die zweite Frau", den Kunert seit der Zeit seiner Entstehung 1974/75 zurückgehalten hatte: Zu brisant wegen seiner beißenden Kritik an den herrschenden Zuständen in der DDR. Sein letzter Gedichtband "Zu Gast im Labyrinth" ist in dieser Woche im Hanser Verlag erschienen.

Günter Kunert wurde 1929 in Berlin geboren. Obwohl seine Mutter Jüdin war, entging er der Verfolgung durch die Nazis. Nach 1945 brach er ein Grafikstudium ab, um zu schreiben und wurde von Johannes R. Becher und Bertolt Brecht gefördert.  Als Schriftsteller war er schnell erfolgreich; Maler und Grafiker blieb er aber auch bis zu seinem Lebensende. Günter Kunert war 1948 der SED beigetreten. Trotz seiner kritischen Haltung zum DDR-Regime durfte er in den Westen, auch nach Amerika reisen, wo er Gastdozenturen innehatte und Ehrendoktorwürden erhielt.

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